Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Dagmar Schmidt für die sozialdemokratische Fraktion. Dagmar Schmidt : Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Minister hat es gesagt: Wir haben ein gutes, aber auch das teuerste Gesundheitssystem der Europäischen Union. Viele Menschen haben trotzdem das Gefühl, dass es für sie nicht gut funktioniert – …
Vielen Dank. – Die nächste Rednerin ist Dagmar Schmidt für die sozialdemokratische Fraktion. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Dagmar Schmidt (Wetzlar) (SPD): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Minister hat es gesagt: Wir haben ein gutes, aber auch das teuerste Gesundheitssystem der Europäischen Union. Viele Menschen haben trotzdem das Gefühl, dass es für sie nicht gut funktioniert – lange Wartezeiten beim Arzt, fehlende Fachärzte, insbesondere auf dem Land, verstopfte Notaufnahmen in den Krankenhäusern –, und das Gefühl, in einem komplizierten System alleingelassen zu werden. Deswegen müssen wir nach dem Spargesetz vom Sommer jetzt die Reformen machen, die die Gesundheitsversorgung verbessern. Es geht um die Patientinnen und Patienten. Gerade weil sie im System nicht die lautesten sind, müssen sie für uns im Mittelpunkt stehen. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Und dabei können wir in Zukunft auch sparen, und zwar dort, wo es den Patientinnen und Patienten wirklich nutzt. Denn wir geben viel aus für unnötige Doppeluntersuchungen und überflüssige Termine, und wir verschwenden Zeit mit zusätzlicher Bürokratie. Vieles muss besser werden, und das steht jetzt an. Wenn man akut krank wird oder das Kind Schmerzen hat, dann kann man nicht immer selber feststellen, wie groß und wie dringend das gesundheitliche Problem ist. Deswegen ist es wichtig, dass wir für solche Situationen kompetente Anlaufstellen haben, die helfen und für die richtige Versorgung sorgen, entweder telefonisch, telemedizinisch, digital oder in Form einer gemeinsamen Notaufnahme von ambulanten Ärzten und Krankenhäusern. Niemand soll mehr hin und her geschickt werden, niemand soll mehr stundenlang in der Notaufnahme warten, und niemand soll mehr mitten in der Nacht oder am Wochenende zur Notapotheke geschickt werden, weil der Arzt das Medikament nicht dabeihaben darf. Wir wollen, dass Notärztinnen und Rettungssanitäter die Betroffenen auch zu Hause behandeln können, ohne sie ins Krankenhaus zu transportieren. Wir wollen wieder mehr Hausbesuche, gerade wenn es um Kinder oder ältere Menschen geht. Dafür sorgen wir mit unseren Reformen, und das muss schnell gehen. Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Union (einzelne Abg.) Eigentlich sollte es überall in Deutschland eine gute fachärztliche Grundversorgung geben; dafür stehen die Kassenärztlichen Vereinigungen mit ihrem Sicherstellungsauftrag. Wir alle wissen aber, dass es so nicht ist, insbesondere nicht im ländlichen Raum. Das hat viele Ursachen; aber das darf so nicht bleiben. Was wir wollen, ist mehr Sicherheit im System: die Sicherstellung der Grundversorgung mit einer guten Begleitung durch Hausärzte und durch Kinderärzte. Auf sie wird eine noch größere Verantwortung zukommen, und deswegen ist es gut, dass wir den sogenannten Fixkostendegressionsabschlag wieder abschaffen. Super Politikerdeutsch, aber das bedeutet auf Deutsch: mehr Geld für die direkte Patientenversorgung. Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Union (einzelne Abg.) Und wir wollen mehr Gerechtigkeit im System. Dazu gehört die Termingarantie für Kassenpatienten. Es kann nicht sein, dass in einem der teuersten Gesundheitssysteme der Welt gesetzlich Versicherte so lange auf Facharzttermine warten müssen. Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Simone Borchardt (Union) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Wir alle haben da schon einiges ausprobiert; aber nichts hat das Problem gelöst. Deswegen nehmen wir endgültig alle in die Pflicht und öffnen, wenn nötig, die Türen der Krankenhäuser, damit dies endgültig ein Ende findet. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn ein Mensch pflegebedürftig wird, verändert sich das Leben einer ganzen Familie. In dieser Situation müssen sich die Menschen darauf verlassen können, dass die Pflege funktioniert, dass man einfach und schnell Beratung und Unterstützung erhält und mit den anfallenden Kosten nicht alleingelassen wird. Wir haben in der Pflege keine Vollversicherung wie in der Krankenversicherung, aber wir haben gute Leistungen, die helfen und das Leben leichter machen. Es ist richtig, in Zeiten, in denen wir jeden Monat riesige Defizite und eine rasante Steigerung der Zahl der Pflegebedürftigen haben, die weit über der demografischen Entwicklung liegt, genau zu gucken, ob das Geld so zielgenau und so gut ausgegeben wird wie nötig. Und es ist auch richtig, zu gucken, was wir präventiv besser machen können, um Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder hinauszuzögern. Auch hier kann man Dinge im Sinne der Menschen besser machen und trotzdem dabei Geld sparen. Was wir aber nicht machen dürfen, ist ein Kürzungsgesetz Pflege. Auch wenn das anspruchsvoll wird: Wir dürfen Familien in dieser schwierigen Situation nicht alleinlassen. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Und wir brauchen mehr Zusammenarbeit aller vor Ort: Ärztinnen, Apotheker, Pflegekräfte, Arztassistenten – ein neuer Beruf –, Gemeindeschwestern, Therapeuten und Menschen in sozialen Berufen. Denn die Grenzen zwischen gesundheitlichen und sozialen Problemen sind fließend. Einsamkeit ist immer noch ein Thema, und Prävention gelingt besser, wenn alle gut und einfach zusammenarbeiten können. Denn das größte Pfund, das wir haben, sind die Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten, oft tags und nachts und mit hohem persönlichem Einsatz. Ihnen allen mit mehr Kompetenzen und weniger Bürokratie, mit Digitalisierung und KI das Leben leichter zu machen, ist auch Ziel unserer Reformen. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) ↳ Albert Stegemann (Union): »So ist es!« Am Ende ist der Maßstab dafür ganz einfach: Wenn mein Kind nachts schlimm krank ist, muss ich wissen, wo ich Hilfe bekomme. Wenn ich einen Facharzt brauche, darf mein Geldbeutel nicht darüber entscheiden, wie lange ich warten muss. Und wenn meine Eltern pflegebedürftig werden, darf meine Familie damit nicht alleingelassen werden. Das ist die Sicherheit, die unser solidarisches Gesundheitssystem geben muss. Machen wir uns an die Arbeit! Ich freue mich auf die Umsetzung. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.)