Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Herr Birghan, es tut mir leid, ich nehme Ihnen die Trauer um den Niedergang des BAföG nicht ganz ab. Sie sprechen hier davon, dass das BAföG nicht mehr da ankommt, wo es ankommen soll. Da haben Sie auch einen Punkt. Aber dann geht es um Realität. In Ihrem …
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Herr Birghan, es tut mir leid, ich nehme Ihnen die Trauer um den Niedergang des BAföG nicht ganz ab. Sie sprechen hier davon, dass das BAföG nicht mehr da ankommt, wo es ankommen soll. ↳ Dr. Christoph Birghan (AfD): »Das ist ja so!« Da haben Sie auch einen Punkt. ↳ Dr. Christoph Birghan (AfD): »Zahlen!« Aber dann geht es um Realität. ↳ Oliver Kaczmarek (SPD): »So sieht es aus!« In Ihrem Wahlprogramm in Sachsen-Anhalt schreibt Ihre Partei, Sie wollen aufhören mit dem „Gießkannenprinzip“ BAföG. ↳ Dr. Carolin Wagner (SPD): »Aha!« Sie wollen nur noch eine Elitenförderung. Entschuldigung, das ist doch nicht ehrlich. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) ↳ Dr. Christoph Birghan (AfD): »Ja, Leistung ist Ihnen fremd! Das ist mir schon klar!« Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wette mit Ihnen: Hier in diesem Haus sitzen viele, die einmal vom BAföG profitiert haben: als Schülerin, als Student oder in einer vollzeitschulischen Ausbildung. So wie ich: Ohne das BAföG, das ich in den ersten Semestern bekommen habe, hätten meine Eltern große Schwierigkeiten gehabt, das zu finanzieren, was ich unbedingt wollte. Ich wollte an die Universität gehen, etwas lernen, meinen Geist öffnen und mich vorbereiten auf das, was später einmal aus mir werden kann. ↳ Stefan Keuter (AfD): »Hat nicht geklappt!« Wenn Sie selbst nicht auf das BAföG angewiesen waren, dann vielleicht Ihre Eltern, Geschwister, Tanten oder Onkel. Das BAföG ist eine der wichtigsten sozialpolitischen Errungenschaften für Bildungsgerechtigkeit in Deutschland. Es hat Generationen von jungen Menschen ein Studium oder eine schulische Ausbildung ermöglicht, die diesen Weg sonst vielleicht nicht hätten gehen können. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: Karl Bär (Grüne) Es steht für Aufstieg durch Bildung. Es steht für die Idee, dass Talent, Interesse und Leistungsbereitschaft zählen ↳ Dr. Christoph Birghan (AfD): »Schon lange nicht mehr!« und eben nicht die Herkunft, das Einkommen oder das Vermögen. Es ist Teil eines zentralen Versprechens unseres Sozialstaats: ↳ Dr. Christoph Birghan (AfD): »…, das Sie schon lange nicht mehr einlösen!« Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Deshalb ist BAföG auch keine Wohltat. Es ist keine freundliche Unterstützung, die der Staat gewährt, wenn noch etwas Geld in der Kasse übrig ist. Das BAföG ist eine Investition in die klugen Köpfe unseres Landes, in die Fachkräfte von morgen, in unseren Wissenschaftsstandort. Wer heute jungen Menschen eine gute Ausbildung ermöglicht, stärkt morgen unser Land. Dieses Versprechen hat aktuell wieder besonders an Bedeutung gewonnen, nicht nur wegen der PISA-Studie, die uns erneut bescheinigt hat, dass wir es eben nicht schaffen, Kindern aus allen gesellschaftlichen Schichten einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung zu ermöglichen. ↳ Dr. Christoph Birghan (AfD): »Ihr habt das Bildungssystem ruiniert! Das ist eure Schuld!« ↳ Dr. Carolin Wagner (SPD): »Zuhören!« Im Gegenteil: Zu viele junge Menschen verlassen die Schule ohne die Basiskompetenzen. Es geht um Lesen, um Rechnen, um naturwissenschaftliches Grundverständnis, also um Fähigkeiten, die im Alltag, in der Ausbildung und in einer demokratischen Gesellschaft unverzichtbar sind. Wenn diese Grundlagen brüchig werden, dann wird auch das Versprechen vom Aufstieg durch Bildung brüchig. Aber es geht bei diesem Versprechen eben nicht nur um den individuellen Zugang zu Bildung, liebe Kolleginnen und Kollegen. Unser Land lebt nicht von natürlichen Ressourcen; es lebt von klugen Köpfen, von Menschen, die Tag für Tag in den Betrieben, in der Wissenschaft, in der Gesellschaft für uns alle ihrer Tätigkeit nachgehen. Wenn wir junge Menschen ihrer Chancen berauben, wenn wir ihnen Steine in ihren Bildungsweg legen, dann berauben wir uns alle vieler, vieler Chancen. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Ohne Frage: Das BAföG ist nur ein Baustein des Versprechens unseres Sozialstaats, dass Bildung für alle zugänglich sein muss und Chancen gleich verteilt sein müssen; aber es ist eben ein zentraler. Wer so wie ich die Erste in der Familie ist, die studiert, wer keine finanziellen Rücklagen hat, wer sich jeden Schritt erarbeiten muss, braucht umso mehr ein verlässliches BAföG. Und wer morgens im Seminar sitzt, nachmittags arbeitet und abends BAföG-Unterlagen zusammensucht, der braucht keinen Appell an mehr Eigenverantwortung, der braucht einen Staat, der funktioniert und unterstützt. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, gerade deshalb ist diese Reform so wichtig. Wir wollen das BAföG wieder stärker, verlässlicher und moderner machen. Diese BAföG-Reform geht mit einem Paradigmenwechsel einher. Anstatt dass Höhe und Zugang einem ständigen politischen Gezerre um einen Euro mehr oder weniger unterworfen sind, ↳ Dr. Christoph Birghan (AfD): »Sie wollten sogar die Koalition brechen dafür!« ↳ Dr. Carolin Wagner (SPD): »Einfach mal zuhören!« ↳ Dr. Christoph Birghan (AfD): »Ach, Sie waren das!« ↳ Stephan Albani (Union): »Quatsch!« werden Freibeträge und Bedarfssätze zukünftig regelmäßig angepasst und das BAföG wird Schritt für Schritt auf das Grundsicherungsniveau angehoben. Auch an die Antragstellung gehen wir ran – die Ministerin hat es gesagt –: Sie soll digitaler, schlanker und schneller werden. Unnötige Bürokratie bauen wir konsequent ab, so auch den Leistungsnachweis nach dem vierten Semester als Relikt der Vergangenheit. Das sind konkrete Verbesserungen für junge Menschen und zugleich wichtige Schritte hin zu weniger Bürokratie. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Frage ist am Ende einfach: Wollen wir ein Land sein, in dem immer noch die Herkunft über Zukunftschancen entscheidet, oder wollen wir ein Land sein, in dem Aufstieg durch Bildung möglich ist? Für uns ist die Antwort klar: Wir wollen, dass junge Menschen ihren Weg gehen können, unabhängig davon, wie viel Geld ihre Eltern haben. Dafür steht das BAföG; dafür steht diese Reform. Ich freue mich jetzt auf das parlamentarische Verfahren. Vielen Dank. Beifall: SPD Beifall: Union