Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen

Tagesordnungspunkt 9 · 21/99 · 8. Oktober 2026

Nachhaltige Entwicklung
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OM Omid Nouripour Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Vielen Dank. – Ich schließe die Aussprache. Wir kommen zu der Überweisung und den Abstimmungen. Ein Hinweis zum weiteren Ablauf: Wir beginnen mit der Überweisung zu Zusatzpunkt 3. Danach folgt eine einfache Abstimmung über die Beschlussempfehlung zum Antrag der Fraktion Die Linke. Dann kommen wir zu unserem ersten Block der namentlichen Abstimmungen. Hier geht es um Beschlussempfehlungen zu Anträgen der …
Vielen Dank. – Ich schließe die Aussprache. Wir kommen zu der Überweisung und den Abstimmungen. Ein Hinweis zum weiteren Ablauf: Wir beginnen mit der Überweisung zu Zusatzpunkt 3. Danach folgt eine einfache Abstimmung über die Beschlussempfehlung zum Antrag der Fraktion Die Linke. Dann kommen wir zu unserem ersten Block der namentlichen Abstimmungen. Hier geht es um Beschlussempfehlungen zu Anträgen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Nach Schließung dieses Abstimmungsblocks folgt der zweite Abstimmungsblock. In diesem geht es um drei namentliche Abstimmungen über Gesetzentwürfe der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Zusatzpunkt 3. Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf Drucksache 21/8379 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Widerspruch dazu? – Sehe ich nicht. Dann verfahren wir so. Tagesordnungspunkt 8g. Beschlussempfehlung des Finanzausschusses zu dem Antrag der Fraktion Die Linke mit dem Titel „Kryptowerte streng regulieren und gerecht besteuern“. Der Ausschuss empfiehlt unter Buchstabe d seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 21/8425, den Antrag der Fraktion Die Linke auf Drucksache 21/5824 abzulehnen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? – Das ist die Unionsfraktion, die AfD-Fraktion und die SPD-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Das ist Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. Enthaltungen? – Sehe ich nicht. Damit ist diese Beschlussempfehlung angenommen. Tagesordnungspunkte 8a, 8d und 8f. Der Finanzausschuss empfiehlt in seinen vier Beschlussempfehlungen jeweils die Ablehnung der Anträge der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit den Titeln „Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen – Share Deals reformieren, steuerliche Privilegierung von Immobilienkonzernen abschaffen“ – Drucksachen 21/6646 und 21/7081, Buchstabe b –, „Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen – Verschonungsbedarfsprüfung ab 26 Millionen Euro in der Erbschaft- und Schenkungsteuer abschaffen“ – Drucksachen 21/6647 und 21/7081, Buchstabe c –, „Organisierte Steuerhinterziehung wie Cum-Cum, Cum-Ex und Umsatzsteuerkarusselle auf Bundesebene stärker bekämpfen“ – Drucksachen 21/6656 und 21/7070 – sowie „Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen – 300-Wohneinheiten-Regelung in der Erbschaftsteuer abschaffen“ – Drucksachen 21/4456 und 21/4892. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat jeweils namentliche Abstimmung verlangt. Wie angekündigt, finden die ersten namentlichen Abstimmungen gleichzeitig statt. Denken Sie zunächst daran, dass Sie vier Stimmkarten benötigen. Die Abstimmungen erfolgen in der Abgeordnetenlobby. Die Urnen für diesen ersten Abstimmungsblock sind entsprechend den jeweiligen Vorlagen gekennzeichnet. Sie haben zur Abgabe Ihrer Stimmen nach Eröffnung der Abstimmung 30 Minuten Zeit. Ich bitte um ein Zeichen. – Die Schriftführerinnen und Schriftführer haben ihre vorgesehenen Plätze bereits eingenommen. Vielen Dank dafür. Ich eröffne die vier namentlichen Abstimmungen über die Beschlussempfehlungen auf Drucksache 21/7081, Buchstaben b und c, sowie auf Drucksachen 21/7070 und 21/4892. Die Abstimmungsurnen werden um 12:10 Uhr geschlossen. Das bevorstehende Ende der namentlichen Abstimmung wird Ihnen rechtzeitig bekannt gegeben.1Ergebnisse Seiten 12292 C, 12295 A, 12297 B, 12300 A Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 9: Vereinbarte Debatte: Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen Für die Aussprache wurde eine Dauer von 120 Minuten vereinbart. Bevor wir diese Debatte eröffnen, möchte ich hier ankündigen, dass ich für diesen Tagesordnungspunkt weder Zwischenfragen noch Kurzinterventionen zulassen werde. Der Hintergrund ist: Wir sind Stand jetzt bei einem Plenumsschluss um 03:30 Uhr morgens. Es gibt Menschen, die hier arbeiten. Ich meine damit nicht die Abgeordneten, die das gewohnt sein müssen. Hier gibt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hohen Hauses, die erst um 5 Uhr morgens im Bett sind, wenn es so lange dauert, und dann vormittags wieder antreten müssen. Ich finde, wir sollten alles dafür tun, damit dieser Fall nicht eintritt und sie ein bisschen Ruhe und Schlaf bekommen. Im Übrigen an dieser Stelle einen herzlichen Dank für diese Arbeit, die Sie für uns alle leisten! Beifall Ich eröffne die Aussprache und erteile das Wort der Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit Rita Schwarzelühr-Sutter. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.)
RI Rita Schwarzelühr-Sutter regierung Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! „Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen“ lautet der Titel dieser Debatte. Ich finde, er müsste eigentlich „Nachhaltigkeit ist die Zukunftsfrage“ heißen. Das ist so wichtig, weil immer mehr Menschen auf diesem Planeten leben und natürlich Ressourcen, die endlich sind, und mehr Energie verbrauchen. Daher ist es notwendig, die übergreifende Ausrichtung …
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! „Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen“ lautet der Titel dieser Debatte. Ich finde, er müsste eigentlich „Nachhaltigkeit ist die Zukunftsfrage“ heißen. Das ist so wichtig, weil immer mehr Menschen auf diesem Planeten leben und natürlich Ressourcen, die endlich sind, und mehr Energie verbrauchen. Daher ist es notwendig, die übergreifende Ausrichtung unserer Politik und unseres Handelns zu diskutieren: Wie wollen wir die Zukunft gestalten, und welche Grundsätze sollten uns dabei leiten? Auch unsere Kinder und Enkel sollen in Zukunft ein gutes Leben haben und in Wohlstand, in Frieden und in einer guten Umwelt aufwachsen können. Seit weit über zehn Jahren darf ich mich mit diesem Thema auseinandersetzen. Es war tatsächlich ein Fortschritt, als wir 2015 die Agenda 2030 und auch die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen haben. Wenn ich heute einen Wunsch äußern darf, dann möchte ich, dass die Menschen im Rückblick sagen können: Das 21. Jahrhundert war und ist „geprägt […] vom Gedanken der Nachhaltigkeit“. Ich bin auch Bundeskanzler Merz sehr dankbar, dass er diese Aussage in der letzten Woche auf der Konferenz zum 25. Jubiläum des Rates für Nachhaltige Entwicklung getroffen hat. Beifall: SPD Beifall: Union Denn gerade wir im Umweltministerium fühlen uns dem Leitbild der Nachhaltigkeit verpflichtet. Zukunftsfähigkeit bedeutet nämlich Lebensqualität. Es bedeutet, Fortschritt so zu gestalten, dass er auch morgen noch trägt. So tragen unsere Politiken und Strategien dazu bei, zu einer nachhaltigen Gesellschaft und Wirtschaft zu werden – sei es bei der Kreislaufwirtschaft, beim Schutz des knappen Gutes Wasser oder beim Klimaschutz und der Klimaanpassung. Neben diesen großen Linien unserer Nachhaltigkeitsstrategie ist es genauso wichtig, ganz praktisch voranzukommen. Dem widmet sich der „Aktionsplan Nachhaltigkeit“, den wir als Regierung letzte Woche beschlossen haben. Der Plan enthält 20 Missionen, an denen das Umweltministerium vielfach beteiligt war. Ich will hier heute zwei Missionen in den Vordergrund stellen, bei denen wir federführend waren. Bei der Mission zur Förderung von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung geht es darum, wie wir junge Menschen befähigen, mit den Herausforderungen der Zukunft umzugehen. Wir wollen ihnen nicht nur zeigen, welche Herausforderungen es gibt, sondern wir wollen ihnen zeigen, welche Lösungen man gemeinsam erarbeiten kann, wie sie wirken können und wie wir gemeinsam Zukunft gestalten können. Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch bei der Mission „Reparieren schafft Zukunft – Mehr Wert für Wirtschaft und Gesellschaft“ geht es um einen Mehrwert. Entstanden ist sie, weil wir von Ihnen, dem Bundestag, den Auftrag erhalten haben, etwas zum Thema „Reparieren statt Wegwerfen“ zu machen. Das tangiert viele Bereiche und verlangt geradezu, dass wir auch ressortübergreifend zusammenarbeiten. Wir sind ja manchmal ganz praktisch im Leben unterwegs. Das heißt, man schaltet die Waschmaschine oder die Kaffeemaschine an, ↳ Dr. Rainer Kraft (AfD): »Oder die Dampfmaschine!« und nichts geht mehr. Es geht einfach gar nichts mehr. Es gibt auch kein Ersatzteil. Dann geht man zum Handwerk, und es heißt: Die Reparatur ist zu teuer. – Es geht aber auch ganz konkret um Ressourcenschutz, um ökonomische Fragen und um Verbraucherschutz. Langlebige Produkte haben meist eine bessere Umweltbilanz. Würden zum Beispiel Mikrowellen oder Wasserkocher ein Jahr länger laufen, dann könnten schätzungsweise 670 000 Tonnen CO2, 17 000 Tonnen Stahl, 2 000 Tonnen Glas und Plastik sowie 100 Millionen Liter Wasser eingespart werden. Ich glaube, auch diese Zahlen zeigen noch einmal, welches Potenzial darin steckt. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Viele Qualitätshersteller stellen schon heute auf langlebige und reparierbare Produkte um. Ich glaube, es war auch immer ein Merkmal von „Made in Germany“, dass wir für verlässliche Produkte stehen. Wer solch verlässliche Produkte herstellt, der darf im Wettbewerb nicht benachteiligt werden. Deshalb ist es für uns natürlich wichtig, dass wir einmal dafür sorgen, dass Ersatzteile da sind, aber auch dafür sorgen, dass Reparateure die Reparatur leisten können. Hier fehlt dem Handwerk oftmals der Nachwuchs. Ich freue mich daher, dass in den vergangenen Jahren durchaus auch Zugewanderte immer öfter sozialversicherungspflichtige Arbeit im Handwerk gefunden haben. Beifall: SPD Beifall: Felix Schreiner (Union) Wir müssen den Verbraucherinnen und Verbrauchern natürlich auch die Möglichkeit geben, Produkte reparieren zu lassen. Dafür braucht es, wie gesagt, Ersatzteile. Die Kosten dafür dürfen natürlich nicht so hoch sein, dass sie abschrecken. Mit diesem Thema schlagen wir sprichwörtlich zwei Fliegen mit einer Klappe. Produkte zu reparieren und nicht wegzuwerfen, heißt: Es spart Ressourcen, es spart Geld, und es ist oftmals natürlich auch eine Umweltentlastung. Diese Mission enthält den vom Bundestag gewünschten Prüfauftrag für den herstellerfinanzierten Reparaturbonus. Was steckt dahinter? Die Idee ist: Wer ein Gerät reparieren lässt, der soll auch im Geldbeutel spüren, dass er etwas einspart und es sich lohnt. Schließlich sollen aber auch alle Genannten profitieren, also auch der Handwerker. Es soll eine Win-win-Situation sein, dass Reparatur statt Neukauf sich für alle finanziell auszahlt. Mit einem Reparaturgesetz, für das wir ebenfalls einen Prüfauftrag vorsehen, können wir Qualitätsprodukte und damit deren Hersteller stärken. Käuferinnen und Käufer wollen reparierbare Produkte, und daher müssen diese im Regal auch klar erkennbar sein. Auch der Preis für Ersatzteile ist dabei ein Entscheidungskriterium. Mit einem Reparaturgesetz setzen wir nicht die Recht-auf-Reparatur-Richtlinie der EU um; das haben wir längst getan. Nein, das Reparaturgesetz hat einen ganz anderen Ansatz. Es geht hier um ein reparierbares Produktdesign, also darum, dass man die Kaffeemaschine oder die Waschmaschine tatsächlich aufschrauben und Ersatzteile austauschen kann. Es geht auch um den Ersatzteilmarkt, also dass Ersatzteile zur Verfügung stehen. Wir sehen, dass Nachhaltigkeit ganz pragmatisch im Leben eines jeden von uns ankommt. Diese gelebte Nachhaltigkeit in unserem Alltag soll den Menschen nutzen, sie soll sie nicht bevormunden. Sie soll ihnen Benefit geben, einen Mehrwert bieten. Ich glaube, wir sind hier als Bundesregierung gemeinsam auf einem guten Weg. Ich danke Ihnen. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.)
OM Omid Nouripour Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Vielen Dank, Frau Staatssekretärin. – Der nächste Redner ist Rainer Groß für die AfD-Fraktion. Beifall: AfD
RA Rainer Groß AfD rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Landsleute! Liebe Bürger! Heute führen wir eine große Debatte um Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen. Es ist eine riesige Chance, uns einmal parteiübergreifend über die Lage Deutschlands klar zu werden und sie unseren Bürgern zu erklären. Hört man den Vertretern der Bundesregierung und den Brüsseler Autokraten zu, dann klingt alles nach …
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Landsleute! Liebe Bürger! Heute führen wir eine große Debatte um Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen. Es ist eine riesige Chance, uns einmal parteiübergreifend über die Lage Deutschlands klar zu werden und sie unseren Bürgern zu erklären. Hört man den Vertretern der Bundesregierung und den Brüsseler Autokraten zu, dann klingt alles nach einer glänzenden Zukunft. Da ist die Rede von „nachhaltiger Transformation“, vom weltweiten Vorreiter Deutschland, vom Europäischen Green Deal als angeblichem Wachstumsbooster. Tatsächlich ist dies ein großer Irrweg. Beifall: AfD Deutschland befindet sich nicht im grünen Wirtschaftswunder, Deutschland befindet sich mitten in einer beispiellosen Deindustrialisierung. Und das kann ich Ihnen anhand der Zahlen nachweisen. Zwischen 3,7 und 9,3 Prozent – je nach Sektor – Verlust an Bruttowertschöpfung machen seit 2022 circa 60 Milliarden Euro Minderwertschöpfung pro Jahr in unseren klassischen Industriebereichen aus. Die Wirtschaft schrumpft also. Traditionsreiche Unternehmen schließen nach Jahrzehnten ihre Tore. Wir verlieren 1 bis 2 Millionen Arbeitsplätze. Schlüsselindustrien vom Maschinenbau über die Chemie bis zur Automobilindustrie verlagern Investitionen, Forschung und Arbeitsplätze ins Ausland. Eine starre Klimahybris und das Bürokratiemonster namens Green Deal, eine Agenda 2030, 17 SDGs und Transformationsfantasien im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung bringen keinen wertschöpfenden Ersatz dafür. Beifall: AfD Grüne Wirtschaft macht nur 3 Prozent des EU-BIP aus: circa 380 Milliarden Euro, gerechnet seit 2022; für Deutschland sind das lediglich 25 Milliarden Euro. Wenn wir das also sehen, dann stellen wir fest: Wir haben einen Nettoverlust, und zwar einen dramatischen, und dafür keinen Ersatz. Es zeigt: Ideologie und planwirtschaftlicher Größenwahn ersetzen keine Vernunft – ein dirigistischer Staatsumbau, ohne etwas Produktives zu schaffen. Banken sollen Kredite nicht mehr nach Bonität und Ertragskraft vergeben, sondern nach ideologischen SDG- und ESG-Kriterien. Unser Mittelstand wird mit praxisfernen Berichtspflichten, Taxonomieverordnungen und Lieferkettengesetzen erstickt. Planwirtschaftliche Verbote und Zwangsabgaben vernichten unsere deutschen Schlüsselindustrien und treiben uns in die fatale Abhängigkeit Chinas. Unsere heimischen Landwirte werden durch Düngemittelverbote und Flächenstilllegungen drangsaliert, bis wir am Ende Nahrungsmittel aus Übersee importieren müssen. Bürokratische Instrumente wie der CO2-Grenzausgleich belasten unsere Unternehmen zusätzlich. Der Staat möchte plötzlich vorschreiben, welche Technologien erforscht, welche Antriebe gebaut, was gegessen und wie geheizt werden darf. Grundlastfähige Kernkraftwerke einfach abgeschaltet – ein Fehler, sagt sogar die Oberbeamtin der EU, Frau von der Leyen. Eine unbezahlbare, höchstsubventionierte Energiewende! Die Folge: höchste Energiepreise. Gesetzlich erzwungene, irreale Klimaneutralität bis 2045 ohne jede Rücksicht auf veränderte wirtschaftliche Erkenntnisse und unsere wirtschaftlichen Lebensgrundlagen! Aus der ehemals freien sozialen Marktwirtschaft wird eine gelenkte Gesinnungswirtschaft. Beifall: AfD Zusätzlich missbrauchen staatlich finanzierte NGOs unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit die Rechtsprechung mit ihren Verbandsklagen. Wenn auf dem Münchner Mittleren Ring auf 2 Kilometern Tempo 30 gefahren werden muss, dann ist das pure Schikane und kein Klimaschutz. Beifall: AfD Die sogenannte Zivilgesellschaft ist in Wirklichkeit ein NGO-Zwangsstaat – ↳ Dr. Fabian Fahl (Linke): »Hört! Hört!« ein Widerspruch in sich. Gestern fragte Dieter Nuhr in seiner Sendung verzweifelt: Wann wird ein Politiker die Realität aussprechen? – Lieber Dieter Nuhr, ich mache das jetzt mal: Selbst wenn Deutschland morgen das Atmen komplett einstellte, hätte das auf das Weltklima keinen messbaren Einfluss. Beifall: AfD Green Deal bringt keine europäische Souveränität, rettet kein Klima. Er ist ein industriepolitischer Kahlschlag auf Raten. Er exportiert unsere Industrie und importiert Arbeitslosigkeit. Undemokratisch, arrogant und ohne Nutzen für irgendein Volk Europas. Ich sage Ihnen, meine Damen und Herren: Das Dogma einer sozialistischen Matrix bringt keine Zukunft. An Dogmen orientierte Strategie war noch nie erfolgreich. Und Deutschland schwächen heißt in Wahrheit Europa schwächen. Das muss doch auch ein Grüner oder Linker verstehen; Sie leben doch vom Geld der Steuerzahler. Wir sagen Ihnen: Die Menschen wollen und brauchen das nicht! Beifall: AfD Mit uns wird das aufs vernünftige Maß gebracht. Innovationen entstehen niemals am grünen Tisch, sie entstehen im freien Wettbewerb kluger Ingenieure, Erfinder und Unternehmer. Und das echte Deutschland kann da spitze sein. Das ist die Zukunft: Roboter und KI! Komplett neue Anwendungen, Produkte und Dienstleistungen! Wir können auch da konkurrenzfähig sein, wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen und Dirigismus überwinden. Was brauchen wir dazu? Beendigung des Green Deal. Klimaschutzziele korrigieren und CO2-Zwangsabgaben abschaffen. Korrektur einer unbezahlbaren Energiewende: Weg mit der künstlichen Verteuerung von Kraftstoffen, Gas und Heizöl! Wiederherstellung einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung. Befreien wir unsere Wirtschaft vom ESG-Zwang, von Berichtspflichten, Überwachungsgesetzen und der bürokratischen Gängelung! Und dann werden Sie mal sehen, was hier abgeht in Deutschland mit der deutschen Wirtschaft. Beifall: AfD Die Bürger wollen das. Wir wollen das, und wir werden es erreichen. Echte Nachhaltigkeit braucht keine 17 Ziele und keine staatlichen Missionen. Echte Nachhaltigkeit braucht eine freie, starke, innovative Wirtschaft, die den Staat auch finanziert. Stoppen wir die Planwirtschaft! Geben wir unserem Land, unserer Industrie und den Bürgern endlich ihre Freiheit und ihren Wohlstand zurück! Dann wird die Zukunft ein freies und erfolgreiches Deutschland, in dem das Leben wieder Freude macht. Vielen Dank. Beifall: AfD
OM Omid Nouripour Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Vielen Dank. – Der nächste Redner ist der Staatsminister beim Bundeskanzler Philipp Amthor. Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: Derya Türk-Nachbaur (SPD)
PH Philipp Amthor Staatsminister beim Bundeskanzler regierung Im Protokoll ↗
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Dieses Jahrhundert muss […] geprägt sein vom Gedanken der Nachhaltigkeit. […] Nachhaltigkeit, der Aufbau einer modernen Welt, das ist die Aufgabe unserer gesamten Gesellschaft.“ So hat es der Bundeskanzler jüngst auf der Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung vor gut einer Woche unterstrichen, und so ist es auch. Unsere heutige Debatte über Nachhaltigkeit und …
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Dieses Jahrhundert muss […] geprägt sein vom Gedanken der Nachhaltigkeit. […] Nachhaltigkeit, der Aufbau einer modernen Welt, das ist die Aufgabe unserer gesamten Gesellschaft.“ So hat es der Bundeskanzler jüngst auf der Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung vor gut einer Woche unterstrichen, und so ist es auch. Unsere heutige Debatte über Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen ist wichtig. Nachhaltigkeitspolitik hat einen herausgehobenen Stellenwert für die Bundesregierung, für den Bundeskanzler, für die Chefin des Bundeskanzleramtes, die gesamte Hausleitung des Bundeskanzleramtes. Und ich danke dem Deutschen Bundestag ausdrücklich, dass wir der Nachhaltigkeit und den Zukunftsfragen heute diese Debatte widmen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Nachhaltig handeln heißt die Zukunft gestalten, und das ist heute ganz besonders herausfordernd. Denn wir regieren in einer historischen Situation, weil sich die Welt um uns herum in rasendem Tempo verändert und weil wir neue Wege und Mittel finden müssen, um diesen Wandel mitzugestalten. Das bedeutet auch: Wir müssen jetzt die Grundlagen dafür legen, dass unser Land im 21. Jahrhundert lebenswert bleibt und noch lebenswerter werden kann. Die Bundesregierung arbeitet dabei dafür, dass insbesondere junge Menschen, die nachfolgenden Generationen, in ein Deutschland hineinwachsen, das ihnen eine Chance auf Wohlstand, eine Chance auf ein gutes, ja, ein besseres Leben bietet. Deswegen ist für uns klar: Nachhaltigkeit heißt, langfristig zu denken und generationengerechte Politik zu machen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Das ist für uns nicht nur eine Definition von Nachhaltigkeit, es ist der Anspruch unserer Bundesregierung unter Friedrich Merz. Deswegen sage ich auch: Wir jagen nicht dem schnellen Applaus hinterher, sondern wir treffen jetzt die Entscheidungen dafür, dass künftige Generationen ein liebenswertes, ein zukunftsfähiges Deutschland haben, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Nachhaltigkeit ist für uns nicht ein politisches Themenfeld, sondern ein Leitprinzip moderner Politik in vielen Themenfeldern. Nachhaltigkeit verbindet ökonomische, ökologische, soziale und auch sicherheitspolitische Dimensionen. Es ist das Prinzip der Zukunftsfähigkeit. Es ist das Prinzip der Langfristfähigkeit von Politik. Dabei kommt es darauf an, alle Dimensionen der Nachhaltigkeit zu verbinden. Und ich füge hinzu: Nachhaltigkeit ist nicht das Vorrecht einzelner Parteien, sondern Nachhaltigkeit sollte ein Thema für uns alle sein, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Dr. Julia Verlinden (Grüne): »Dann handelt doch danach!« Die Multidimensionalität der Nachhaltigkeit ist auch der Kern der 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der UN-Agenda 2030, und nur in ihrer Verbindung können sie Wirkung entfalten, nicht in ihrer Gegensätzlichkeit. Deswegen will ich auch hier noch einmal unterstreichen – auch das hat der Bundeskanzler beim Rat für Nachhaltige Entwicklung deutlich gemacht –: Es gibt keinen unauflöslichen Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Wirtschaftswachstum; vielmehr ist das Gegenteil richtig. Lachen: AfD (einzelne Abg.) Innovation und Zukunftstechnologien bei erneuerbaren Energien oder bei KI treiben die Wirtschaft an, ↳ Dr. Julia Verlinden (Grüne) sorgen für mehr intelligente und sparsame Energienutzung. ↳ Marcel Bauer (Linke) Es sollte nicht heißen: „Klimaschutz oder Wirtschaftswachstum“, sondern es muss heißen – und das ist unser Anspruch –: „Klimaschutz und Wirtschaftswachstum, Wirtschaftswachstum durch Klimaschutz“. Beifall: Union Beifall: Helmut Kleebank (SPD) ↳ Mayra Vriesema (Grüne) Zugleich wissen wir aber auch: Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Wachstumschancen, sondern Nachhaltigkeit verpflichtet uns auch zur Vorsorge. Das hat uns dieser Sommer einmal mehr drastisch vor Augen geführt. Der Klimawandel ist längst nicht nur Theorie, sondern er ist spürbare, praktische Realität, mit spürbaren Folgen auch bei uns in Deutschland. Das bedeutet: Wir müssen unsere Städte und Gemeinden widerstandsfähiger gegen Hitze machen. ↳ Marcel Bauer (Linke) Wir müssen unsere Infrastruktur besser vor Extremwetter schützen, unsere Wasserressourcen sichern und unsere Land- und Forstwirtschaft an veränderte Bedingungen anpassen. Das Bundeskabinett hat sich damit beschäftigt, und der Bundeskanzler hat mich gebeten, einen Abgleich mit den Ländern vorzunehmen. Die Beratungen dauern an; aber schon heute bin ich sicher: Bund, Länder und Gemeinden können, ja, sie müssen die Aufgaben und Herausforderungen der Klimaanpassung bewältigen, Antworten darauf geben. Wir können das aus der starken politischen Mitte dieses Landes heraus, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: Union ↳ Karsten Hilse (AfD): »In Mecklenburg-Vorpommern können Sie es also nicht!« Ich will auch unterstreichen: Wir verstärken in der Bundesregierung unsere nationalen Anstrengungen, um die 17 Ziele der Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen zu erreichen. Die Bundesregierung entwickelt dafür die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie weiter und hat sie mit dem bereits erwähnten Aktionsplan „Nachhaltigkeit für ein modernes und zukunftsfähiges Deutschland“ konkretisiert, den wir in der vergangenen Woche im Bundeskabinett beschlossen haben. Der Schwerpunkt dieses Aktionsplans liegt auf fünf Handlungsfeldern: Staatsmodernisierung, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, soziale Gerechtigkeit, Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen und internationale Zusammenarbeit. Wir haben 20 handlungsorientierte Missionen mit konkreten Zielstellungen formuliert und auf den Weg gebracht. Wir haben die oft so abstrakte Nachhaltigkeitspolitik pragmatischer, handlungsorientierter und bürgernäher gemacht, und genau das braucht es auch, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: Union Beifall: Grüne (einzelne Abg.) ↳ AfD
OM Omid Nouripour Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Staatsminister, eine Sekunde, bitte. – Ich habe eine Bitte an alle Kolleginnen und Kollegen. Ich weiß, dass viele hier darauf warten, dass sie demnächst wieder namentlich abstimmen können. Es gibt hier auch eine sehr große Zahl von sicherlich dringend notwendigen und gebotenen bilateralen Gesprächen, die man aber auch draußen führen kann. Darum bitte ich, damit hier die gebotene Ruhe …
Herr Staatsminister, eine Sekunde, bitte. – Ich habe eine Bitte an alle Kolleginnen und Kollegen. Ich weiß, dass viele hier darauf warten, dass sie demnächst wieder namentlich abstimmen können. Es gibt hier auch eine sehr große Zahl von sicherlich dringend notwendigen und gebotenen bilateralen Gesprächen, die man aber auch draußen führen kann. Darum bitte ich, damit hier die gebotene Ruhe einkehrt und wir allen Rednerinnen und Rednern lauschen können. – Herr Staatsminister, bitte, Sie haben das Wort.
PH Philipp Amthor Staatsminister beim Bundeskanzler regierung Im Protokoll ↗
Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich nutze die Gelegenheit, diejenigen, die auf Beispiele gewartet haben, auch noch glücklich zu machen. Einige der Missionen, die wir in unserem Aktionsplan vereinbart haben, zeigen die Breite unseres Nachhaltigkeitsverständnisses. Es geht uns darum, Leistungen der Verwaltung durch Digitalisierung bürokratieärmer zu machen. Es geht uns darum, Einsamkeit insbesondere bei jungen Menschen zu bekämpfen. Es geht …
Vielen Dank, Herr Präsident. – Ich nutze die Gelegenheit, diejenigen, die auf Beispiele gewartet haben, auch noch glücklich zu machen. Einige der Missionen, die wir in unserem Aktionsplan vereinbart haben, zeigen die Breite unseres Nachhaltigkeitsverständnisses. Es geht uns darum, Leistungen der Verwaltung durch Digitalisierung bürokratieärmer zu machen. Es geht uns darum, Einsamkeit insbesondere bei jungen Menschen zu bekämpfen. Es geht uns darum, mehr gesunde Lebensjahre bis ins hohe Alter zu ermöglichen. – Ich greife diese drei Beispiele auf, um deutlich zu zeigen: Gute Nachhaltigkeitspolitik folgt nicht blind abstrakten Idealen, sondern muss das Leben der Menschen konkret verbessern. Daran entscheidet sich die Akzeptanz von Nachhaltigkeitspolitik, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Dr. Fabian Fahl (Linke) Ich möchte namens der Bundesregierung allen danken, die sich in die Erarbeitung des Plans eingebracht haben, insbesondere dem Rat für Nachhaltige Entwicklung, dem Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen und natürlich der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft, allen, die sich in der Bundesregierung eingebracht haben, stellvertretend Staatssekretär Jörg Semmler. Ein herzliches Wort des Dankes! Es ist gut, dass wir uns so intensiv mit Nachhaltigkeit beschäftigen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Wir tun das, weil Nachhaltigkeitspolitik die Zukunft des Lebens gestalten und das Leben der Menschen verbessern muss. Wir setzen darauf, dass unsere Nachhaltigkeitspolitik nicht Ängste vor der Zukunft schürt, sondern Zuversicht entstehen lässt. Auch das ist eine Grundlage für die Akzeptanz und für das Gelingen unserer liberalen Demokratie. Herzlichen Dank für diese Debatte. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)
OM Omid Nouripour Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Vielen Dank, Herr Staatsminister. – Die nächste Rednerin ist Dr. Andrea Lübcke für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Beifall: Grüne
DR Dr. Andrea Lübcke Grüne rede Im Protokoll ↗
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Amthor, vielen Dank für diese Steilvorlage. Ich nehme zur Kenntnis, dass für die Bundesregierung die Nachhaltigkeit von großer Bedeutung ist. Ich würde mir wünschen, dass Ihr Handeln das auch widerspiegelt. Ich möchte meine vier Minuten heute hier nutzen, um auf ein Beispiel einzugehen, über das viel zu wenig gesprochen wird, das aber …
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Amthor, vielen Dank für diese Steilvorlage. ↳ Karsten Hilse (AfD): »Dass Sie das gut fanden, finde ich gut!« Ich nehme zur Kenntnis, dass für die Bundesregierung die Nachhaltigkeit von großer Bedeutung ist. Ich würde mir wünschen, dass Ihr Handeln das auch widerspiegelt. Beifall: Grüne Ich möchte meine vier Minuten heute hier nutzen, um auf ein Beispiel einzugehen, über das viel zu wenig gesprochen wird, das aber zeigt, wie absurd Ihre Entscheidungen momentan sind. Weil ich weiß, dass den Kolleginnen und Kollegen von der CDU/CSU vor allem auch die wirtschaftliche Perspektive der Nachhaltigkeit wichtig ist, möchte ich ein solches Beispiel nehmen. Ich will vielleicht eines voranstellen: Sie haben schöne Begriffe, schöne Synonyme für Nachhaltigkeit verwendet. Ich würde ein weiteres hinzufügen, weil es sehr schön messbar macht, ob etwas nachhaltig ist, nämlich „Enkeltauglichkeit“. Dahinter steckt die Frage: Ist es für unsere Kinder und für unsere Enkel am Ende eine gute Entscheidung? Beifall: Grüne ↳ Karsten Hilse (AfD): »Windkraftanlagen schon mal nicht!« Darauf kommen wir am Ende noch mal zurück, wenn es darum geht, Ihr Handeln zu bewerten. Ich möchte heute über die Energieforschung und die dort geplanten Kürzungen reden. Energieforschung ist in Deutschland seit vielen Jahren, seit mehr als 40 Jahren, ein wirklich wichtiger Faktor. Hier werden neue Technologien entwickelt, beispielsweise hocheffiziente Photovoltaik. Gestartet in den 80er-Jahren mit einem Wirkungsgrad und einer Effizienz von wenigen Prozent, hat man dort inzwischen einen Wert von knapp 48 Prozent erreicht. Weltrekord! Beifall: Grüne Solche Solarzellen fliegen inzwischen mit Satelliten ins All. ↳ Johannes Wagner (Grüne): »Da kann man stolz sein!« Es wurde ein Ökosystem von kleinen und mittelständischen Unternehmen und Forschungsinstitutionen, auch großen Unternehmen, aufgebaut. Es werden kontinuierlich Verbesserungen an Technologien gemacht und Lösungen für die ganze Welt gebaut. Das ist natürlich nicht nur im Bereich PV, sondern in allen Bereichen der Energieforschung so – ob jetzt bei Wasserstoff, Wind oder Wärmepumpen. Ich will Ihnen, weil ich das so spannend finde, ein konkretes Beispiel aus dem Windbereich nennen. Da gibt es Unternehmen, die Lösungen entwickeln, um mit optischen Sensoren und KI zum Beispiel Vögel frühzeitig zu entdecken, damit die Geschwindigkeit der Anlagen gegebenenfalls heruntergefahren werden kann und es nicht zum Vogelschlag kommt. Das sind Innovationen made in Germany. Das schafft nachhaltige Wertschöpfung und auch Steuereinnahmen. Und das drohen Sie gerade richtig kaputtzumachen. Beifall: Grüne Sie planen Kürzungen um 30 Prozent bei neuen Energieforschungsprojekten. ↳ Johannes Wagner (Grüne): »Unglaublich!« Da geht es vor allem um Investitionen in kluge Köpfe. Da geht es um Nachwuchswissenschaftler/-innen, die Innovationen erarbeiten, die neue Forschung betreiben, die den Nährboden für Wertschöpfung in Deutschland in diesem Bereich schaffen. Sie machen dieses Ökosystem kaputt. Das hat dramatische Auswirkungen. Es führt zu einem Personalabbau, zu einem fehlenden Wissenstransfer, zu einem fehlenden Wissensaufbau. Uns werden Fachkräfte fehlen. Das wird ein Standortrisiko für unsere Unternehmen sein. Sie werden ihre Forschung und Entwicklung ins Ausland verlagern. Energieforschung ist ein Enabler für Resilienz, für Souveränität, und all das gefährden Sie mit diesen Kürzungen. Das ist nicht nachhaltig, das ist nicht enkeltauglich. Beifall: Grüne Ich möchte gerne zum Schluss den Bundeskanzler zitieren, der sagt: Das Ziel muss jetzt sein, Wohlstand für die Jugend aufzubauen. – Ich frage mich: Wie wollen Sie das mit solchen Entscheidungen machen? „Nachhaltig“ geht anders. Vielen Dank. Beifall: Grüne
OM Omid Nouripour Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Vielen Dank. – Bevor ich die nächste Rednerin aufrufe, möchte ich darauf hinweisen, dass ich nach ihrer Rede den ersten Abstimmungsblock schließen werde. Alle, die jetzt noch nicht abgestimmt haben, können die nächsten wenigen Minuten nutzen, um zu den Urnen zu eilen. Ich bitte Violetta Bock nach vorne und erteile ihr das Wort. Beifall: Linke
VI Violetta Bock Linke rede Im Protokoll ↗
Herr Präsident! Verehrte Zuhörende! Ein Sommer in 30 Jahren: Es ist wieder heiß, sehr heiß. Aber niemand liegt allein in einer überhitzten und überteuerten Dachwohnung. Vor Jahren haben Kommunen den Wohnungsmarkt vor allem durch Genossenschaften der Marktlogik entzogen. So konnte Wohnraum für die neuen Herausforderungen instand gesetzt werden. Auf dem Land kann man wieder gut leben. Das Dorf ist durch …
Herr Präsident! Verehrte Zuhörende! Ein Sommer in 30 Jahren: Es ist wieder heiß, sehr heiß. Lachen: AfD (einzelne Abg.) Aber niemand liegt allein in einer überhitzten und überteuerten Dachwohnung. Vor Jahren haben Kommunen den Wohnungsmarkt vor allem durch Genossenschaften der Marktlogik entzogen. So konnte Wohnraum für die neuen Herausforderungen instand gesetzt werden. Auf dem Land kann man wieder gut leben. Das Dorf ist durch eine Vielfalt von Lösungen in den Nahverkehr integriert. Der ist kostenfrei, nutzt aber allen. Die Wälder erholen sich von den Schäden der letzten Jahre. Wir arbeiten gerne, Sinnvolles wird produziert, Arbeit wieder geschätzt. Und wir arbeiten immer kürzer, endlich nutzt jeder technische Fortschritt den Menschen. Arbeit wird gerecht verteilt, ob im Betrieb oder zu Hause. Das Vereinsleben blüht auf; Freizeit ist mehr als Erholung. Das Gesundheitssystem hilft den Menschen; es gibt weder blinde Flecken noch lange Wartelisten. Alle bekommen, was sie brauchen, egal ob Patientin oder Pflegerin. Das Wichtigste aber: Gesundheitsprävention wird großgeschrieben. Das Wasser gehört der Kommune und keinem Fonds. Und alle wissen jetzt, dass Wasser zu kostbar ist, um es in Unmengen an Industrien zu verschenken. Wenn der Fluss über die Ufer tritt, fragt niemand, wer das bezahlt, sondern: Wer braucht hier Hilfe? Grausam, dass das wie Zukunftsmusik klingt. Die AfD findet das sogar witzig und lacht darüber. ↳ Carolin Bachmann (AfD): »Wir lachen über Sie!« ↳ Karsten Hilse (AfD): »Wir lachen über Sie!« Dabei liegen die Pläne für fast alles davon längst in den Schubladen. Bei Ihnen klingt das Wort „Nachhaltigkeit“ zu sehr nach Floskel. Es klebt auf Joghurtbechern und steht in Koalitionsverträgen, aber meistens heißt es nur: Weiter so wie bisher, aber bitte mit grünem Anstrich! Beifall: Linke Dabei meint Nachhaltigkeit etwas ganz Einfaches: heute schon an morgen und übermorgen zu denken und die wichtigen Entscheidungen nicht in die Zukunft zu verschieben. In einer Krisenzeit ist es umso notwendiger, nicht Pflaster zu kleben, sondern den Ursachen der Krisen strukturell entgegenzutreten. Mit Ihren kurzsichtigen Antworten auf akute Krisen verschärfen Sie dagegen die Ursachen und damit die nächste Krise. Herr Bilger meinte vor drei Jahren in einer ähnlichen Debatte: Nachhaltig ist, über die Legislatur hinaus zu denken. Heute ist er Verkehrsminister. ↳ Felix Schreiner (Union): »Ein großartiger Minister sogar!« Der Tankrabatt: nicht nachhaltig, sondern Stärkung der fossilen Lobby. Verteuerung des Deutschlandtickets: ein weiteres Treiben in die Armut für Millionen Menschen. Milliarden für Schiffe, Panzer und Raketen, während die Schulen bröckeln: nicht nachhaltig, sondern Beschleunigung der Eskalation. ↳ Felix Schreiner (Union) Diese Koalition denkt nicht mal bis zur nächsten Wahl, gerade wahrscheinlich nur bis zum nächsten Haushalt. Und das ist für die Zukunft gefährlich. Beifall: Linke Wir sollten den Blick nach vorne richten auf die Fragen: Wie wollen wir leben, und wer soll darüber entscheiden? Die Frage „Barbarei oder Sozialismus?“ scheint aktueller denn je. ↳ Dr. Christoph Birghan (AfD): »Sozialismus ist Barbarei!« ↳ AfD Das haben auch die letzten Tage gezeigt. Zukunftsfragen sind Machtfragen. Wer eine gute Zukunft will, muss sich mit denen anlegen, die an der schlechten Gegenwart verdienen. Von daher an dieser Stelle herzliche Grüße an die Schüler/-innen in Frankreich, die Mieter/-innen in Madrid, ↳ Felix Schreiner (Union) an die Flamingo-Proteste in Albanien, die klar sagen: Naturschutz ist wichtiger als Luxusressorts für wenige. Beifall: Linke ↳ Felix Schreiner (Union): »Alles Ihre Freunde, gell?« ↳ Dr. Christoph Birghan (AfD): »Sie haben den Rammo-Clan vergessen!« Die Zukunft schlummert bereits im Heute; aber welcher wir zum Durchbruch verhelfen, das entscheiden wir alle. Wer sich gegen Hetze, gegen Abschottung, gegen Verhätschelung der Superreichen entscheidet, wer Demokratie – mehr Demokratie als heute –, echte Freiheit und Gerechtigkeit will, der und die findet bei uns offene Türen. ↳ Karsten Hilse (AfD): »Genau, und der Rammo-Clan auch!« ↳ Martin Reichardt (AfD) Denn nachhaltig ist, was den vielen gehört. Danke schön. Beifall: Linke