... Gesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches - Fahren ohne Fahrschein entkriminalisieren
Zusatzpunkt 9 · 21/71 · 16. April 2026
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir sprechen heute über einen Straftatbestand, der längst nicht mehr in ein modernes Strafrecht passt: § 265a des Strafgesetzbuches, die sogenannte Beförderungserschleichung. Wer ohne Ticket Bus oder Bahn fährt, dem drohen zunächst Geldstrafen, oft in Form von Tagessätzen, die sich schnell auf mehrere …
Die Rednerin argumentiert für die Entkriminalisierung des Fahrens ohne Fahrschein, da der aktuelle § 265a StGB überproportional arme und vulnerable Menschen treffe und in Ersatzfreiheitsstrafen wegen Bagatellschäden ende. Die SPD lehnt die vorliegenden Gesetzentwürfe von Grünen und Linken jedoch ab und setzt stattdessen auf eine eigene gesetzgeberische Lösung im Dialog mit dem Koalitionspartner.
Frau Präsidentin! Liebe Bürger! Also, Frau Wegge, das war ja schon eine halbe Koalitionsaufkündigung. Habe ich das richtig verstanden? Hier geht es zumindest weiter mit dem Projekt des Schleifens von bisher als selbstverständlich gewerteten Errungenschaften einer zivilisierten Gesellschaft; im Kleinen nur, mag man denken, denn natürlich ist jeder von uns mal in der Jugend schwarzgefahren. Aber, liebe Linke, liebe Grüne …
Der Redner argumentiert strikt gegen die Entkriminalisierung des Schwarzfahrens und kritisiert die von ihm wahrgenommene links-grüne Haltung als Angriff auf Eigentumsrechte und Leistungsbereitschaft. Er warnt vor gesellschaftlicher Verwahrlosung und staatlicher Gleichmacherei, falls Eigentumsdelikte nicht mehr konsequent bestraft würden.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Am 13. November des vergangenen Jahres hatten wir die erste Lesung zu den in der Zielsetzung gleichgerichteten Anträgen von Linke und Grünen, betreffend die Abschaffung des § 265a StGB, Leistungserschleichung, im Alltagsgebrauch auch als Schwarzfahren bezeichnet. Die Unionsfraktion lehnt beide Gesetzesanträge heute ab. Bevor ich auf …
Axel Müller lehnt die Abschaffung des § 265a StGB ab und argumentiert, dass die Vorschrift Kontrollpersonal schützt, beharrliche Rechtsbrecher bestraft und die Justiz nicht spürbar belastet.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Strafrecht, das so tief in das Leben der Menschen eingreift, muss doch zuallererst die soziale Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen. Justiz muss ohne Ansehen der Person urteilen, aber das darf eben nicht heißen, dass der Rechtsstaat, dass Rechtspolitik gegenüber der sozialen Realität und gegenüber sozialen Ungleichgewichten blind wird. Die Strafbarkeit des Fahrens ohne Fahrausweis …
Helge Limburg argumentiert für die Entkriminalisierung des Fahrens ohne Fahrschein, da die strafrechtliche Verfolgung arme Menschen überproportional treffe und oft in Ersatzfreiheitsstrafen ende, was soziale Probleme verschärfe und den Staat viel Geld koste. Er verweist auf praktische Alternativen wie das erhöhte Beförderungsentgelt und erfolgreiche Praxiserfahrungen in mehreren Städten.
Nein. – Dieses Vorgehen der Städte ruft doch geradezu nach einer bundesweit einheitlichen Regelung. Schwarzfahren muss grundsätzlich raus aus dem Strafgesetzbuch. Meine Damen und Herren, Herr Kollege Müller, was ist das denn eigentlich für ein Menschenbild, das die Union hier verbreitet, dass wir die Menschen quasi nur mit der Keule des Strafrechts dazu zwingen können, sich an Regeln zu halten? …
Helge Limburg fordert die Entkriminalisierung von Schwarzfahren und die Streichung der Beförderungserschleichung aus dem Strafgesetzbuch. Er argumentiert mit einem positiven Menschenbild, verweist auf die analoge Praxis beim Parken ohne Parkschein und appelliert an die Union, einem Vorschlag der Grünen oder der Linken zuzustimmen.
Vielen Dank. – Herr Kollege Limburg, eine Frage treibt mich die ganze Zeit, und zwar: Sie stellen ja darauf ab, dass diese Delikte vor allen Dingen diejenigen betreffen, die arm sind, und stellen als Ausweichmöglichkeit das erhöhte Beförderungsentgelt in Aussicht. Jetzt frage ich mich wirklich: Wenn jemand keine 4,50 Euro oder 2,10 Euro für ein Ticket bezahlen kann, wie soll …
Galla kritisiert in einer Rückfrage an den Redner Limburg, dass ein erhöhtes Beförderungsentgelt für einkommensschwache Personen keine realistische Alternative zur Strafe darstelle, da diese bereits die ursprünglichen Fahrkosten nicht aufbringen könnten.
Herr Kollege Galla, ich finde es ja geradezu rührend, dass die AfD versucht, sich hier jetzt als Beschützerin der einkommensarmen Menschen in diesem Land zu gerieren. Das ist angesichts Ihrer Programmatik und Ihrer Hetze im Sozialbereich absolut unglaubwürdig. Der Kern der Debatte ist doch, dass wir aus dem strafrechtlichen Verfolgungszwang dringend rausmüssen, weil wir im zivilrechtlichen Bereich, auch beim erhöhten …
Limburg wirft der AfD vor, in der Debatte unglaubwürdig als Beschützer einkommensarmer Menschen aufzutreten. Er argumentiert pragmatisch, dass der Wegfall des strafrechtlichen Verfolgungszwangs beim Fahren ohne Fahrschein zivilrechtliche Flexibilität für soziale Härtefälle schaffe.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Abgeordnete! Frau Hubig, Frau Wegge, Sie sehen gute Gründe, das Schwarzfahren nicht mehr zu bestrafen. Das freut mich; denn ich sehe das genauso. Viele Fachleute und Expertinnen und Experten sagen das ja auch schon seit Jahren. Wenn Sie Ihren Vorschlag ernst meinen, dann erwarte ich, dass Ihre Partei jetzt zustimmt. Heute, Frau Ministerin, Frau Wegge, werden …
Der Redner fordert die Entkriminalisierung des Schwarzfahrens und kritisiert, dass Menschen aufgrund von Armut im Gefängnis landen. Er appelliert an die SPD, ihre angekündigte soziale Politik umzusetzen und einem entsprechenden Antrag zuzustimmen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Um es gleich zu Beginn deutlich zu sagen: Das Erschleichen von Leistungen, insbesondere das Fahren ohne Fahrschein, ist keine bloße Lappalie. Wer bewusst ohne Ticket fährt, nimmt vorsätzlich eine Leistung in Anspruch, ohne sie zu bezahlen. Damit fährt er nicht nur auf Kosten aller ehrlichen Fahrgäste, …
Der Redner wendet sich gegen eine Entkriminalisierung des Fahrens ohne Fahrschein und betont, dass es sich um vorsätzliches Unrecht handelt. Er belegt anhand statistischer Daten, dass die Beförderungserschleichung die Justiz nicht strukturell überlastet, und lehnt ein Strafrecht nach Kassenlage ab.
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Plum, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben eben argumentiert mit den Zahlen derjenigen, die wegen Erschleichens von Leistungen in den Haftanstalten einsitzen, und haben gemeint, dass das ja so wenige seien. Da wollte ich Sie jetzt noch mal fragen, ob Ihnen denn bekannt ist, dass nicht wenige Städte mittlerweile …
Till Steffen hinterfragt in einer Zwischenfrage den Sinn der Strafnorm für Erschleichen von Leistungen, da viele Städte aufgrund voller Haftanstalten auf Strafanzeigen oder die Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen verzichteten.
Herr Kollege Steffen, das ist jetzt eine äußerst selektive Wahrnehmung der Zahlen, die ich gerade vorgetragen habe. Ich habe angefangen mit 140 000 Fällen, von denen immerhin 22 500 Fälle in Verurteilungen münden, oft in Geldstrafen, die dann auch bezahlt werden. Zum Stichtag 31. März 2025 hatten wir dazu nur 391 Strafgefangene. Das zeigt, dass in vielen Fällen § 265a …
Plum argumentiert, dass § 265a StGB seiner Wirkung für den Vermögensschutz gerecht werde und die Gefängniszahlen gering seien. Zur Entlastung der Justiz setzt er auf die im Koalitionsvertrag vereinbarte Modernisierung und lehnt eine Entkriminalisierung ab, da diese ein falsches Signal gegenüber zahlenden Fahrgästen sende.
Frau Präsidentin! Geschätzte Kollegen! Liebe Bürger! Direkt zu den Grünen und zu den Linken: Sie versuchen hier, unter dem Deckmantel des Mitgefühls den Rechtsstaat auszuhöhlen. Das werden wir nicht zulassen! Es passt ins Bild: Parteien, die sich mit ACAB-Pullis schmücken, verhöhnen unseren Rechtsstaat ohnehin schon genug. Sie tun so, als ginge es nur um arme Schwarzfahrer; aber im Windschatten dieser …
Der Redner lehnt die Entkriminalisierung von Schwarzfahren strikt ab und wirft den Befürwortern vor, unter dem Deckmantel des Mitgefühls den Rechtsstaat auszuhöhlen. Er argumentiert, dass die Abschaffung des Straftatbestands die Ehrlichen bestrafe und zu einem Dammbruch bezüglich weiterer Straftaten führen könne.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist gut, dass diese Debatte jetzt gleich zu einem Ende kommt und dass wir diese beiden Gesetzentwürfe ablehnen. Denn es ist eine schiefe Debatte entstanden. Wen trifft es denn hier? Wen trifft das Strafrecht in diesen Fällen, wenn man bedenkt, dass die meisten Fälle ohnehin nicht angezeigt werden, dass Verkehrsbetriebe erst bei wiederholtem …
Moser lehnt die Entkriminalisierung von Schwarzfahren ab, da wiederholtes Schwarzfahren die Allgemeinheit ausnutze und der Staat dies nicht dulden dürfe. Zudem betont er, dass die Entkriminalisierung Zugbegleiter ihres Festnahmerechts beraubt und sie mehr Aggressionen aussetzen würde, was durch Gewerkschaftsvertreter belegt wird.