Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu Beginn meines Redebeitrags möchte ich an den Anlass des vorliegenden Antrags erinnern, nämlich dass vor 65 Jahren das Anwerbeabkommen mit der Türkei geschlossen wurde und dass wir in diesem Land Millionen von Türkinnen und Türken haben, die seit vielen Jahrzehnten – viele natürlich in zweiter, dritter Generation – hier dazu beitragen, dass Deutschland …
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu Beginn meines Redebeitrags möchte ich an den Anlass des vorliegenden Antrags erinnern, nämlich dass vor 65 Jahren das Anwerbeabkommen mit der Türkei geschlossen wurde und dass wir in diesem Land Millionen von Türkinnen und Türken haben, die seit vielen Jahrzehnten – viele natürlich in zweiter, dritter Generation – hier dazu beitragen, dass Deutschland eines der wohlhabendsten Länder der Erde ist. Das liegt auch am Beitrag derjenigen, die damals als türkische Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter bezeichnet wurden. Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Ich finde den Begriff auch gar nicht so problematisch, ↳ Derya Türk-Nachbaur (SPD): »Ich schon!« weil ich glaube, dass sich mancher auch heute noch damit identifizieren kann. Aber es geht hier natürlich um eine ganz normale, gleichberechtigte Teilhabe an unserem gesellschaftlichen Leben und an unserer Arbeitswelt. Dafür herzlichen Dank! Es ist gut, dass wir heute hier über die Türkei reden. Der Grünenantrag enthält ganz viele richtige Punkte, aber an einem Punkt ist er grundfalsch. Wir haben gegenüber der Türkei eine ausgesprochen differenzierte Haltung. Wir wissen, dass wir ein besonderes Verhältnis zur Türkei haben, und zwar aufgrund ihrer geografischen Lage, aufgrund ihrer Größe, aufgrund ihrer ökonomischen Bedeutung und auch aufgrund der engen Bindungen, die wir durch die vielen Türkinnen und Türken bzw. Menschen mit türkischer Herkunft in Deutschland sowie umgekehrt durch Deutsche, die in der Türkei leben und arbeiten, haben. Dieses besondere Verhältnis erfordert, dass wir uns mit der Entwicklung in diesem Land und mit der Entwicklung in der Region, in der dieses Land liegt, differenziert befassen, ↳ Claudia Roth (Grüne): »Machen wir aber auch!« dass wir nicht alles unter ein Primat des Krawalls stellen ↳ Sara Nanni (Grüne): »Es ist doch kein Krawall, wenn wir uns für Menschenrechte einsetzen!« und nicht den Konflikt an den Anfang stellen, sondern die Themen in den Mittelpunkt stellen, bei denen wir gemeinsam vorankommen können. ↳ Max Lucks (Grüne) Denn wir sind davon überzeugt, dass diese Herangehensweise am Ende auch für die Menschen in der Türkei der beste Weg ist. Beifall: Union Beifall: Derya Türk-Nachbaur (SPD) ↳ Sara Nanni (Grüne) Die Bundesregierung hat die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei, die politischen Verfolgungen stets klar kritisiert: die Verhaftung von Imamoğlu, den Missbrauch des Rechtsstaats durch Erdoğan, um die politische Opposition zu unterdrücken, wodurch die CHP Schwierigkeiten bekommt. Deutschland – die deutsche Delegation beim Europarat, aber natürlich auch die Bundesregierung – hat die Türkei immer wieder gemahnt, sich an die Vereinbarungen zu halten. ↳ Claudia Roth (Grüne): »Tut sie aber nicht!« Die Türkei ist ein Gründungsmitglied des Europarates. ↳ Peter Boehringer (AfD) Deswegen hat die Türkei sich selbst verpflichtet, sich an Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu halten. ↳ Claudia Roth (Grüne): »Tut sie aber nicht!« Er hat im Fall Kavala entschieden, dass er freizulassen ist. Wir fordern die türkische Regierung auf, das zu tun, und diese Forderung wird von uns immer wieder mit Nachdruck wiederholt. Beifall: Dunja Kreiser (SPD) ↳ Sara Nanni (Grüne): »Mit welchem „Nachdruck“?« Wir kritisieren auch im Falle der Türkei, dass Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, dass Gruppen benachteiligt, diskriminiert und verfolgt werden, die sich für sexuelle Minderheiten einsetzen. Das ist etwas, was wir im Rechtsraum des Europarates, also in dem Rechtsraum, dessen Mitglied die Türkei aus eigener Entscheidung geworden ist, nicht akzeptieren und nicht dulden können. ↳ Peter Boehringer (AfD) Wir können es generell nicht akzeptieren; aber es ist in diesem Rechtsraum eben auch verboten. Wir unterstützen die Türkei massiv auf dem Weg der Befriedung des Dauerkonfliktes mit den Kurden. Wir begrüßen, dass die Türkei hier jetzt Schritte unternimmt, die darauf hindeuten, dass es zu einer Entspannung der Situation kommt; aber wir sind natürlich noch lange nicht am Ende dieses Weges. Die angekündigte Entwaffnung der PKK und die jüngsten Schritte des Friedensprozesses verdienen Aufmerksamkeit, aber eben auch aufmerksame Beobachtung. Wir nehmen uns als Freund und Partner der Türkei die Freiheit, diese Dinge offen anzusprechen. Die Menschenrechte sind nicht das Kleingedruckte unserer Sicherheitspolitik, sondern ein wesentlicher Bestandteil. Wir unterstützen all jene in der Türkei, die sich für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einsetzen. Zusammenarbeit, wo gemeinsame Interessen bestehen, klarer Widerspruch, wo Rechte verletzt werden, und beständige Unterstützung für die demokratischen Kräfte und die Zivilgesellschaft in der Türkei, ↳ Nyke Slawik (Grüne): »Wie denn?« das ist die Devise unserer Außenpolitik gegenüber der Türkei. Es braucht beides: eine ausgestreckte Hand und eine klare Haltung. Teşekkür ederim. Spas dikim. Herzlichen Dank. Beifall: Union Beifall: SPD