Historisches Scheitern Deutschlands bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat - Konsequenzen für die deutsche Außenpolitik, Bundeskanzler Merz und Bundesminister des Auswärtigen Wadephul

Zusatzpunkt 1 · 21/82 · 10. Juni 2026

DeutschlandGeneralversammlung der Vereinten NationenSicherheitsrat der Vereinten NationenVereinte NationenWahl
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Beifall
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Meinungen
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Damit ist die Fragestunde beendet. Tagesordnungspunkt 2 ist damit geschlossen. Ich rufe jetzt auf den Zusatzpunkt 1: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der AfD Historisches Scheitern Deutschlands bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat – Konsequenzen für die deutsche Außenpolitik, Bundeskanzler Merz und Bundesminister des Auswärtigen Wadephul Ich eröffne hiermit die Aussprache. Der erste Redner in dieser Debatte ist für …
Damit ist die Fragestunde beendet. Tagesordnungspunkt 2 ist damit geschlossen. Ich rufe jetzt auf den Zusatzpunkt 1: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der AfD Historisches Scheitern Deutschlands bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat – Konsequenzen für die deutsche Außenpolitik, Bundeskanzler Merz und Bundesminister des Auswärtigen Wadephul Ich eröffne hiermit die Aussprache. Der erste Redner in dieser Debatte ist für die AfD-Fraktion Markus Frohnmaier. Beifall: AfD
MA Markus Frohnmaier AfD rede Im Protokoll ↗
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! In der Koalition läuft es nicht; der Dauerstreit nimmt kein Ende.Da hilft auch keine Schifffahrt. 71 Prozent der Deutschen sind mit dieser Regierung unzufrieden.In der Wirtschaft läuft es nicht. Die Wachstumsprognose für dieses Jahr wurde halbiert.

Der Redner kritisiert die Bundesregierung scharf für ihre Unfähigkeit zur Problemlösung, den Dauerstreit und die wirtschaftliche Misere und stützt dies mit Zustimmungswerten der Bevölkerung.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Kollege, das Thema lautet: Aktuelle Stunde zum Scheitern Deutschlands bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat. Und deswegen darf ich auch darum bitten, dass Sie zum Thema sprechen. Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Was soll das denn? Das ist eine Frechheit!« ↳ Beatrix von Storch (AfD): »Jetzt reicht es aber! Das ist ein einleitender Satz!« ↳ Stefan Keuter (AfD): »Neutralität! Frechheit!«
MA Markus Frohnmaier AfD kurz Im Protokoll ↗
Also, bei allem Respekt: Ich führe gerade zum Thema hin, und ich hatte noch keine 20 Sekunden gesprochen. Das meinen Sie doch jetzt nicht ernst!
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Das meine ich ernst, und wir werden uns auch genau daraufhin das Protokoll anschauen.
MA Markus Frohnmaier AfD kurz Im Protokoll ↗
Ich würde gerne zum Thema hinführen. ↳ Jürgen Coße (SPD): »Ganz schön dünnhäutig!«
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Ja, dann führen Sie mal zum Thema hin, und kommen Sie vor allen Dingen zum Thema! ↳ Beatrix von Storch (AfD): »Inkompetenz ist das!« ↳ Udo Theodor Hemmelgarn (AfD): »Redefreiheit!« ↳ AfD: »Was ist los bei Ihnen, Frau Präsidentin?«
MA Markus Frohnmaier AfD rede Im Protokoll ↗
Also wirklich! – Und in der Migrationspolitik läuft es auch nicht. Letztes Jahr ist wieder eine Großstadt nach Deutschland eingewandert, und von den 47 Milliarden Euro Bürgergeld ging die Hälfte an Ausländer. Trotz aller Dampfplauderei und Ankündigungen ist links auch nicht vorbei. Im Gegenteil: Links sitzt in dieser Regierung, meine Damen und Herren. Bleibt also noch die Außenpolitik; da, bescheinigen …
Also wirklich! – Und in der Migrationspolitik läuft es auch nicht. Letztes Jahr ist wieder eine Großstadt nach Deutschland eingewandert, und von den 47 Milliarden Euro Bürgergeld ging die Hälfte an Ausländer. ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Das hat nichts mit dem Sicherheitsrat zu tun!« ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Falsche Zahlen! Alles falsche Zahlen!« Trotz aller Dampfplauderei und Ankündigungen ist links auch nicht vorbei. Im Gegenteil: Links sitzt in dieser Regierung, meine Damen und Herren. Beifall: AfD ↳ Pascal Meiser (Linke): »Ganz sicher nicht! Ganz sicher nicht! Aber bei Ihnen sitzt Russland auf dem Schoß!« Bleibt also noch die Außenpolitik; da, bescheinigen Merz und Wadephul, laufe es ja. Man kennt es: Läuft es im Inneren schlecht, flüchtet man sich nach außen. Die unbeliebteste Bundesregierung seit dem Zweiten Weltkrieg hat diese Flucht bitter nötig. Beifall: AfD Deswegen tönte Friedrich Merz noch letztes Jahr – Zitat –: „Deutschland ist wieder zurück auf der europäischen und der internationalen Bühne“; Zitat Ende. Auf dieses angebliche Comeback berief er sich sogar, um den Vorwurf abzuwehren, er kümmere sich als Kanzler zu viel um die Außenpolitik. Wie sehr Deutschland unter dieser Regierung zurück ist auf der internationalen Bühne, meine Damen und Herren, konnten wir letzte Woche eindrucksvoll erleben. Beifall: AfD Die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York hat abgestimmt, wer einen Sitz im UN-Sicherheitsrat erhält. Deutschland hat sich beworben – spät beworben! –, und Deutschland ist durchgefallen, verdrängt von den neuen Großmächten Portugal und Österreich. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ist eine deutsche Bewerbung um einen Sitz im Sicherheitsrat gescheitert. Sechsmal hat sich Deutschland zuvor für den Weltsicherheitsrat beworben und auch in ihm gesessen. Diesmal hat uns die Welt die Tür vor der Nase zugeschlagen. ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Abgestraft!« Die Wahrheit ist: Unter Friedrich Merz und Johann Wadephul sind wir nicht zurück auf der internationalen Bühne. Wie in der Wirtschaft, wie in der Migration, so sind wir auch in der Außenpolitik allenfalls sauerländische Kreisliga, meine Damen und Herren, Beifall: AfD ↳ Boris Mijatović (Grüne): »Nichts gegen sauerländische Kreisliga! Die sauerländische Kreisliga ist super! Frechheit!« und das, obwohl es die Vereinten Nationen in dieser Form ohne uns gar nicht gäbe. Fast 5 Milliarden Euro, meine Damen und Herren – fast 5 Milliarden Euro! –, hat Deutschland im vergangenen Jahr in das UN-System gepumpt.↳ Stephan Brandner (AfD): »Unglaublich!« Von Anfang an läuft es unter dieser Bundesregierung so: Herrn Merz fliegt man immer dann ein, wenn ein Geldbeutel benötigt wird. Und zum Dank für deutsche Steuermilliarden setzt man dann diesen Kanzler in die letzte Reihe zwischen Garderobe und Topfpflanze.Beifall: AfD ↳ Derya Türk-Nachbaur (SPD): »Sie fliegt man ein, wenn man russische Propaganda braucht!« Die CDU und ihr vermeintlicher Außenkanzler tragen für diese nationale Schmach die Schuld. Unser Wort hat in der Welt dann wieder Gewicht, wenn wir endlich wieder eine interessengeleitete und auf Ausgleich basierende Außenpolitik betreiben. Die kommt mit der AfD. Das ist nur noch eine Frage der Zeit, meine Damen und Herren. Beifall: AfD ↳ Sara Nanni (Grüne) Die bedingungslose Ukrainehörigkeit dieser Regierung kommt in weiten Teilen der Welt eben nicht gut an, genauso wenig wie die Unfähigkeit, in einer multipolaren Welt mit allen überhaupt mal ins Gespräch zu kommen. Diese Unfähigkeit beweisen Sie eindrucksvoll jede Plenarwoche aufs Neue. Deutschland ist unter der CDU kein ehrlicher Makler mehr. Deutschland ist unter der CDU nur noch ein offener Tresor für den Rest der Welt, und daran wird sich munter bedient. Wir machen damit Schluss, meine Damen und Herren. Beifall: AfD ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Wollen Sie Ihre Verwandten unterbringen, oder wie?« Diese Regierung hat auf allen Feldern versagt. Es ist Zeit, dass Frauen und Männer das Steuer übernehmen, die diese Politik beenden. ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Die AfD sicher nicht!« Ob in Washington, in Moskau, in Peking ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Na klar! Da kennen Sie sich aus!« oder in Delhi: Die AfD ist bereit, Deutschlands Ansehen auf der Weltbühne wiederherzustellen. Und wir tun das ja auch schon längst aus der Opposition heraus, meine Damen und Herren. Beifall: AfD ↳ Derya Türk-Nachbaur (SPD): »Bei Putin!« ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Bei Putin! Bei Kriegsverbrechern!« Ich hätte gerne noch mehr gesagt, ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Nein! Besser so!« aber ich wurde zu Beginn ungewöhnlich unterbrochen. Beifall: AfD ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Mimimi!«

Markus Frohnmaier kritisiert die Bundesregierung scharf für das Scheitern bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat und wertet dies als Beweis für die außenpolitische Unfähigkeit unter Kanzler Merz und Minister Wadephul.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die Bundesregierung Florian Hahn, Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)
FL Florian Hahn Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen regierung Im Protokoll ↗
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Am 3. Juni haben wir in New York eine herbe Enttäuschung erlebt. Die Wahl der nichtständigen Mitglieder des Sicherheitsrates für den Zeitraum 2027/2028 ist anders verlaufen, als wir es uns gewünscht haben. Und trotz dieser Enttäuschung – das möchte ich auch klar an dieser Stelle und auch mit Blick auf den …
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Am 3. Juni haben wir in New York eine herbe Enttäuschung erlebt. Die Wahl der nichtständigen Mitglieder des Sicherheitsrates ↳ Jörg Zirwes (AfD): »Zum Thema!« für den Zeitraum 2027/2028 ist anders verlaufen, als wir es uns gewünscht haben. ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Der leitet schon länger als 20 Sekunden ein!« Und trotz dieser Enttäuschung – das möchte ich auch klar an dieser Stelle und auch mit Blick auf den Vorredner sagen – ist das aber auch kein Weltuntergang.↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Das ist auch nicht zum Thema!« Deutschland ist und bleibt ein starkes, ein attraktives Land↳ Stephan Brandner (AfD): »Für wen denn?« mit großer außenpolitischer Bedeutung.↳ Stephan Brandner (AfD): »Das glauben auch nur Sie!« Das zeigen nicht zuletzt die zahlreichen Wünsche nach stärkerer Kooperation↳ Beatrix von Storch (AfD): »Nach finanzieller Beteiligung Deutschlands!« und Zusammenarbeit aus aller Welt, liebe Kolleginnen und Kollegen.Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Stephan Brandner (AfD) Den von der Generalversammlung der Vereinten Nationen für die nächsten beiden Jahre gewählten Staaten, unseren europäischen Partnern und Freunden Österreich und Portugal, gratulieren wir selbstverständlich zu ihrer Wahl. Wir wissen, dass diese beiden Partner während ihrer Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat starke Stimmen für Europa sein werden. Beide haben lange, intensive und motivierte Wahlkämpfe geführt. Das hat die Mehrheit der Staaten offenbar überzeugt. Das sollten wir anerkennen. Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wer sich einem Wettbewerb stellt, an dessen Ende eine geheime Wahl steht, hat eine Chance, zu gewinnen, kann aber auch verlieren. ↳ Karsten Hilse (AfD) Und wir tun gut daran, das Ergebnis selbstkritisch aufzuarbeiten – unaufgeregt, mit Verstand, kühlem Kopf und ohne Polemik, also nicht so, wie es gerade der Vorredner getan hat. Beifall: Union Beifall: SPD Klar ist, dass sich dieses Ergebnis nicht auf einen einzigen Faktor zurückführen lässt. Im Gegenteil: Es sind hier sicher mehrere Aspekte zusammengekommen. Und ich darf für diese Bundesregierung feststellen, dass unser Bundeskanzler, dass vor allem auch unser Bundesaußenminister, ↳ AfD: »Wo ist der eigentlich?« dass wir alle gemeinsam bis zum Schluss mit großem Einsatz für unsere Kandidatur geworben und gekämpft haben. Soeben haben wir einen Versuch erlebt, eine gründliche Analyse durch polemische Schnellschüsse zu verkürzen. Wenig überraschend! Das wird Deutschland ganz sicher nicht helfen, Herr Frohnmaier, in Zukunft internationale Wahlen zu gewinnen. Aber vermutlich wollen Sie das ja auch gar nicht,↳ Stephan Brandner (AfD): »Doch! Aber Sie wollen das nicht!« ↳ AfD: »Zum Thema!« weil Sie diese Organisationen ja auch ablehnen und aus diesen Organisationen aussteigen wollen.Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Aber nun zu einer ersten groben Analyse, die im Laufe der Aufarbeitung sicher um weitere Aspekte ergänzt wird: Wie die meisten wissen, sind wir erst vergleichsweise spät in das Rennen um einen Sitz im Sicherheitsrat in unserem üblichen Acht-Jahres-Rhythmus eingestiegen. Während Österreich bereits 2011 und Portugal 2013 seine Kandidatur erklärt hat, haben wir das aus verschiedenen Gründen erst 2019 getan. Wir waren also von Beginn an in eine Art Aufholjagd gezwungen, getragen – –

Florian Hahn kommentiert das Scheitern Deutschlands bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat, gratuliert den Gewinnern Österreich und Portugal und fordert eine unaufgeregte, selbstkritische Analyse der Niederlage, die er auf den späten Einstieg in das Rennen zurückführt.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Kollege Hahn, es gibt eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion. Wollen Sie die zulassen?
FL Florian Hahn Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen regierung Im Protokoll ↗
Ich möchte gerne fortführen. – Wir waren also von Beginn an in eine Art Aufholjagd gezwungen, getragen von drei Bundesregierungen in jeweils unterschiedlicher Zusammensetzung und mit anderen außenpolitischen Prioritäten. Damit ist Tatsache, dass wir von Beginn an keine einfache Ausgangslage hatten. Unsere Mitbewerber haben in den Jahren vor der Bekanntgabe unserer Kandidatur bereits viele Wahlabsprachen getroffen, nicht zuletzt in unserer …
Ich möchte gerne fortführen. – Wir waren also von Beginn an in eine Art Aufholjagd gezwungen, getragen von drei Bundesregierungen in jeweils unterschiedlicher Zusammensetzung und mit anderen außenpolitischen Prioritäten. Damit ist Tatsache, dass wir von Beginn an keine einfache Ausgangslage hatten. Unsere Mitbewerber haben in den Jahren vor der Bekanntgabe unserer Kandidatur bereits viele Wahlabsprachen getroffen, nicht zuletzt in unserer eigenen Regionalgruppe, der Gruppe der westeuropäischen und anderer Staaten. Das hatte zur Folge, dass unsere Mitbewerber einen klaren Vorsprung gerade in unserer Region hatten, bei unseren engsten Partnern. Das wurde mir auch immer wieder bei den Gesprächen mit Botschaftern oder Ministern entsprechend bestätigt. Lassen Sie mich auch klar sagen: Verlässlichkeit und Worthalten sind nicht nur Wahlkampfsprüche, sondern für uns zentrale Werte. Deshalb hatten wir bereits getroffene Zusagen unserer Partner dann selbstverständlich auch zu respektieren. Viele Staaten – gerade auch aus anderen Regionalgruppen, in denen es wenig streitige Kandidaturen gibt – konnten zudem nicht nachvollziehen, warum wir den Wettbewerb gegen zwei mit uns befreundete und im Vergleich zu uns deutlich kleinere Staaten eröffnet haben. ↳ Stephan Brandner (AfD): »Erklären Sie es mal!« Beide sind in den Vereinten Nationen sehr angesehen. Sie verfügen über sehr viel Sympathie. ↳ Karsten Hilse (AfD): »In der Politik gibt es keine Freunde!« ↳ AfD: »Freunde gibt es nur in der AfD!« Die Positionen der beiden Staaten zu zentralen aktuellen Konflikten sind darüber hinaus bei vielen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen deutlich anschlussfähiger als unsere. Unsere Rolle, die Rolle Deutschlands, in der Welt hat sich 2022 mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, also nach Beginn unserer Wahlkampagne, fundamental geändert. Wer dies nicht anerkennt, verkennt die Realität. Wir haben anders als noch 2018 oder 2010 keinen Wohlfühlwahlkampf geführt, sondern klare Positionen vertreten. Dies gilt für die Ukrainepolitik; dies gilt für unsere Haltung zum Nahen Osten, insbesondere zu Israel. ↳ Stephan Brandner (AfD): »Das kam ja alles offenbar sehr gut an!« Wir haben nie einen Zweifel daran gelassen, wofür und wogegen Deutschland steht. Dies betrifft insbesondere unsere klare Unterstützung für die Ukraine, die sich gegen einen verbrecherischen Angriff Russlands wehrt. Diese Hilfe, diese ausdrücklich auch militärische Unterstützung mit Munition, Waffen, aber auch Ausbildung sowie unsere Haltung mögen nicht jedem, auch nicht jedem Sicherheitsratsmitglied, gefallen haben. Und dies betrifft genauso unsere besondere Verantwortung für die Sicherheit Israels. Hier werden wir uns nicht verbiegen und unsere klare Haltung in zentralen Fragen auch weiterhin immer zum Ausdruck bringen, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen. Beifall: Union Beifall: Derya Türk-Nachbaur (SPD) Auf jeden Fall werden wir aus globaler Perspektive, jedenfalls für einen Teil und im unmittelbaren Vergleich mit dem neutralen Österreich und mit Portugal, als deutlich positionierter wahrgenommen, und das ist auch gut und richtig so. Darüber hinaus haben wir in unserer Kampagne deutlich gemacht, dass wir die Handlungsfähigkeit des Sicherheitsrats stärken wollen, und zwar durch die Verbesserung der Zusammenarbeit der nichtständigen Mitglieder. Auch das dürfte kaum im Interesse einiger ständiger Mitglieder gewesen sein. Jedenfalls ist es so, dass neben uns ein weiterer größerer Staat mit klaren geopolitischen Positionierungen nicht gewählt wurde, nämlich die Philippinen. ↳ AfD: »Was für ein Vergleich!« Lachen: AfD (einzelne Abg.) Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich abschließend noch Folgendes klarstellen: Deutschland steht auch weiterhin hinter dem System der Vereinten Nationen. Wir werden dort genauso engagiert bleiben, wie wir es bisher waren. Daran sollte auch die Entscheidung, eine verlorene Abstimmung, nichts ändern. Reflexartige Rufe nach einem Rückzug aus dem Engagement oder einer pauschalen Reduzierung unseres Engagements in den Vereinten Nationen widersprechen eindeutig deutschen Interessen und verkennen den Mehrwert, den gerade auch wir aus den Vereinten Nationen ziehen. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Wir bleiben engagiert in den Vereinten Nationen für Frieden und Sicherheit, für Wohlstand und Entwicklung, für humanitäre Hilfe, für Menschenrechte und für Völkerrecht. Globale Probleme und Herausforderungen können wir nur gemeinsam lösen. Die Vereinten Nationen sind und bleiben hier für uns der richtige Ort. Eine regelbasierte multilaterale Ordnung entspricht unseren elementaren politischen und wirtschaftlichen Interessen. Das bedeutet nicht, dass bei den Vereinten Nationen alles beim Alten bleiben kann oder soll. Die Bundesregierung engagiert sich stark für eine Reform der Vereinten Nationen und unterstützt insbesondere die Reformagenda UN80, um die Organisation, ihre Bestandteile und den Mitteleinsatz effizienter aufzustellen. Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, gerade in der aktuellen Weltlage großer geopolitischer Verwerfungen braucht Deutschland, braucht Europa starke Vereinte Nationen. Wir wollen und werden die Vereinten Nationen mit anhaltendem finanziellen und politischen Engagement unterstützen, genauso wie wir uns für die Reformen einsetzen, die das VN-System effektiver und effizienter machen sollen. Ich danke Ihnen herzlich für die Aufmerksamkeit. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)

Der Redner analysiert die Gründe für das Scheitern Deutschlands bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat und betont dabei, dass die veränderte weltpolitische Lage und klare Prinzipientreue trotz Wahlniederlage beibehalten werden müssen.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist Agnieszka Brugger für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Beifall: Grüne
AG Agnieszka Brugger Grüne rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Jedes Jahr legen die renommierten deutschen Friedensforschungsinstitute ein Gutachten zur Lage auf der Welt vor, und jedes Jahr ist das eine mehr als lohnenswerte Lektüre. Anhand der Titel der Friedensgutachten der letzten Jahre kann man sehr gut nachverfolgen, wie fundamental sich die Welt in der Vergangenheit gewandelt hat. 2005 lautete die Überschrift …
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Jedes Jahr legen die renommierten deutschen Friedensforschungsinstitute ein Gutachten zur Lage auf der Welt vor, und jedes Jahr ist das eine mehr als lohnenswerte Lektüre. Anhand der Titel der Friedensgutachten der letzten Jahre kann man sehr gut nachverfolgen, wie fundamental sich die Welt in der Vergangenheit gewandelt hat. ↳ Stephan Brandner (AfD): »Sie müssen schon zur Sache reden, sonst gibt’s Ärger!« ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Zum Thema, bitte!« 2005 lautete die Überschrift noch: „Friedensprozesse brauchen einen langen Atem“. Dieses Jahr ist der Titel sehr viel düsterer: „Die neuen Warlords. Gewaltdynamiken einhegen“. ↳ Beatrix von Storch (AfD): »Was hat denn das jetzt mit dem Thema zu tun?« ↳ Deborah Düring (Grüne): »Internationale Politik! VN-Mitglieder!« Andere Bücher sprechen nicht von „Warlords“; sie beschreiben das Verhalten einiger Staaten und mächtiger Techkonzerne mit Begriffen wie „Machtfürsten“, „Raubtiere“ oder „Bullys“; gendern muss man da in der Regel nicht. ↳ Stephan Brandner (AfD): »20 Sekunden sind schon rum!« Und natürlich hat das was mit der Außenpolitik zu tun, deutlich mehr als die Rede, die Sie hier gehalten haben. Beifall: Grüne Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Stephan Brandner (AfD): »Es geht um den UN-Sicherheitsrat!« ↳ Stefan Keuter (AfD): »Wir reden über die UN und nicht über die gesamte Außenpolitik!« Denn das ist die Lage, in der Deutschland sich für diesen Sitz beworben hat. Deshalb hätten wir uns alle miteinander – außer denen auf der rechten Seite – sehr gefreut, wenn es auch gelungen wäre. Ein richtiger Erfolg wäre es aber auch nur geworden, wenn eine deutsche Bundesregierung ihren Einfluss dann dazu nutzen würde, diesen Typen mit ihren egoistischen, zerstörerischen und skrupellosen Logiken die Stirn zu bieten. Aus Überzeugung, aber auch mit Blick auf die eigenen deutschen Interessen muss man einem solchen Rückschritt entgegentreten, und das entschieden. Wenn ich mir aber das erste Jahr dieser Bundesregierung in der Außenpolitik anschaue, dann hat genau vor allem diese Anmutung Ihrer Kandidatur am Ende gefehlt. ↳ Stephan Brandner (AfD) Und da war es auch sicher nicht hilfreich, dass Friedrich Merz nicht bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen anwesend war; das ist auch vielfach registriert worden. Der Umstand seiner Anwesenheit ist umgekehrt auch nicht sofort ein Pluspunkt; denn in einer Zeit, in der die USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgeschieden sind, ist Deutschland bei der letzten Klimakonferenz leider nicht mit guten Ideen und einem engagierten Aufschlag in Erinnerung geblieben, sondern mit arroganten Äußerungen des Kanzlers über den Austragungsort. Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Und nicht hilfreich war sicher auch, das Völkerrecht nur dann anzusprechen, wenn es bequem ist. So tritt man nicht glaubwürdig für Menschenrechte und die regelbasierte Ordnung ein. Beifall: Grüne Meine Damen und Herren, seit ein paar Tagen haben wir hier eine sehr lebhafte Debatte, wer denn jetzt die Schuld für diese Niederlage trägt. ↳ Stephan Brandner (AfD): »Ja, Baerbock, Merz und Wadephul! Wer sonst?« Wenn wir uns jetzt einmal alle ruhig in die Augen schauen – ich weiß, dass Sie das nicht können –: Am Ende hat es den einen Grund da natürlich nicht gegeben. Wir haben da auch unterschiedliche Akzente und Analysen; aber wir sollten jetzt für die Zukunft gemeinsam aus den Fehlern lernen. Ich will jetzt aber auch noch mal auf die abstruseste Geschichte in diesem Rahmen, die wirklich an den Haaren herbeigezogen ist, eingehen. Es gibt ja jetzt einige Herren, die breitbeinig in bequemen Talkshow-Sesseln sitzen und sich gerade darüber lustig machen, dass Annalena Baerbock angeblich Dörfern in Nigeria vorschreiben wollte, wo und wie sie Toiletten bauen sollten. ↳ Stefan Keuter (AfD): »Das haben die Nigerianer selbst gesagt!« Meine Damen und Herren, das sind Fake News; denn in dem konkreten Fall ging es um Frauen, die in einem Dorf gelebt haben, das eine terroristische, islamistische Organisation, nämlich Boko Haram, überfallen hat und in dem viele Frauen vergewaltigt wurden. Es waren die Frauen vor Ort, die das angesprochen haben und die darauf hingewiesen haben, dass die Sanitäranlagen in der Mitte des Dorfes für sie sicher sind.Wer sich jetzt darüber lustig macht und das anmaßend findet, der hat nicht nur keinen Respekt vor diesen Frauen, sondern der verhält sich auch selbst mehr als verblendet und anmaßend. Beifall: Grüne Beifall: Rasha Nasr (SPD) ↳ Stephan Brandner (AfD): »Und rechtsextrem, oder?« Und ehrlich: Daran soll die deutsche Bewerbung um einen Sitz im Sicherheitsrat gescheitert sein? Wer das glaubt, der macht sich wirklich selbst lächerlich. Aber, meine Damen und Herren, zurück zum gemeinsamen Nach-vorne-Schauen! Es war auch sicherlich nicht der allerklügste Move der vorvorletzten Bundesregierung, die Kandidatur in Konkurrenz zu Portugal und Österreich zu verkünden, die längst für sich geworben hatten. Damit war die Ausgangslage schwierig. Die Antwort auf fast alle Fragen in dieser Weltlage – und darauf können wir uns, glaube ich, als demokratische Fraktionen einigen – ist gerade immer ein geeintes Europa. Wer mit einem Sitz im Sicherheitsrat in einer unfriedlichen Welt mehr und nicht weniger Verantwortung übernehmen will, der sollte mehr und nicht weniger tun. Deshalb sollte man in Partnerschaften und Projekte weltweit investieren, ↳ Stephan Brandner (AfD): »Noch mehr bezahlen!« statt mit dem Rotstift im Haushalt zu kürzen. Dazu bringen wir als Grüne morgen einen Antrag ins Plenum ein. Beifall: Grüne Der beste Schutz in dieser rauen und unberechenbaren Welt ist, möglichst viele Partner zu haben. Aber dazu muss man selbst ein verlässlicher Freund sein, wenn andere uns brauchen. Wie das in diesen bewegten und unsicheren Zeiten geht, dafür hat nicht nur unser Antrag morgen, sondern auch das aktuelle Friedensgutachten eine Reihe von sehr konkreten guten Hinweisen für die nächste Kandidatur parat. Vielen Dank. Beifall: Grüne

Agnieszka Brugger bewertet das Scheitern bei der UN-Sicherheitsratswahl als Folge verpasster Chancen und schlechter Rahmenbedingungen der Bundesregierung, kritisiert die Schuldzuweisungen gegen Außenministerin Baerbock scharf und fordert eine gemeinsame, strategisch klügere europäische Außenpolitik mit mehr Investitionen.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist Derya Türk-Nachbaur für die SPD-Fraktion. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.)
DE Derya Türk-Nachbaur SPD rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen und andere! Deutschland hat die Wahl zum nichtständigen Mitglied im UN-Sicherheitsrat verloren – ziemlich klar, deutlich, ganz ohne Zitterpartie. Das ist wirklich eine herbe Niederlage, und wir werden sie auch nicht schönreden; der Herr Staatsminister hat das auch nicht getan. Durchgefallen bei einer Wahl in den UN-Sicherheitsrat war Deutschland bisher noch nie. …
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen und andere! Lachen: AfD (einzelne Abg.) Deutschland hat die Wahl zum nichtständigen Mitglied im UN-Sicherheitsrat verloren – ziemlich klar, deutlich, ganz ohne Zitterpartie. Das ist wirklich eine herbe Niederlage, und wir werden sie auch nicht schönreden; der Herr Staatsminister hat das auch nicht getan. Durchgefallen bei einer Wahl in den UN-Sicherheitsrat war Deutschland bisher noch nie. Das verlangt eine ehrliche Analyse, und das verlangt auch Haltung und die Bereitschaft, unbequeme Fragen zu stellen – auch an uns selbst und auch an vergangene Bundesregierungen. Aber zuerst ein Wort, das dieser Moment verdient: Außenminister Wadephul hat bis zur letzten Minute gekämpft und wirklich alles gegeben. ↳ Stephan Brandner (AfD): »Bis zum letzten Atemzug!« Er hat das Ergebnis klar benannt, eine tiefgreifende Analyse angekündigt und die richtigen Konsequenzen gezogen. Und dafür danken meine Fraktion und ich ihm ausdrücklich. Beifall: SPD Beifall: Union Denn die richtige Konsequenz ist nicht Rückzug. Deutschland wird sich nicht in die Schmollecke verziehen. Wir werden auf der internationalen Bühne weiterhin präsent bleiben, unser Engagement verlässlich fortführen und unsere Rolle in der Generalversammlung selbstbewusst gestalten. Und nun zu einem kleinen Teil einer ehrlichen Analyse. Ex-UN-Botschafter Heusgen hat einen der Punkte für diese Niederlage benannt: „Wenn wir das Völkerrecht relativieren, dürfen wir uns nicht wundern.“ Ja, das sitzt! Das sitzt bei uns; denn das ist ein Hinweis, den wir ernst nehmen sollten. Dort, wo mehr Klarheit gefordert gewesen wäre, waren wir vielleicht manchmal nicht klar genug. Das könnte bei den Staaten, die in New York mit abgestimmt haben, Spuren hinterlassen haben. Wer auf der Weltbühne gehört werden will, muss bereit sein, unbequeme Wahrheiten auch dann auszusprechen, wenn sie starke Partner betreffen. Es geht um Glaubwürdigkeit und Haltung. Das ist allerdings nur eine der Lektionen aus New York – eine ernste, eine wichtige und eine, mit der wir konstruktiv umgehen werden, aber nicht die einzige, so wie die Gründe der Nichtwahl vielschichtig waren. Und jetzt, meine Damen und Herren von der AfD, zu Ihnen! ↳ Stephan Brandner (AfD): »Endlich! Sind wir die anderen?« Sie haben die Aktuelle Stunde beantragt. Sie sorgen sich um das Ansehen Deutschlands in der Welt.Das finde ich echt putzig. Es wäre rührend, wenn es nicht so entlarvend wäre. ↳ Udo Theodor Hemmelgarn (AfD): »Die 11-Prozent-Partei!« Schauen wir uns doch mal an, was Sie wirklich tun: Ihre Abgeordneten reisen nach Washington↳ Beatrix von Storch (AfD): »Ja, und nach Moskau!« und erzählen dort, wie Deutschland und Europa die Justiz missbrauchen.Sie geben in russischen Propagandasendern Interviews und stellen Deutschland als Unrechtsstaat dar. Pseudowahlbeobachtungsmission, Verbreitung russischer Kriegspropaganda, ganz aktuell Flanieren in Sankt Petersburg: Das ist Ihre außenpolitische Bilanz. ↳ Stephan Brandner (AfD): »Gar nicht schlecht, oder?« Bei Ihren Anti-Deutschland-Reisen ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Russland! China! Nordkorea!« haben Sie wirklich ganze Arbeit geleistet. Herzlichen Glückwunsch! Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.)

Derya Türk-Nachbaur kommentiert die historische Niederlage bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat, würdigt den Einsatz des Außenministers und fordert eine ehrliche Analyse der außenpolitischen Glaubwürdigkeit. Sie konfrontiert die AfD-Abgeordneten mit deren Verhalten im Ausland und wirft ihnen vor, durch ihre Reisen und Auftritte das Ansehen Deutschlands zu schädigen.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Frau Kollegin, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion.
DE Derya Türk-Nachbaur SPD rede Im Protokoll ↗
Nein, danke. Und Sie stehen hier und reden über Deutschlands Ansehen. Wenn selbst russische Agenten auf Ihre Rolle, auf die Rolle der AfD im Bundestag, hinweisen und sich über diese Rolle freuen, dann finde ich es echt witzig, was Sie hier abziehen. Sie nennen sich „Patrioten“. Sie sind Patrioten, die man sich noch nicht mal bei Wish bestellt. Wer den …
Nein, danke. ↳ Stephan Brandner (AfD): »Auf uns rumhacken und dann keine Zwischenfragen zulassen!« Und Sie stehen hier und reden über Deutschlands Ansehen. Wenn selbst russische Agenten auf Ihre Rolle, auf die Rolle der AfD im Bundestag, hinweisen und sich über diese Rolle freuen, dann finde ich es echt witzig, was Sie hier abziehen. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Sie nennen sich „Patrioten“. Sie sind Patrioten, die man sich noch nicht mal bei Wish bestellt. Wer den Ruf seines Landes im Ausland systematisch beschädigt,↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Das haben Sie doch gemacht über Jahre! Das ist Ihr Ergebnis!« hat das Recht verwirkt, sich hier als Anwalt deutscher Interessen aufzuspielen.Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.)

Die Rednerin greift die AfD-Abgeordneten an und wirft ihnen vor, durch ihr Verhalten den Ruf Deutschlands im Ausland systematisch zu beschädigen und sich dabei freudigen Zustimm von russischen Agenten zu erholen.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend polemischmoralisch Populismus 0,40 Farbige Stellen anklicken für die Deutung
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Frau Kollegin, es gibt noch mal den Wunsch nach einer Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion.
DE Derya Türk-Nachbaur SPD rede Im Protokoll ↗
Nein, danke. – Die Wahrheit ist: Sie haben Multilateralismus nie verstanden, und Sie wollen das auch gar nicht. Für Sie sind die Vereinten Nationen ein Feindbildlieferant, kein Forum. Internationale Zusammenarbeit gilt für Sie als Souveränitätsverzicht. Völkerrecht interessiert Sie nur, wenn es sich als Angriffsfläche gegen die Bundesregierung eignet und Sie das für Ihre eigene politische Agenda instrumentalisieren können. Wir in …
Nein, danke. – Die Wahrheit ist: Sie haben Multilateralismus nie verstanden, und Sie wollen das auch gar nicht. ↳ Maximilian Kneller (AfD) Für Sie sind die Vereinten Nationen ein Feindbildlieferant, kein Forum. Internationale Zusammenarbeit gilt für Sie als Souveränitätsverzicht. Völkerrecht interessiert Sie nur, wenn es sich als Angriffsfläche gegen die Bundesregierung eignet und Sie das für Ihre eigene politische Agenda instrumentalisieren können. ↳ Stephan Brandner (AfD): »Jetzt zerlegen Sie uns aber richtig hier!« Wir in dieser Koalition halten das anders. Ja, die UN sind nicht perfekt. Ja, die UN gehören reformiert. Aber sie machen den Unterschied zwischen einer Welt mit Regeln und einer Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt. Für diese Idee stehen wir als Sozialdemokratie. ↳ Nicole Höchst (AfD): »Sozialdemokratie!« Für sie werden wir zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen der Union kämpfen mit einer neuen Kandidatur – glaubwürdig, konsequent und mit einer klaren Haltung. ↳ Stephan Brandner (AfD): »2035, oder was?« Danke. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.)

Die Rednerin wirft der politischen Gegenseite Unverständnis für Multilateralismus und Instrumentalisierung des Völkerrechts vor und betont die Bedeutung der Vereinten Nationen für eine regelbasierte Weltordnung.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für die Fraktion Die Linke Lea Reisner. Beifall: Linke
LE Lea Reisner Linke rede Im Protokoll ↗
Frau Präsidentin! Abgeordnete! Im UN-Sicherheitsrat entscheiden zumindest formal 15 Länder über Krieg und Frieden, über Sanktionen, über Mandate, über militärische Eingriffe in Konflikte überall auf der Welt. Deutschland wollte da rein. Aber die Welt hat anders entschieden. Und jetzt sind wir hier entsetzt, erschüttert, aufgebracht oder hämisch aufgrund dieses Ergebnisses. Dabei ist kein Unglück passiert. Diese Regierung hat die Quittung …
Frau Präsidentin! Abgeordnete! Im UN-Sicherheitsrat entscheiden zumindest formal 15 Länder über Krieg und Frieden, über Sanktionen, über Mandate, über militärische Eingriffe in Konflikte überall auf der Welt. Deutschland wollte da rein. Aber die Welt hat anders entschieden. Und jetzt sind wir hier entsetzt, erschüttert, aufgebracht oder hämisch aufgrund dieses Ergebnisses. Dabei ist kein Unglück passiert. Diese Regierung hat die Quittung bekommen. Die Welt hat sich Deutschland angeschaut und Nein gesagt – nicht dieses Deutschland im Sicherheitsrat. Jetzt hören wir verschiedene Analysen: schlechtes Timing, schlechte Absprachen, Kampagnen gegen Deutschland. Das meiste davon ist Unsinn. Die Welt hat einfach genau hingeschaut. Sie hat gehört, wie der Bundeskanzler sagt, wir sollen bis 2029 kriegstüchtig sein. Sie hat gehört, wie der Verteidigungsminister die „konventionell stärkste Armee Europas“ verspricht. ↳ Peter Beyer (Union): »Mit allem Recht!« Sie hat gesehen, wie dieses Land Waffen und diplomatische Deckung liefert an einen Staat, gegen den ein Völkermordverfahren läuft. ↳ Nicole Gohlke (Linke): »Genau!« Sie hat gesehen, wie diese Regierung schweigt oder gar logistisch unterstützt, wenn die USA das Völkerrecht brechen. ↳ Nicole Gohlke (Linke): »Richtig!« Sie hat gespürt, dass Deutschland seine politische und wirtschaftliche Macht eben nicht im Interesse der internationalen Gemeinschaft nutzt. ↳ Nicole Gohlke (Linke): »Richtig!« Diese Regierung redet von Werten; aber sie verteidigt diese Werte nur dann, wenn sie den eigenen Interessen nicht im Weg stehen. Diese Doppelstandards haben Vertrauen zerstört; denn Völkerrecht gilt entweder universell, oder es ist nichts wert. Beifall: Linke ↳ Nicole Gohlke (Linke): »Genau!« Die Welt hat Nein gesagt, weil sie weiß: Dieses Deutschland macht keine Politik für den Frieden. Die Politik nach außen ist auch die Politik nach innen. Für die Bundeswehr haben Sie die Schuldenbremse abgeschafft und 100 Milliarden Euro innerhalb einer Woche gefunden. Für Krankenhäuser, Renten, bezahlbaren Wohnraum gilt sie weiter; dafür ist angeblich kein Geld da. Und das nennen Sie dann „Sicherheit“. Aber Panzer alleine schaffen keine Sicherheit. Sicherheit ist, wenn nachts genug Pflegekräfte auf der Station sind, um die Patientinnen und Patienten versorgen zu können. Beifall: Linke Sicherheit ist, wenn die Miete nicht entscheidet, ob am Monatsende noch Geld fürs Essen da ist. Sicherheit ist, wenn die Rente am Ende eines Arbeitslebens für mehr reicht als für die nächste Stromrechnung. Beifall: Linke Genau diese Sicherheit nehmen Sie uns weg – für noch mehr Waffen. Wer das kritisiert, gilt als naiv. Aber das ist falsch; denn wirklich naiv ist, wer glaubt, man kann ein Land kaputtsparen, immer weiter aufrüsten und am Ende in Frieden leben. Und jetzt zur AfD! Sie beantragen hier eine Aktuelle Stunde zu den Vereinten Nationen, der Institution, der Sie permanent ihre Legitimität absprechen, ↳ Stefan Keuter (AfD): »Das ist doch Unfug! Das ist eine Lüge! Sie lügen hier!« ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Das stimmt doch gar nicht!« der Institution, die für internationale Kooperation und für Frieden steht. ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »So ein Quatsch!« Das ist exakt das Gegenteil von dem, was Sie wollen. Beifall: Linke Sie verkaufen sich als Friedenspartei; aber das ist eine saugefährliche Lüge. Frieden ist nicht die Abwesenheit von Solidarität mit anderen Ländern. Frieden ist nicht die Gleichgültigkeit gegenüber Krieg. Frieden ist nicht das Buckeln vor scheinbar Mächtigen dieser Welt. Frieden entsteht durch Zusammenarbeit, durch internationale Solidarität, durch die Unteilbarkeit der Menschenrechte. Und all das bekämpfen Sie. Beifall: Linke ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Nein! Das stellen wir gar nicht in Abrede! Sie drehen alles um!« Die AfD ist eine zutiefst nationalistische Partei, und gerade in Deutschland sollten wir wissen: Nationalismus hat noch nie Frieden geschaffen. Beifall: Linke ↳ Nicole Gohlke (Linke): »Genau!« Nationalismus behauptet immer, die Interessen der eigenen Nation stünden über den Interessen der anderen. Genau dort beginnen die Konflikte. Wer alles denkt in Volk, Nation, Grenze, in „Wir gegen die anderen“, der ist nicht für Frieden, der ist für Konfrontation. ↳ Nicole Gohlke (Linke): »Genau!« Die AfD will auch keine Abrüstung. ↳ Maximilian Kneller (AfD) Sie will ein Deutschland, das wieder gefürchtet wird. Sie will die Wehrpflicht zurück. Sie will den Sozialstaat schleifen, die Reichen entlasten, den Mindestlohn abschaffen und uns spalten, nach passender Hautfarbe ↳ Stephan Brandner (AfD): »Hallo! Zur Sache, bitte!« und danach, wie viel wir verdienen, ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Ist das zum Thema? Hallo?« damit wir uns nicht gemeinsam wehren. Eine Partei, die den Konzernen dient und die Menschen aufhetzt, ist keine Friedenspartei. Sie ist die radikalste Form dieser Aufrüstung. Beifall: Linke ↳ Stefan Keuter (AfD): »Jetzt reden Sie doch mal zur Aktuellen Stunde! Sie haben doch den Antragstext vorliegen!« Wenn die Bundesregierung aus dieser Abstimmung etwas lernen will, dann sollte es das sein: Internationale Glaubwürdigkeit kann man nicht kaufen – nicht mit Rüstungsausgaben, nicht mit dem Versprechen der stärksten Armee Europas. Die Botschaft ist klar: Vertrauen entsteht durch Glaubwürdigkeit, durch Diplomatie, durch die Verteidigung von Menschenrechten und des Völkerrechts – auch dann, wenn es unbequem ist. Deutschland braucht nicht mehr militärische Stärke. ↳ Stephan Brandner (AfD): »Sagen Sie mal was zu Selbstschussanlagen und Mauermorden!« Die Welt hat eine Wahrheit ausgesprochen. Hören Sie zu! Beifall: Linke

Die Rednerin wertet das Scheitern bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat als deservedes Ergebnis einer völkerrechtswidrigen und rüstungsfokussierten Regierungspolitik und grenzt sich scharf von der AfD ab.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die Unionsfraktion Markus Koob. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)
MA Markus Koob Union rede Im Protokoll ↗
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, das Ergebnis der Wahl ist enttäuschend und bedauerlich; aber wir sollten keine falschen und vor allem keine voreiligen Schlüsse ziehen, wie es auch in dieser Debatte heute hier wieder getan wird. Der Bewerbungsprozess wurde von insgesamt drei sehr unterschiedlichen Bundesregierungen begleitet, und hier sollten wir auch schauen: Was waren die jeweiligen Punkte, die …
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, das Ergebnis der Wahl ist enttäuschend und bedauerlich; aber wir sollten keine falschen und vor allem keine voreiligen Schlüsse ziehen, wie es auch in dieser Debatte heute hier wieder getan wird. Der Bewerbungsprozess wurde von insgesamt drei sehr unterschiedlichen Bundesregierungen begleitet, und hier sollten wir auch schauen: Was waren die jeweiligen Punkte, die in dieser Zeit vielleicht nicht ordentlich gelaufen sind? Liebe Agnieszka, ich kann es dir jetzt nicht ersparen: Während dieser drei Regierungen war die längste Zeit nun mal eine Grüne Außenministerin. Und deshalb: Sich hinzustellen, auf die anderen zu zeigen und zu sagen: „Ihr wart doof“, ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Ich habe euch die Hand gereicht!« finde ich, ehrlich gesagt, an der Stelle unpassend. Wir sollten ehrlich analysieren. Wir alle kennen die Aussagen gerade von afrikanischen Politikerinnen und Politikern zu Annalena Baerbock. ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Und warum wurde sie dann mit 167 Stimmen zur Präsidentin der UN-Generalversammlung gewählt?« – Agnieszka, ich will nur, dass wir das ehrlich analysieren. ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Genau!« Und dann gehört auch eure Rolle mit dazu. Beifall: Union Was aber noch viel wichtiger ist als die Frage „Wer war es denn, wer hat es denn verbockt?“, ist die Frage: Was lernen wir daraus? Bei der Frage, wer es war, können wir ohnehin nur spekulieren; denn es war eine geheime Wahl. Mögliche Gründe sind hier schon viele genannt worden. Auch in den internationalen Kommentierungen unseres Wahlergebnisses wird weniger ein grundsätzlicher Bedeutungsverlust Deutschlands attestiert, sondern es werden viele Punkte, die wir heute auch schon gehört haben, als Gründe genannt. Daraus müssen wir lernen und auch daraus, dass insbesondere Länder des Globalen Südens mit einem anderen Selbstbewusstsein auftreten und nicht mehr automatisch westlichen, nicht mehr automatisch deutschen Positionen folgen. Das ist eine Realität, die wir in unserer Außenpolitik erkennen müssen. So richtig es ist, dass wir hier im Parlament über diese Wahl und die Ergebnisse reden, so bemerkenswert ist es in der Tat, wer diese Aktuelle Stunde beantragt hat. Ausgerechnet die AfD beklagt lauthals einen angeblichen Verlust deutschen Einflusses. Dabei vertritt sie eine Außenpolitik, die zu noch weniger Einfluss führen würde. ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Ja, China, Russland, Nordkorea, Iran würden sie wählen!« Führende Vertreter der AfD diffamieren regelmäßig internationale Organisationen als Teil einer angeblichen globalen Elite. Wenn es um die Frage von Beteiligung von Bundeswehr an UN-Missionen geht, gibt es von der AfD maximal dann eine Zustimmung, wenn sie sich davon eine Reduzierung von Migration verspricht. ↳ Stefan Keuter (AfD): »Keine Friedenspartei!« Wir haben in dieser Woche lernen müssen, dass wir Westdeutsche eigentlich nur deutschsprechende Amerikaner sind. Vielleicht gibt uns das ja einige Optionen, um künftig wieder mehr Einfluss zu haben. Heiterkeit: Union (einzelne Abg.) Heiterkeit: SPD Vielleicht ist es aber auch ein weiteres Mosaikstück, das uns erklärt, warum Ihre Partei selbst Ihren internationalen rechtspopulistischen Partnern einfach nur peinlich ist. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Das ist der Kern für uns Parteien der Mitte: Deutschland gewinnt internationales Gewicht nicht durch Isolation. Deutschland gewinnt Einfluss durch Bündnisse, Partnerschaften und aktive Mitarbeit in internationalen Organisationen. Wer die Vereinten Nationen schwächt, schwächt auch Deutschlands Möglichkeiten, internationale Entwicklungen mitzugestalten. Wer sich von multinationaler Zusammenarbeit abwendet, wird nicht souveräner, sondern bedeutungsloser. Meine Damen und Herren, die Konsequenz aus dieser Wahl kann nicht sein, sich zurückzuziehen. Die Konsequenz muss sein, besser zu werden. Deutschland muss seine Beziehungen zum Globalen Süden, insbesondere zum afrikanischen Kontinent, vertiefen, Deutschland muss früher und strategischer multilaterale Mehrheiten organisieren, und Deutschland muss seine Interessen weiter klar vertreten und gleichzeitig als verlässlicher Partner wahrgenommen werden. Genau daran arbeiten wir gemeinsam mit der neuen Bundesregierung. Außenminister Wadephul hat bereits im ersten Jahr seiner Amtszeit intensive Gespräche geführt und deutlich gemacht, dass Deutschland auch künftig Verantwortung in den Vereinten Nationen übernehmen wird. Dieses Wahlergebnis ist kein Urteil über Deutschlands globales Engagement. Es ist ein Auftrag an unsere Diplomatie, an unsere Parteien hier in der demokratischen Mitte, gemeinsam strategisch und wirksam zu arbeiten. Ich möchte das in einen Zusammenhang mit einer weiteren außenpolitischen Entscheidung dieser Woche bringen, die auf den ersten Blick auch eine Enttäuschung ist: Die Entscheidung zum FCAS, also dass es bei der Bereitstellung eines Kampfflugzeuges keine deutsch-französische Zusammenarbeit mehr geben wird, ist ein Rückschlag. Aber wir haben jetzt eine Chance. Wir haben gemeinsam eine Chance, aus diesem Wahlergebnis in New York, aus dieser Entwicklung mit FCAS zu lernen, hier noch stärker gemeinsame europäische Schritte einzuleiten. Wir haben die Chance, mit unseren europäischen Partnern endlich das zu tun und zu schaffen, wovon wir die ganze Zeit reden: eine wirklich gemeinsam organisierte europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Dass wir dann auch in Europa und auf der globalen Ebene wieder mehr Einfluss gewinnen, halte ich für logisch. Und wenn wir daran arbeiten, können wir das auch erreichen. Dazu lade ich alle ein, insbesondere die Parteien, die heute in der Debatte gezeigt haben, dass sie an einer Lösung interessiert sind. Von ganz rechts und von ganz links kam leider, wie zu erwarten, kein positiver Input. Herzlichen Dank. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)

Markus Koob bewertet das Scheitern bei der UN-Sicherheitsratswahl als enttäuschend, warnt aber vor vorschnellen Schuldzuweisungen und fordert eine strategische Neuausrichtung der Außenpolitik hin zu mehr Kooperation mit dem Globalen Süden und europäischer Einigkeit.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Für die AfD-Fraktion hören wir Beatrix von Storch. Beifall: AfD
BE Beatrix von Storch AfD rede Im Protokoll ↗
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir machen uns selbst kleiner, als wir sind: Das sagte Friedrich Merz 2022 als Kritik an der Ampel. Nach einem Jahr Kanzler Merz sind wir nun so klein, dass selbst Österreich und Portugal mehr internationale Unterstützung organisieren können als die schwarz-rote Regierung für Deutschland. Das Abstimmungsergebnis beim UN-Sicherheitsrat in nüchternen Zahlen: Portugal 134 Stimmen, …
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wir machen uns selbst kleiner, als wir sind: Das sagte Friedrich Merz 2022 als Kritik an der Ampel. Nach einem Jahr Kanzler Merz sind wir nun so klein, dass selbst Österreich und Portugal mehr internationale Unterstützung organisieren können als die schwarz-rote Regierung für Deutschland. Das Abstimmungsergebnis beim UN-Sicherheitsrat in nüchternen Zahlen: Portugal 134 Stimmen, Österreich 131 Stimmen und Deutschland abgeschlagen mit 104 Stimmen. Das Gute ist: Wir haben jetzt schwarz auf weiß in Zahlen, wo wir international stehen: ganz unten. Über die Ursachen herrscht unter den Demokraten der Mitte Uneinigkeit. Hinter der Brandmauer gibt es Zank wie im Kindergarten. Grünenvorsitzende Franziska Brantner sagte: „Deutschland hat in den vergangenen Monaten viel Vertrauen auf der internationalen Bühne verspielt.“ Sie will damit sagen: Der Fritz, der hat’s vergeigt. ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Der Lügenfritz!« Und aus der CDU kommt vom Minister Pentz aus Hessen: „Annalena Baerbock hat es verbockt [...]“. Da stellt sich mir jetzt die Frage: Wer hat eigentlich diese Baerbock nach der Bundestagswahl 2025 zu den UN geschickt? Beifall: AfD Die Blamage bei der UN: Das war Baerbocks Werk und Friedrichs Beitrag. Sie sitzen da alle in einem Boot, und das Boot ist nun gekentert. ↳ Boris Mijatović (Grüne): »Literatur ist auch nicht Ihres!« ↳ Stefan Keuter (AfD): »Sie haben es gemeinsam verbaerbockt!« Heiterkeit: AfD (einzelne Abg.) Gekentert ist die Mischung aus Scheckbuchdiplomatie, Inkompetenz, moralischer Überheblichkeit ↳ Claudia Müller (Grüne): »Sie schließen von sich auf andere!« und konsequenter Ignoranz gegenüber den Realitäten dieser Welt. Am links-grünen deutschen Wesen soll die Welt genesen. Klima, Gender und Ukraine ↳ Derya Türk-Nachbaur (SPD): »Bingo! Ich habe schon darauf gewartet!« als Maßstab für die ganze Welt. Und wer dem nicht folgt, der holt sich bei Oberlehrer Merz und Sonderschullehrerin Baerbock eine Standpauke ab. Beifall: AfD ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Und Sie holen sich bei Russland, China, Nordkorea und Iran die Stimmen für Ihre Politik!« ↳ Boris Mijatović (Grüne): »Eine Frechheit, was Sie machen!« Wir haben kein Geld, hauen es aber raus, als gäbe es kein Morgen, und das nicht mit der Gießkanne, sondern mit dem Wasserwerfer, und zwar in der ganzen Welt. Auf den Unsinn, den die USA nicht mehr bezahlen, packen wir noch eine Schippe drauf: von der WHO bis zur UNRWA, von der Abtreibungslobby in Burundi bis zum Gender-Gaga in Burkina Faso. Natürlich können wir uns auf den Standpunkt stellen und sagen: Alles nicht so schlimm. Sie kennen die Geschichte mit dem Sack Reis in China. Oder auch: Ob die inkompetenteste Regierung, die wir je hatten, einen Sitz im Sicherheitsrat bekommt, das spielt keine Rolle. Die UN ist ohnehin eine Ansammlung mehrheitlich autoritärer, korrupter Staaten mit einem überbezahlten Sozialisten an der Spitze – egal. Aber um einfach zur Tagesordnung überzugehen, ist das alles viel zu teuer. 5 Milliarden Euro zahlen wir an die EU, davon 4 Milliarden Euro freiwillig; wir haben es ja. ↳ Derya Türk-Nachbaur (SPD): »Und wie viel kommt davon zurück?« ↳ Boris Mijatović (Grüne): »EU? Wir sind bei den UN, Frau Kollegin!« 11 Milliarden Euro für die Ukraine, 13 Milliarden netto in die EU und 26 Milliarden Euro Entwicklungshilfe machen in Summe 55 Milliarden Euro für das Ausland.↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Was hat das mit den Vereinten Nationen zu tun?« Das ist genug Geld, um bis 2030 die Defizite bei Pflege, Rente und Krankenkasse zu schließen – ohne Leistungskürzungen und ohne Beitragsanhebungen. Beifall: AfD ↳ Derya Türk-Nachbaur (SPD): »Wer profitiert denn am meisten von der EU?« Dazu kommen dann noch ansteigend jährlich Beträge bis 2030 in Höhe von 180 Milliarden Euro für die Bundeswehr, um die NATO-Partner zu erfreuen. „Führungsverantwortung“ nennt das der Kanzler, ein anderes Wort dafür ist: Fass ohne Boden. Bis 2030 ist Deutschland pleite. Bei Reformen, also beim Sparen, reden Sie immer vom Sozialstaat. Wir reden da erst mal von der internationalen Politik. Sparen ist eine Frage der Priorität. Bei den UN leben 37 000 Beamte in Saus und Braus, mit Gehältern zwischen 46 000 Euro und 250 000 Euro plus bis zu 60 Prozent Zuschlägen, bezahlt von unseren Beiträgen. ↳ Dr. Roland Theis (Union): »Keine Verwandten von Ihnen dabei?« Kaum war die UN-Blamage öffentlich, erklärte Merz natürlich trotzdem, Deutschland werde seiner Verantwortung weiter gerecht. Das heißt: Wir bleiben Zahlmeister für Milliarden, natürlich freiwillig. Nein, meine Damen und Herren, mit uns hört das auf. Das ist ein Versprechen. Beifall: AfD ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Ihr regiert doch gar nicht!« ↳ Derya Türk-Nachbaur (SPD): »Das wäre das Aus für Deutschland, wenn Sie regieren!« Wir müssen die heiligen Kühe der politischen Klasse schlachten. Als Erstes: Weg mit den freiwilligen Beiträgen in Höhe von 4 Milliarden Euro an die UN, statt den Frauen in Deutschland, die sich hier für die Pflege ihrer Angehörigen aufopfern, die Rente zu streichen. Da wollen Sie streichen, wir streichen bei den freiwilligen Beiträgen an die UN. Beifall: AfD ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Stimmt doch gar nicht! Falsche Zahlen!« ↳ Sara Nanni (Grüne) Der Unterschied zwischen Schwarz, Rot, Grün und uns, auf den Punkt gebracht, ist: Ihre Priorität heißt: Deutschland zuletzt, und unsere Priorität heißt: Deutschland zuerst. Beifall: AfD ↳ Derya Türk-Nachbaur (SPD): »Für Sie heißt sie: Russland zuerst!«

Beatrix von Storch kritisiert das Scheitern bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat als Ergebnis von Inkompetenz und falscher Prioritätensetzung der Regierung und fordert die Streichung freiwilliger Zahlungen zugunsten nationaler Belange.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Für die SPD-Fraktion darf ich Jürgen Coße das Wort erteilen. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.)
Jürgen Coße SPD rede Im Protokoll ↗
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich weiß nicht, ob es Ihnen und euch so geht, dass man manchmal kopfschüttelnd zuhören muss, wenn hier geredet wird; vor allem, wenn man das Gefühl hat, Leute reden über etwas, wovon sie keine Ahnung haben. Und dann wissen sie noch nicht einmal, warum es die UN oder den Völkerbund überhaupt gibt. Der Völkerbund …
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich weiß nicht, ob es Ihnen und euch so geht, dass man manchmal kopfschüttelnd zuhören muss, wenn hier geredet wird; ↳ AfD: »Das geht uns immer so bei Ihnen!« Heiterkeit: AfD vor allem, wenn man das Gefühl hat, Leute reden über etwas,↳ Beatrix von Storch (AfD): »Die SPD bei 11 Prozent neuerdings! Bundesweit!« wovon sie keine Ahnung haben.↳ Stefan Keuter (AfD): »Der Kipppunkt zur Zehn ist bald erreicht!« ↳ AfD: »Machen Sie ruhig weiter!« Und dann wissen sie noch nicht einmal, warum es die UN oder den Völkerbund überhaupt gibt. Der Völkerbund als Vorläufer der UN war die Konsequenz aus dem Ersten Weltkrieg. Er war ein Versuch, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert, dass man miteinander reden und Argumente austauschen muss, damit Krieg am besten unmöglich wird. ↳ Nicole Höchst (AfD): »Versuch gescheitert!« Der Versuch scheiterte: Er scheiterte↳ Sara Nanni (Grüne): »... an Nazis!« an Nazis, an dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.↳ Steffen Janich (AfD): »Nationalsozialisten!« Und die Konsequenz aus dem Zweiten Weltkrieg war,↳ Stephan Brandner (AfD): »Nach den Nazis gab es keine Kriege mehr, oder wie?« dass man den Völkerbund veränderte und umwandelte zu den UN: mit heute 193 Mitgliedern.↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Was hat das bitte mit dem Thema zu tun?« ↳ David Mandrella (SPD): »Ruhig, Brauner!« Die Idee war, dass 193 Länder miteinander quasi an einem Tisch reden, um Konflikte in dieser Welt unmöglich zu machen. ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Sprechen Sie mal zum Thema!« Und diese Idee ist in Wirklichkeit nicht an der UN-Versammlung gescheitert, sondern die Idee, dass der Sicherheitsrat für Kriege Lösungen herbeiführt,↳ Stephan Brandner (AfD): »Das klappt doch nicht!« die scheitert an der gegenseitigen Blockade von ganz speziellen Ländern.Dazu gehört Russland, dazu gehört China↳ Peter Beyer (Union): »Das sind die Friedensblockierer!« und sicherlich auch die USA unter Trump, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: SPD ↳ Beatrix von Storch (AfD): »Dann nehmen wir es jetzt mit China, USA und Russland auf?« Und wer wie wir glaubt, dass die Menschheit aus barbarischen Kriegen gelernt hat und die UN ein Instrument für den Frieden sein können, ↳ Beatrix von Storch (AfD) der muss doch dafür sorgen, die UN starkzumachen, und sollte sich nicht hierhinstellen wie die Herzogin aus Oldenburg und sagen: Wir geben den Vereinten Nationen kein Geld mehr, weil wir sie im Prinzip für unnötig halten. – Wer mehr Kriege in dieser Welt haben will, der muss die UN schwachmachen. Wir wollen die UN starkmachen, damit es möglich ist, Menschlichkeit und Frieden am Verhandlungstisch zu erzielen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: Union (einzelne Abg.) ↳ Nicole Höchst (AfD) Und das führt mich dann zu dem Wahlergebnis. Jeder, der in der Politik ist, weiß: Wenn man eine Wahl nicht gewonnen hat, dann ist das eine Enttäuschung; ↳ Stephan Brandner (AfD): »Damit kennen Sie sich ja aus!« dafür gibt es aber Gründe. Und vielleicht sollten wir die Gründe ganz offen ansprechen, und das möchte ich an dieser Stelle tun: Es ist vor allem nach der Zeitenwende und der Einflussnahme auch von Russland zum Beispiel auf diese Abstimmung notwendig – –

Jürgen Coße verteidigt die Vereinten Nationen als notwendiges Instrument zur Friedenssicherung und kritisiert deren Schwächung. Er thematisiert das Scheitern bei der UN-Wahl unter Berücksichtigung externer Einflüsse.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend moralischpolemisch Populismus 0,20 Farbige Stellen anklicken für die Deutung
BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Frohnmaier gestatten?
Jürgen Coße SPD kurz Im Protokoll ↗
Ja, natürlich; unser Moskau-Experte. Klar! Heiterkeit: SPD (einzelne Abg.) ↳ Stephan Brandner (AfD): »Das ist ja nett!« ↳ Stefan Keuter (AfD): »Sankt-Petersburg-Experte!« ↳ Roland Theis (Union): »Aber nicht auf Russisch, das verstehe ich nicht!« – Aber nicht, dass Sie mit mir russisch reden; Heiterkeit: SPD (einzelne Abg.) das kann ich nämlich nicht. ↳ Jürgen Hardt (Union): »Radio Leningrad!«
MA Markus Frohnmaier AfD rede Im Protokoll ↗
Ja, vielen Dank erst mal, dass Sie die Frage zulassen. Ich teile nicht ganz Ihren Humor, aber ich hätte eine Frage an Sie. Wenn man jetzt Ihren Ausführungen zugehört hat, dann stellt man sich ja schon die Frage, ob Sie in der Bundesregierung überhaupt mal reflektiert haben, warum es zu diesem Scheitern gekommen ist. Oder sagen Sie: „Das hat jetzt …
Ja, vielen Dank erst mal, dass Sie die Frage zulassen. Ich teile nicht ganz Ihren Humor, ↳ Peter Beyer (Union): »Gott sei Dank!« aber ich hätte eine Frage an Sie. Wenn man jetzt Ihren Ausführungen zugehört hat, dann stellt man sich ja schon die Frage, ob Sie in der Bundesregierung überhaupt mal reflektiert haben, warum es zu diesem Scheitern gekommen ist. ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Das wollte er doch gerade sagen!« ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Das wollte er doch sagen!« Oder sagen Sie: „Das hat jetzt damit zu tun, dass“ – weiß ich nicht; – „Herr Trump, Herr Putin, die AfD, wer auch immer dafür gesorgt hat, dass es keine Mehrheiten für Sie bei den Vereinten Nationen gab?“ Und die Frage, die wir uns natürlich stellen, ist: Will man dann jetzt zusätzlich noch mehr Milliarden Euro bezahlen – freiwillig, in der Hoffnung, über Scheckheftdiplomatie dann beim nächsten Mal und auf jeden Fall ganz bestimmt einen Sitz zu bekommen? ↳ Sara Nanni (Grüne) Oder welche Lehren ziehen Sie daraus, und wie wollen Sie dann beim nächsten Mal die Dinge besser machen? Hat es vielleicht auch damit zu tun, dass man sich international immer stärker isoliert hat und nicht ganz so tolle Arbeit macht? Also, ist man auch selbstkritisch in der Bundesregierung, oder sind es immer die anderen?

Der Redner wirft der Bundesregierung nach der verfehlten Wahl in den UN-Sicherheitsrat mangelnde Selbstkritik vor und fragt, ob sie beabsichtigt, über Scheckheftdiplomatie künftig Stimmen zu kaufen.

✦ KI-generiert Ironisch, spöttisch konfrontativpolemisch Populismus 0,60 Farbige Stellen anklicken für die Deutung
Jürgen Coße SPD rede Im Protokoll ↗
Das ist eine interessante Frage, weil sie sehr viel über Sie selber aussagt. Ich glaube und die Mehrheit in diesem Haus glaubt wahrscheinlich auch, dass die UN kein Gremium sein sollten, wo militärische oder wirtschaftliche Stärke – oder, in Klammern, das Scheckbuch – eine große Rolle spielen, sondern Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Und wenn Sie andeuten, dass das Scheckbuch irgendwie eine …
Das ist eine interessante Frage, weil sie sehr viel über Sie selber aussagt. ↳ Sara Nanni (Grüne): »Ja, genau! Darüber, wie Sie Politik machen!« Ich glaube und die Mehrheit in diesem Haus glaubt wahrscheinlich auch, dass die UN kein Gremium sein sollten, wo militärische oder wirtschaftliche Stärke – oder, in Klammern, das Scheckbuch – eine große Rolle spielen, sondern Glaubwürdigkeit und Vertrauen. Lachen: AfD (einzelne Abg.) Und wenn Sie andeuten, dass das Scheckbuch irgendwie eine Rolle spielen sollte, stellt sich ja für mich die Frage, ob das nicht mehr über Sie aussagt,↳ Sara Nanni (Grüne): »Allerdings!« nämlich dass Sie so Politik machen wollen.Beifall: SPD Beifall: Union Beifall: Grüne Wir wollen das definitiv nicht, weil das zum Schaden unseres Landes ist. Und vielleicht ist es auch klug, der eigenen Nervosität beim Zuhören vielleicht nicht sofort nachzugeben und sich dann, wenn ein Redner eine Frage aufwirft und ankündigt: „Ich werde jetzt etwas zu den Gründen sagen“, nicht schon reflexartig zu melden. Das ist vielleicht zumindest nicht klug; ↳ AfD: »Frage nicht beantwortet!« aber es kann ja sein, dass Sie an der Stelle auch überfordert sind. Beifall: SPD Beifall: Grüne (einzelne Abg.) ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Schönes Eigentor!« Ich will zu den Gründen kommen, warum ich glaube, dass es in dieser Zeit nach der Zeitenwende möglich ist und notwendig sein muss, auch über einen Grund nachzudenken, der eine Rolle spielt: Es ist nicht klug, sich als Europa trennen zu lassen. ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Genau!« Und die Hausaufgabe muss sein, dass wir auch an der Stelle ein stärkeres Europa haben, wo man dafür sorgt, dass es für zwei nichtständige Sitze im Sicherheitsrat tatsächlich auch nur zwei Kandidaturen gibt. Das macht die Spielchen von China, von Trump und Russland auch unmöglich, und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, sollte eine Lehre aus dieser Abstimmung sein, Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Union (einzelne Abg.) ↳ AfD und ich glaube, diese Einschätzung teilen viele mit mir. Und die letzte Bemerkung will ich mal in Richtung Grüne machen, weil es nichts hilft, wenn da jeder das Argument auspackt, das ihm am tollsten gefällt, und dann sagt: Ja, mein Argument ist aber zu 100 Prozent richtig. – Agnieszka, ich habe das mit dem Brückenbauen verstanden und auch deinen Hinweis, dass die Grünen – so habe ich es verstanden – auch bereit sind, mitzuhelfen, wenn es um unser Land, um Deutschland im Ausland geht und sich dies in Wahrheit nicht für parteipolitische Spielchen eignet. Wir sind im Ausland doch nicht Abgeordnete einer Partei, sondern wir sind Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Und ich glaube zutiefst, es ist wichtig, als Abgeordneter unser Land zu vertreten, statt einseitig nach Moskau zu fahren oder immer nur seine Argumente ideologisch vorzutragen. Das schadet unserem Land, liebe Kolleginnen und Kollegen. Und ich habe es so verstanden, dass ihr zur Zusammenarbeit bereit seid. Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: Union (einzelne Abg.) Die Abschlussbemerkung ist: Wir sollten uns nicht trennen lassen in Europa. Wir sollten nie zulassen, dass andere über unsere Politik bestimmen. Und deswegen: Zu den Reden, die man hier immer hört und die mir gerade einfallen, wenn ich gut zuhöre, möchte ich einfach nur Johannes Rau zitieren, der mal gesagt hat: Ein Patriot ist derjenige, der sein Land liebt, und ein Nationalist ist derjenige, der andere Vaterländer verachtet. Und ich glaube, wir in der Mehrheit in diesem Haus zählen uns zur ersten Gruppe. Unser ehemaliger Bundespräsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, hatte recht, und wir sollten uns immer daran erinnern. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. Beifall: SPD Beifall: Union Beifall: Grüne

Jürgen Coße verteidigt die Bedeutung von Glaubwürdigkeit gegenüber finanzieller Macht in der UN-Politik und kritisiert die AfD für deren Rhetorik. Er betont die Notwendigkeit eines geeinten Europa, um externe Einflussnahme zu verhindern, und appelliert an eine gemeinsame, überparteiliche Außenpolitik.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend moralischpolemischpragmatisch Populismus 0,20 Farbige Stellen anklicken für die Deutung
BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Wir hören für Bündnis 90/Die Grünen Deborah Düring. Beifall: Grüne
DE Deborah Düring Grüne rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind uns ja einig darin: Das war eine herbe Niederlage für Deutschland, und so etwas darf nicht noch mal passieren. Aber bevor das jetzt hier zu harmonisch wird, vielleicht dann doch noch mal ein paar Takte zu der Fehleranalyse: Wir haben ja jetzt einige Gründe gehört. Der Staatsminister hat noch mal …
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind uns ja einig darin: Das war eine herbe Niederlage für Deutschland, und so etwas darf nicht noch mal passieren. Aber bevor das jetzt hier zu harmonisch wird, vielleicht dann doch noch mal ein paar Takte zu der Fehleranalyse: Wir haben ja jetzt einige Gründe gehört. Der Staatsminister hat noch mal ausgeführt, was Ihre Interpretation ist, und mir fehlt da manchmal ein Funken Selbstkritik in der ganzen Analyse. ↳ AfD: »Da bin ich gespannt!« Also, wir hören so wenig zur Arroganz des Kanzlers, zu der Abwesenheit bei wichtigen internationalen Konferenzen. Dazu, dass der Kanzler ab und zu mal ein Gastgeberland beleidigt, habe ich auch noch nicht so viel aus der Koalitionsfraktion gehört, und wir hören auch wenig zu dem Vorwurf der Doppelstandards im Völkerrecht oder zu der Kritik an der deutschen Nahostpolitik. Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, egal ob wir am Schluss die Einschätzung teilen oder nicht: Für eine ernsthafte Fehleranalyse müssen wir uns doch damit befassen, was uns vorgeworfen wird, was wir auf den ganzen Reisen, die wir machen, immer wieder hören. Seit Jahren hören wir, dass Deutschland seine Glaubwürdigkeit verspielt hat, indem es im Völkerrecht mit zweierlei Maß misst. Viele Völkerrechtsbrüche verurteilen wir zu Recht sehr klar und deutlich, beispielsweise den Angriffskrieg auf die Ukraine durch Russland. Bei Völkerrechtsbrüchen von einigen Partnern schweigen wir aber, winden uns, eiern rum, beispielsweise bei den USA oder Israel. Ich erinnere mich an Venezuela, wozu die Bundesregierung bis heute nicht zu einer abschließenden Bewertung gekommen ist und es weiterhin „sehr komplex“ findet. Völkerrechtsexperten finden es relativ eindeutig völkerrechtswidrig. Und auch bei der aktuellen Nahostpolitik kann man den Vorwurf ja nicht einfach so wegwischen. Die erste deutsche Enthaltung bei der Verlängerung des UNRWA-Mandates wurde von den Ländern des sogenannten Globalen Südens gesehen. Zu Recht machen wir sehr klar und deutlich, dass der Iran, die Hamas und die Hisbollah das Völkerrecht mit Füßen treten. Und trotzdem ist unsere Kritik gegenüber dem Vorgehen Israels und den USA in Gaza, im Iran oder im Libanon dann manchmal doch sehr, sehr leise. Bei den Angriffen auf Iran im Juni 2025 wurde Israel sogar vom Kanzler gelobt, es würde für uns die „Drecksarbeit“ machen. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, trägt nicht zu unserer Glaubwürdigkeit bei, und genau solche Dinge müssen wir dann diskutieren. Beifall: Grüne (einzelne Abg.) ↳ Johannes Volkmann (Union): »Mehr Österreich wagen!« Liebe Kolleginnen und Kollegen der SPD, ich finde es ja toll, dass ihr euch in der Öffentlichkeit so klar zu eurer deutlichen Haltung zum Völkerrecht bekennt. Vielleicht denkt ihr ein bisschen darüber nach, dass ihr auch Teil der Bundesregierung seid und diesen schönen Worten auch noch richtig gute Handlungen folgen lassen könnt. ↳ Derya Türk-Nachbaur (SPD): »Ihr auch in der letzten Legislatur! Mit einer grünen Außenministerin!« Das würde mich sehr glücklich machen. Dass jetzt nicht nur von der AfD, sondern auch von Teilen der Union manchmal die Forderung kommt, die Beiträge zu kürzen – ich bin sehr dankbar, dass dem hier auch von der Union sehr klar widersprochen worden ist –, zeugt nicht nur von der Arroganz, die Deutschland vorgeworfen wird, sondern es zeugt ehrlicherweise auch von maximaler Unkenntnis über das UN-System.Beleidigt zu drohen, liebe AfD, dass man gar nichts mehr machen will, wenn man eine Abstimmung verliert, ist nicht nur maximal infantil, sondern, ehrlich gesagt, genau die falsche Haltung, um Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen. Deswegen lautet die Frage: Was machen wir denn jetzt? Jetzt müssen wir nach vorne gehen. Ich würde sagen, der Anfang ist eine ernsthafte Aufarbeitung: Kritik ernst nehmen, weniger Überheblichkeit, mehr Bescheidenheit und echte Verantwortungsübernahme. Denn am Schluss, liebe Kolleginnen und Kollegen, geht es doch um viel mehr als nur um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Wir stehen aktuell an einem Scheideweg. Das UN-System und die regelbasierte Ordnung der letzten 80 Jahre werden massiv angegriffen. Autokraten agieren schon jetzt nach dem Recht des Stärkeren. Es ist doch unsere Aufgabe, es ist die Aufgabe Deutschlands, diese Ordnung zu verteidigen und immer klar und deutlich zu den Vereinten Nationen, zu den internationalen Regeln zu stehen. Beifall: Grüne Dafür müssen wir Völkerrechtsbrüche klar benennen, egal von wem sie begangen werden, und zeigen, dass man ein verlässlicher Partner ist. Dafür braucht es klare Unterstützung und die Stärkung des UN-Systems und der internationalen Gerichte. Auch hier darf es keine Doppelstandards geben. Dafür braucht es auch mehr Geld für humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und internationalen Klimaschutz, gerade jetzt, wo die USA aus vielen Organisationen austreten und wir China und Russland nicht einfach das Feld überlassen können. Glaubwürdigkeit und Solidarität sind unsere Chance dafür, dass Deutschland und die EU eine gestaltende Rolle in der Welt einnehmen können und dass unsere demokratischen und freiheitlichen Werte als die bessere Alternative zu den Autokratien dieser Welt angesehen werden. Ich meine, wir sehen jeden Tag hier im Plenum, wo das sonst enden könnte. Vielen Dank. Beifall: Grüne Lachen: AfD (einzelne Abg.)

Die Rednerin analysiert die gescheiterte Wahl in den UN-Sicherheitsrat als Folge verlorener Glaubwürdigkeit durch Doppelstandards im Völkerrecht und kritisiert scharf die Haltung der Bundesregierung sowie der Oppositionsparteien.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Wir hören für die CDU/CSU Roland Theis. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)
RO Roland Theis Union rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ja, eine Enttäuschung; ja, eine herbe Niederlage. Deshalb ist es richtig, dass wir als Parlament uns heute nicht zuletzt mit Blick auf künftige Bewerbungen die Frage stellen: Was hat eigentlich zu diesem Ergebnis geführt? Die Bundesregierung, der Minister, Herr Wadephul, haben das, wie ich finde, in bemerkenswerter Offenheit bereits getan. Ich …
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ja, eine Enttäuschung; ja, eine herbe Niederlage. Deshalb ist es richtig, dass wir als Parlament uns heute nicht zuletzt mit Blick auf künftige Bewerbungen die Frage stellen: Was hat eigentlich zu diesem Ergebnis geführt? Die Bundesregierung, der Minister, Herr Wadephul, haben das, wie ich finde, in bemerkenswerter Offenheit bereits getan. Ich finde, es ist positiv, weil es der Einstieg in die richtige Aufarbeitung ist. Deshalb einen herzlichen Dank an Herrn Wadephul für diese Offenheit! Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Wer das objektiv tut – und das haben ja einige der Vorredner getan –, wird handfeste Gründe finden, wird Schlussfolgerungen finden, die man heute ziehen kann. Es ist der späte Einstieg, der im Nachhinein betrachtet ein Fehler war. Aber es ist auch an unsere klaren und für Deutschland relevanten Positionierungen zu wichtigen geopolitischen Fragen zu denken, ↳ Mirze Edis (Linke) die eben nicht von allen geteilt werden. Denn wer unsere deutschen Positionen ablehnt, der hat schlicht und ergreifend kein Interesse daran, dieser ohnehin starken Stimme noch mehr Gewicht durch einen Sitz im Sicherheitsrat zu verleihen. Deshalb gibt es auch Schlussfolgerungen, die wir ziehen können. Die erste und wichtigste ist – Jürgen Hardt hat darauf in den Medien bereits hingewiesen, der Kollege Koob hat es vorhin auch gesagt –: Wir Europäer sollten künftig ein Interesse daran haben, Kandidaturen vorher besser miteinander abzustimmen. Beifall: Union (einzelne Abg.) ↳ Jürgen Coße (SPD): »Das haben wir auch gesagt!« Die stärkste europäische Stimme im Sicherheitsrat für uns ist die, die gemeinsam vorgetragen wird. Deshalb muss die Regel für die Zukunft sein, dass wir Diskussionen nicht auf der offenen Weltbühne austragen, sondern dass wir gemeinsam formulieren, von wem wir in diesem Rahmen vertreten werden wollen, meine sehr verehrten Damen und Herren. Beifall: Union Beifall: Hendrik Bollmann (SPD) Keine Schlussfolgerung, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, kann es aber sein, politische Positionen, die zur DNA der deutschen Außenpolitik gehören, aufzugeben, um mehr Stimmen in dieser Versammlung zu bekommen, aufzugeben, um anderen zu gefallen, gefällig zu sein wie Sie, Herr Frohnmaier.Das Bekenntnis zur Existenz Israels ist nicht verhandelbar. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Unsere Unterstützung für eine starke Ukraine, die Europa gegen die russische Aggression verteidigt, ist nicht verhandelbar. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Meine sehr verehrten Damen und Herren, das mag nicht jedem gefallen; aber das ist unsere Politik, die sich an unseren Werten und unseren Interessen orientiert. Das zählt für uns und nicht, gefällig zu sein gegenüber Autokraten und Diktatoren, wie Sie es sind, Herr Frohnmaier, wenn Sie wieder nach Moskau fahren und wenn Sie dort dafür sorgen, dass das deutsche Ansehen weltweit leidet. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Stefan Keuter (AfD): »Das sieht der Wähler komischerweise anders!« – Genau, das sieht Herr Putin ganz anders, Herr Keuter. Sie gefallen dem ja offensichtlich auch. Der frühere Staatsminister Michael Roth – den möchte ich an dieser Stelle anführen – hat gesagt und geschrieben: „Wir stehen zur Ukraine.“

Der Redner analysiert die verfehlte Bewerbung Deutschlands für den UN-Sicherheitsrat, fordert eine bessere europäische Abstimmung für die Zukunft und betont, dass deutsche außenpolitische Kernpositionen wie die Unterstützung für Israel und Ukraine nicht verhandelbar seien.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion zulassen?
RO Roland Theis Union kurz Im Protokoll ↗
Aber am liebsten. (Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oh nein! – Stephan Brandner [AfD]: Danke schön! – Stefan Keuter [AfD]: Können Sie kriegen!
DR Dr. Malte Kaufmann AfD kurz Im Protokoll ↗
Herr Theis, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Weil Sie gesagt haben, der Kollege Frohnmaier wäre in Moskau gewesen, erst mal: Er war in Sankt Petersburg. ↳ SPD: »Oha!« ↳ Deborah Düring (Grüne): »Eijeijeij!« ↳ Stephan Brandner (AfD): »Das ist schon was anderes! Ein bisschen Erdkundekenntnis?«
DR Dr. Malte Kaufmann AfD rede Im Protokoll ↗
Aber er war ja nicht alleine da. Es waren auch namhafte deutsche Unternehmer dort und auch viele Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt, die genetzwerkt haben. Jetzt kommt die Frage: Was sagen Sie dazu?↳ Derya Türk-Nachbaur (SPD): »Die haben wirtschaftliche Interessen! Welche haben Sie denn?« ↳ Beatrix von Storch (AfD): »Ja, wir haben keine wirtschaftlichen Interessen, nicht? Nee, nee!« Kritisieren Sie das auch, dass man da internationale Politik macht?

Der Redner thematisiert die Anwesenheit von Unternehmern und Regierungschefs bei einer Veranstaltung und fragt den Kontrahenten, ob er diese Form der internationalen Politik kritisiert.

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RO Roland Theis Union rede Im Protokoll ↗
Schauen Sie, man muss sich als Vertreter des deutschen Volkes immer fragen – Sie legen ja immer großen Wert auf diese Inschrift am Reichstag, ich im Übrigen auch –, wessen Interessen man vertritt, wem man gefallen will. Ich kann Ihnen sagen, dass das, was Sie außen- und sicherheitspolitisch vertreten, die Agenda derjenigen ist, die uns täglich in einem hybriden Krieg …
Schauen Sie, man muss sich als Vertreter des deutschen Volkes immer fragen – Sie legen ja immer großen Wert auf diese Inschrift am Reichstag, ich im Übrigen auch –, wessen Interessen man vertritt, wem man gefallen will. ↳ Stefan Keuter (AfD): »Dem deutschen Volke!« Ich kann Ihnen sagen, dass das, was Sie außen- und sicherheitspolitisch vertreten, die Agenda derjenigen ist, die uns täglich in einem hybriden Krieg angreifen. Beifall: Union Beifall: Grüne Beifall: SPD (einzelne Abg.) Sabotage, Cyberattacken, Desinformationskampagnen: Das ist die Politik Russlands. Gegenüber diesem Land wollen Sie gefällig sein. Das ist Verrat am eigenen Volk, und das machen wir nicht mit, meine sehr verehrten Damen und Herren. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.)

Theis wirft der Opposition vor, mit ihrer Außenpolitik die Interessen eines angreifenden Russlands zu bedienen und damit das deutsche Volk zu verraten.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage aus der Linkenfraktion zulassen?
RO Roland Theis Union kurz Im Protokoll ↗
Aber klar doch. Heiterkeit ↳ Stephan Brandner (AfD): »Ganz schön flexibel!«
MI Mirze Edis Linke rede Im Protokoll ↗
Vielen lieben Dank, Herr Theis, dass Sie mir erlauben, die Frage zu stellen. – Empfinden Sie das bitte nicht als zynisch: Aber gehört die Haltung zur Vertreibung der Palästinenser durch Israel, aber auch zu den über 70 000 ermordeten Menschen zu der nicht verhandelbaren Politik, die Sie eben genannt haben?

Mirze Edis hinterfragt die Haltung zur Vertreibung der Palästinenser und zur hohen Opferzahl im Gaza-Krieg und prüft, ob diese zu der zuvor genannten nicht verhandelbaren Politik gehört.

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RO Roland Theis Union rede Im Protokoll ↗
Für uns ist nicht verhandelbar, sehr geehrter Kollege – und ich glaube, das haben Redner der Union, aber auch die anderer Fraktionen hier im Deutschen Bundestag und nicht zuletzt die Vertreter der Bundesregierung sehr deutlich gemacht –, dass wir zum Existenzrecht des Staates Israel stehen. Das heißt nicht, dass wir mit jeder einzelnen Handlung einer israelischen Regierung einverstanden sein müssen; …
Für uns ist nicht verhandelbar, sehr geehrter Kollege – und ich glaube, das haben Redner der Union, aber auch die anderer Fraktionen hier im Deutschen Bundestag und nicht zuletzt die Vertreter der Bundesregierung sehr deutlich gemacht –, dass wir zum Existenzrecht des Staates Israel stehen. Das heißt nicht, dass wir mit jeder einzelnen Handlung einer israelischen Regierung einverstanden sein müssen; auch das hat nicht zuletzt der Bundeskanzler deutlich gemacht. Das heißt nicht, dass wir das Völkerrecht infrage stellen; im Gegenteil. Aber wir stellen uns unserer besonderen Verantwortung für den Staat Israel. Das ist für uns nicht verhandelbar. Beifall: Union Beifall: SPD Ich bin Ihnen dankbar für die Frage. Um das noch einmal klarzustellen: Es ist kein Widerspruch, wenn wir sagen, dass wir Empathie empfinden, dass wir helfen wollen, was wir im Übrigen ja auch tun, ↳ Jürgen Hardt (Union): »Größter Unterstützter der Palästinenser ist Deutschland!« nicht zuletzt mit unseren Beiträgen zu den Vereinten Nationen in Richtung Palästina, und wenn wir dafür sorgen, dass den Menschen geholfen wird. Das ist kein Widerspruch. Aber das Existenzrecht des Staates Israel ist etwas, das wir nicht infrage stellen lassen. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Ich will – Herr Präsident, wenn ich das darf – den ehemaligen Staatsminister Michael Roth weiter anführen, ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Stimmt!« womit ich eben begonnen habe: „Wir stehen zur Ukraine. Wir fahren einen kritischeren Kurs gegenüber China. [...]. Wir machen uns keine Illusionen über den Hass auf Israel, der sich in vielen Staaten ausbreitet. Das kostet Stimmen. Das ist der Preis einer klaren Haltung. Und er ist es wert.“ Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich finde, Michael Roth hat recht, wenn er das sagt. Beifall: Union Liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, ich kann Ihnen das Folgende nicht ersparen. Wir sprechen alle mit Kolleginnen und Kollegen aus Afrika. Wenn Frau Düring nicht vorhin gesagt hätte, dass es hier zu wenig konfrontativ zugeht, hätte ich das jetzt gelassen. Lachen: Grüne (einzelne Abg.) ↳ Deborah Düring (Grüne): »Das glaube ich Ihnen nicht!« Ich will Ihnen den Wortlaut der afrikanischen Kollegen ersparen. Aber es hat mit Sicherheit nicht geholfen, den Menschen in Botswana zu erklären, wie sie ihre eigene Fauna zu managen haben. ↳ Peter Beyer (Union): »So ist es!« Uns hat noch keiner 20 000 Elefanten nach Berlin schicken wollen, meine sehr verehrten Damen und Herren. Beifall: Union (einzelne Abg.) Ihre Äußerungen haben mit Sicherheit nicht geholfen, und das war nicht das Werk dieses Außenministers und dieser Bundesregierung. Es wäre allerdings eine falsche Schlussfolgerung, nach dieser Abstimmung unser Engagement in den Vereinten Nationen infrage zu stellen. Ich verstehe jeden, der die Frage nach den Beiträgen stellt und fragt: Was haben wir eigentlich davon? Ist das in unserem Interesse? Ich sage: Ja. Zum einen ist es in unserem generellen Interesse, weil es die einzige Organisation ist, in der die Welt regelbasiert miteinander spricht. Zum anderen ist es in unserem Interesse, weil wir das Handeln der Vereinten Nationen mit unseren Beiträgen erst ermöglichen: im Kampf gegen extreme Armut, im Kampf gegen den Hunger in der Welt, in der Bewältigung von Konflikten und in der Arbeit für den Frieden.

Der Redner bekräftigt die unwiderrufliche Unterstützung des Existenzrechts Israels durch Deutschland trotz kritischer Stimmen im Ausland und verteidigt das deutsche Engagement in den Vereinten Nationen als notwendige Investition in eine regelbasierte Weltordnung.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Abgeordneter.
RO Roland Theis Union kurz Im Protokoll ↗
Sie haben vorhin aber die Uhr weiterlaufen lassen.
BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Ich habe die Uhr angehalten. Aber hier meldet sich jetzt der Elefant. Heiterkeit: Grüne (einzelne Abg.)
RO Roland Theis Union rede Im Protokoll ↗
Na gut. Ich komme zum Schluss. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die richtige Schlussfolgerung ist, dass wir weiter an einer Organisation der Vereinten Nationen arbeiten, in der die Welt gemeinsam für den Frieden eintritt. Sie ist nicht perfekt, aber sie ist das Beste, was die Menschheit für dieses Ziel gemeinsam geschaffen hat. Lassen Sie uns weiter dafür arbeiten! Herzlichen …
Na gut. Ich komme zum Schluss. Heiterkeit: Union (einzelne Abg.) Heiterkeit: SPD (einzelne Abg.) Heiterkeit: Grüne (einzelne Abg.) ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Da haben Sie Ihren Elefanten!« Meine sehr verehrten Damen und Herren, die richtige Schlussfolgerung ist, dass wir weiter an einer Organisation der Vereinten Nationen arbeiten, in der die Welt gemeinsam für den Frieden eintritt. Sie ist nicht perfekt, aber sie ist das Beste, was die Menschheit für dieses Ziel gemeinsam geschaffen hat. Lassen Sie uns weiter dafür arbeiten! Herzlichen Dank. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)

Der Redner betont die Wichtigkeit der Vereinten Nationen als bestes Mittel der Menschheit zur Friedenssicherung und ruft dazu auf, an der Organisation weiterzuarbeiten, statt nach dem Scheitern aufzugeben.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Für die AfD-Fraktion hören wir Stefan Keuter. Beifall: AfD
ST Stefan Keuter AfD rede Im Protokoll ↗
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Deutschland ist mit seiner Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat krachend gescheitert. Für ein Land unserer Größe, unsere enormen Beiträge und unseren eigenen Anspruch ist das eine diplomatische Blamage erster Ordnung. Ein Ausscheiden in der ersten Wahlrunde, sogar noch ohne Stichwahl, ist eine Katastrophe. Um es einfach mal sportlich in der Begrifflichkeit des …
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Deutschland ist mit seiner Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat krachend gescheitert. Für ein Land unserer Größe, unsere enormen Beiträge und unseren eigenen Anspruch ist das eine diplomatische Blamage erster Ordnung. Ein Ausscheiden in der ersten Wahlrunde, sogar noch ohne Stichwahl, ist eine Katastrophe. Um es einfach mal sportlich in der Begrifflichkeit des Fußballs zu sagen: Das ist so, als wären wir gegen San Marino und die Britischen Jungferninseln in der Vorrunde ausgeschieden. Beifall: AfD ↳ Stephan Brandner (AfD): »Oder Curaçao!« ↳ Sara Nanni (Grüne) Ich sage das als Mitglied des Unterausschusses Vereinte Nationen des Auswärtigen Ausschusses, als Abgeordneter, der gerade erst von einer Delegationsreise zu den Vereinten Nationen in New York zurückgekehrt ist, dort viele Gespräche geführt hat und auch Kritik gehört hat, die unsere Bundesregierung nicht wahrhaben wollte: Dieses Scheitern ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelangen außenpolitischen Versagens. In New York wurde uns immer wieder gesagt, Deutschland sei zu spät, zu unkoordiniert und zu siegessicher in diese Wahl gegangen. Die deutschen Regierungen haben geglaubt, dass man mit moralischen Appellen und wohlklingenden Schlagworten sowie deutschem Steuergeld diese Wahl schon richten würde. Wer wie unser Außenkanzler Friedrich Merz Diplomatie mit Selbstinszenierung verwechselt, verliert am Ende Unterstützung. Das ist kein Versehen, das ist eine strukturelle außenpolitische Selbstüberschätzung. Beifall: AfD Zwei große Zahlungspflichtige zahlen nicht oder zahlen zu spät: die USA und China; nennen wir sie beim Namen. Obwohl Deutschland nach den USA, China und Japan der viertgrößte Pflichtzahler ist und fast 5,7 Prozent des Haushaltes aufbringen muss, was 213 Millionen US-Dollar entspricht, verwehrt man uns diesen Posten – das sollte uns zu denken geben –, ↳ Sara Nanni (Grüne): »Ja, was denn jetzt? Scheckbuchdiplomatie oder nicht?« ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Wer will denn die EZ auf null streichen?« ↳ Jürgen Coße (SPD) und das, wenn man bedenkt, dass Deutschland tatsächlich an den UN-Apparat fast 5 Milliarden US-Dollar deutsches Steuergeld zahlt. Das ist das 23-Fache unseres Pflichtbeitrags, liebe Kolleginnen und Kollegen. ↳ Jürgen Coße (SPD): »Ich dachte, Sie wollten da sparen!« ↳ Katharina Beck (Grüne): »Keiner klatscht!« Das ist doppelt so viel, wie der Wirtschaftstitan China zahlen müsste. Um es zu veranschaulichen: Damit könnte man 2 000 deutsche Autobahnkilometer↳ Sara Nanni (Grüne): »Uh, deutsche Autobahn!« neu asphaltieren oder Hunderte deutsche Schulen sanieren, und zwar jährlich.Beifall: AfD ↳ Sara Nanni (Grüne) Besonders deutlich war die Kritik an der hypermoralisierenden Außenpolitik dieser Bundesregierung. Staaten wollen Partner, keine Oberlehrer. ↳ Sara Nanni (Grüne): »Was haben Sie eigentlich gegen Lehrer?« Eine Außenpolitik, die Annalena Baerbock von den Grünen einleitete: Überall mit erhobenem Zeigefinger und dem Kampfbegriff der feministischen Außenpolitik aufzutreten, damit verliert man international Respekt. ↳ Sara Nanni (Grüne) ↳ Diana Zimmer (AfD): »Sendepause da drüben, Mensch!« Und genau das ist geschehen. Und damit hat sie in New York weitergemacht, unser Elefant im Porzellanladen. ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Genau! Deshalb wurde Annalena Baerbock mit 167 Stimmen zur Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen gewählt! Warum denn?« Auch gab es Kritik, dass sie sich den Posten der Präsidentin der VN-Generalversammlung einfach geschnappt hätte. Sie hat es „verbaerbockt“. Beifall: AfD Ein Wahlkampf, der Millionen kostet und nichts einbringt, muss aufgeklärt werden. ↳ Sara Nanni (Grüne): »Klären Sie mal Ihre Wahlkampfspenden auf!« Ich erinnere an die zahlreichen Besuchsreisen ausländischer VN-Botschafter nach Deutschland – Luxusreisen in großem Stil, bezahlt vom deutschen Steuerzahler. ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »Das habt doch ihr gemacht in den USA! Mit AfD-Fraktionsmitteln!« Ich weiß noch, dass der Botschafter Deutschlands, Herr Zahneisen, diese Gäste im Abgeordnetenrestaurant fürstlich bewirtet hat. Hinter vorgehaltener Hand hat man uns in New York berichtet, dass das schon als Korruption empfunden wurde. ↳ Deborah Düring (Grüne): »Mit Korruption kennen Sie sich doch eigentlich eher aus, oder?« Herr Coße, Sie haben gerade eben gesagt, Sie wollten sich moralisch hier inszenieren und das sauber und ohne Scheckbuch machen. Dann frage ich, was Deutschland hier gemacht hat. Beifall: AfD ↳ Jürgen Coße (SPD): »Sprechen Sie erst mal meinen Namen richtig aus!« ↳ Sara Nanni (Grüne) Ein Rumeiern in außenpolitischen Fragen statt klarer Positionierungen und des Eintretens für nationale Interessen! Stichworte sind: Gaza, Israel, Iran, Menschenrechtsfragen und Doppelstandards. Beifall: AfD Es wurde hier der spöttische Begriff „German Vote“ für eine Enthaltung geprägt. Deutschland hat sich zum Gespött anderer Staaten gemacht. ↳ Deborah Düring (Grüne): »Das war auf EU-Ebene!« Das tut uns als Patrioten im Herzen weh. Beifall: AfD ↳ Jürgen Coße (SPD): »Sie sind nur keine Patrioten! Sie schon gar nicht!« ↳ Sara Nanni (Grüne) Und wenn man dann noch Russland und seine Verbündeten regelmäßig nassforsch vor den Kopf stößt, dann kostet auch das Stimmen. Dieses Scheitern hat zudem langfristige Folgen. Deutschland ist nicht nur für Jahre an einem Sitz gescheitert, Deutschland hat sich leider selbst aus dem Rennen genommen, liebe Kollegen. Beifall: AfD ↳ Sara Nanni (Grüne): »Dann hauen Sie doch ab, wenn es so schlimm ist!« Wer so scheitert, verspielt nicht nur Einfluss, sondern auch Zukunftschancen unseres Landes. ↳ Deborah Düring (Grüne) Ich sage Ihnen, was wir als AfD wollen: ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Die Stimmen von Russland, von China, von Nordkorea und Iran! Die Stimmen wollt ihr!« Wir wollen keinen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat, wir wollen einen ständigen Sitz. Wenn man eine Reform dieses gescheiterten UN-Systems dadurch erreichen kann, dass man die VN-Mittel von 5 Milliarden Euro kürzt, dann ist dies ein probates Mittel. Das wird es dann mit einer AfD in Regierungsverantwortung geben, meine Damen und Herren. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Beifall: AfD

Der Redner wertet das Scheitern Deutschlands bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat als außenpolitische Katastrophe und Schande, die auf jahrelanges Versagen, eine hypermoralisierende Politik und die Verschwendung von Steuergeldern zurückzuführen sei. Er fordert eine Neuausrichtung der Außenpolitik hin zur nationalen Interessenvertretung und droht mit Kürzungen von UN-Beiträgen im Falle einer Regierungsübernahme.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend polemischemotionalpopulistisch Populismus 0,90 Farbige Stellen anklicken für die Deutung
BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Für die CDU/CSU-Fraktion hören wir Nicolas Zippelius. Beifall: Union
NI Nicolas Zippelius Union rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Keuter, der Fußballvergleich, den Sie gerade gezogen haben, hat eigentlich nur gezeigt, dass Sie weder von Außenpolitik noch von Fußball irgendeine Ahnung haben. Der war so dermaßen schlecht, dass es einem wirklich vergeht. So viel zu Ihnen an dieser Stelle. Ich muss von …
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Keuter, der Fußballvergleich, den Sie gerade gezogen haben, hat eigentlich nur gezeigt, dass Sie weder von Außenpolitik noch von Fußball irgendeine Ahnung haben. Der war so dermaßen schlecht, dass es einem wirklich vergeht. ↳ Peter Beyer (Union): »Was erwartest du von einem Politikclown?« So viel zu Ihnen an dieser Stelle. Ich muss von meiner Seite aus sagen: Es ist bitter, dass Deutschland die Wahl um einen nichtständigen Sitz verloren hat. Und man muss auch sagen: Diejenigen, die Verantwortung haben und globale Verantwortung übernehmen möchten, müssen sich dann einfach der Kritik stellen. Dieser Kritik stellen wir uns. Das besprechen wir intern, aber wir kommunizieren es auch nach außen; und das ist wichtig. Das ist vor allem auch wichtig, weil es bedeutet, dass wir nicht nur jetzt verantwortungsvoll handeln, sondern auch in Zukunft verantwortungsvoll handeln wollen. Das gilt dann auch für zukünftige Bewerbungen, damit so etwas einfach nicht mehr passiert. Deswegen besprechen wir das jetzt und werden in Zukunft – da bin ich mir sicher – auch wieder erfolgreiche Bewerbungen für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat einreichen, meine Damen und Herren. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Viele Argumente wurden hier bereits genannt – der Herr Staatsminister hatte es gesagt –: der zeitliche Horizont, bereits getroffene Absprachen und vieles weitere. Aber ich muss an dieser Stelle, weil wir über Selbstkritik sprechen, auch sagen: Der Vorwurf, Deutschland sei international isoliert oder es sei die Schuld des Bundeskanzlers, dass das nicht geklappt habe, ist nicht nur billig, sondern auch wirklich arg unterkomplex. ↳ AfD: »Stimmt aber!« Man könnte zum Beispiel sagen: Diese Bundesregierung ist mit einem Rückstand in den Endspurt gestartet. Es ist sicherlich nicht nur diese Bundesregierung verantwortlich für dieses Ergebnis. Deswegen, Frau Brugger und geschätzte Kollegin Düring, hätte ich mir – wir haben ja heute über Selbstkritik gesprochen – mehr Selbstkritik von Ihrer Seite gewünscht, auch bezüglich – es wurde hier schon angesprochen – der ehemaligen Außenministerin. Es geht nicht nur um das Verhalten gegenüber afrikanischen Staaten. Was passiert, wenn man in der Sache hart agieren möchte, zeigt sich zum Beispiel auch in ihrem Auftreten in China im Jahr 2023, das nicht geholfen und auf der Weltbühne nicht dazu geführt hat, dass sich unser Bild verbessert hat. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Aber Herr Merz kopiert es ja!« Deswegen hätte ich mir an dieser Stelle einfach mehr Selbstkritik von grüner Seite gewünscht. Beifall: Union Wir sehen eine Vielschichtigkeit der Problematiken, die zu dem Wahlausgang geführt haben, den wir heute besprechen. Das sollte uns aber nicht dazu veranlassen, die falschen Schlüsse zu ziehen. Deutschlands Einfluss in der Welt bemisst sich nicht an einer einzigen Abstimmung. Er bemisst sich an unserer wirtschaftlichen Stärke, an unserer Rolle in Europa, an unserer Verlässlichkeit in der NATO, an unseren internationalen Partnerschaften und an unserer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört auch unser Einsatz für starke multilaterale Institutionen. Deutschland bleibt ein verlässlicher Partner, der demokratische Strukturen respektiert und bedacht statt impulsiv auf Veränderungen reagiert. Dass wir gerade im Lichte aktueller Entwicklungen mehr Effizienz, Transparenz, Wirksamkeit brauchen – dazu gehört auch Konditionalität –, wenn es zum Beispiel um die Verwendung von Geldern in den Institutionen geht – es wurde angesprochen –, sollte im Sinne deutscher Interessen an Friedenssicherung und internationaler Zusammenarbeit klar unterstrichen werden. Als Sprecher meiner Bundestagsfraktion für den Bereich Entwicklungszusammenarbeit sage ich auch: Wir müssen die Entwicklungszusammenarbeit in Zukunft strategischer einsetzen. Das ist einfach bitter notwendig. Beifall: Johannes Volkmann (Union) Denn eine strategische Entwicklungszusammenarbeit kann uns bei knappen Abstimmungen und generell bei Abstimmungen zum Beispiel in den UN behilflich sein. Wir können da einfach strategischer, interessengeleiteter, ↳ Stefan Keuter (AfD): »Wir müssen!« zielgerichteter agieren, meine Damen und Herren. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Das ist ja AfD-Sprech!« Zum Abschluss. Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich fand die Rede des Herrn Frohnmaier ganz interessant. Sie war genauso wie so viele andere AfD-Reden. Er erzählt immer viel, wenn der Tag lang ist. Ich habe mir dafür frühere Pressemitteilungen angeschaut. Dabei merkt man, dass Herr Frohnmaier so gar keinen Kompass hat. ↳ Jürgen Coße (SPD): »Aber nach Moskau findet er den Weg immer!« An einem Tag schreibt er – ich zitiere –: „Von China lernen heißt siegen lernen.“ Am nächsten Tag beschwert er sich darüber, dass Deutschland sich nicht an der chinesischen Neuen Seidenstraße beteiligt. Im nächsten Moment kommt dann Kritik an der Bundesregierung: „Schließlich ist es erklärtes Ziel der Chinesen, uns in sämtlichen Bereichen bis 2050 zu überholen und Weltmarktführer zu werden.“ Und dann kommt es: „Jetzt muss erst der Amerikaner kommen, um die Chinesen auszubremsen und mal in die Schranken zu weisen.“

Der Redner analysiert das Scheitern Deutschlands bei der Wahl in den UN-Sicherheitsrat und betont die Notwendigkeit von Selbstkritik und strategischer Neuausrichtung der Außenpolitik, insbesondere der Entwicklungszusammenarbeit. Er greift dabei Oppositionsfraktionen scharf an und verteidigt die Rolle der Bundesregierung.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend polemischpragmatisch Farbige Stellen anklicken für die Deutung
BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage des angesprochenen Abgeordneten zulassen? ↳ Jürgen Coße (SPD): »Der ist verwirrt! Der kann ja gar nicht anders!«
NI Nicolas Zippelius Union kurz Im Protokoll ↗
Das kann er gerne machen. Ich gehe auch gerne darauf ein. ↳ Jürgen Coße (SPD): »Ja, aber er ist ja auch verwirrt in der Frage!« ↳ Sara Nanni (Grüne): »Sie hatten fünf Minuten Zeit!«
MA Markus Frohnmaier AfD rede Im Protokoll ↗
Herr Kollege, danke, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Ich empfehle Ihnen, beim nächsten Mal die Pressemitteilungen in Gänze zu lesen. Dann würde Ihnen wahrscheinlich nicht entgehen, in welchem Kontext das gesagt wurde. Wenn wir über China sprechen, dann müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass China – im Gegensatz zu dieser Bundesregierung – in der Lage ist, in Generationen zu …
Herr Kollege, danke, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Ich empfehle Ihnen, beim nächsten Mal die Pressemitteilungen in Gänze zu lesen. ↳ Sara Nanni (Grüne): »Das ist aber sehr von oben herab, Herr Frohnmaier!« ↳ Diana Zimmer (AfD): »Sendepause! Sie reden schon die ganze Debatte!« Dann würde Ihnen wahrscheinlich nicht entgehen, in welchem Kontext das gesagt wurde. ↳ Jürgen Coße (SPD): »Das werden Sie uns sicher erklären!« Wenn wir über China sprechen, dann müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass China – im Gegensatz zu dieser Bundesregierung – in der Lage ist, in Generationen zu denken. Und in diesem Sachzusammenhang wurde geäußert, dass von China lernen auch siegen lernen heißen kann. Denn die Chinesen haben uns gegenüber unbestritten einen Vorteil: Sie denken in Generationen. ↳ SPD: »Sie sind eine Diktatur!« Auf der anderen Seite haben wir immer deutlich gemacht, dass bestimmte Dinge beendet werden müssen, beispielsweise zinsvergünstigte Kredite der KfW für China. ↳ Stefan Keuter (AfD): »Entwicklungshilfe muss beendet werden!« Auch in diesem Zusammenhang ist Kritik an China bzw. der jeweiligen Bundesregierung gefallen. Man kann den Chinesen nicht zum Vorwurf machen, dass sie eine Politik verfolgen, die ihren nationalen Interessen dient. Aber man kann natürlich dieser Bundesregierung und den vorherigen Bundesregierungen zum Vorwurf machen, dass sie permanent eine Politik verfolgt haben, die den Interessen des Auslands – der EU, der Welt – dient, aber nicht den Interessen Deutschlands,↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Sagt die Partei, wo Maximilian Krah Mitglied ist!« lieber Herr Kollege. Beifall: AfD ↳ Dr. Johannes Fechner (SPD): »So, was war jetzt die Frage?«

Frohnmaier verteidigt eine vorausgegangene Äußerung zum politischen Erfolg Chinas und kritisiert im Gegenzug die deutsche Bundesregierung dafür, deutsche Interessen zugunsten ausländischer Interessen zu vernachlässigen.

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NI Nicolas Zippelius Union rede Im Protokoll ↗
Das ist natürlich wieder ein schönes Ablenkungsmanöver. Denn es ging mir gar nicht um Ihre Aussagen zu China, sondern um die Stringenz Ihres Handelns. Sie haben auf der einen Seite gesagt: „Von China lernen heißt siegen lernen“, auf der anderen Seite beschweren Sie sich über die Bundesregierung und sagen – ich zitiere –: „Jetzt musste erst der Amerikaner kommen, um …
Das ist natürlich wieder ein schönes Ablenkungsmanöver. Denn es ging mir gar nicht um Ihre Aussagen zu China, ↳ AfD: »Lesen ist schwierig!« sondern um die Stringenz Ihres Handelns. Sie haben auf der einen Seite gesagt: „Von China lernen heißt siegen lernen“, auf der anderen Seite beschweren Sie sich über die Bundesregierung ↳ Dr. Ingo Hahn (AfD): »Das widerspricht sich doch gar nicht!« und sagen – ich zitiere –: „Jetzt musste erst der Amerikaner kommen, um die Chinesen auszubremsen und mal in die Schranken zu weisen.“ ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Sie verstehen auch gar nichts!« ↳ Stefan Keuter (AfD): »Er will es nicht verstehen!« Auf der einen Seite feiern Sie die Chinesen ab, auf der anderen Seite finden Sie die USA toll. In Russland gehen Sie jeden Tag spazieren. Ich kann Ihnen nur eines sagen: Es ergibt keine Stringenz und keinen Sinn. Herr Frohnmaier, Sie sind außenpolitisch leider ein Vollamateur, und es ist gut für Deutschland, dass Sie keine Verantwortung übernehmen. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Dr. Malte Kaufmann (AfD): »Das wird sich ändern mit der Verantwortung!« Ich bin froh, dass es bei uns spätestens alle vier Jahre Bundestagswahlen gibt. ↳ Stefan Keuter (AfD): »Spätestens! Die Betonung liegt auf „spätestens“!« Das hat auch damit zu tun. Und jetzt wünsche ich uns allen noch einen schönen Nachmittag. Herzlichen Dank. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)

Der Redner wirft dem Abgeordneten Frohnmaier mangelnde Stringenz in seiner Außenpolitik vor und kritisiert dessen Haltung zu China, Russland und den USA als widersprüchlich und amateurschaftlich.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Als letzte Stimme in der Aussprache hören wir Stephan Mayer für die CDU/CSU-Fraktion. Stephan Mayer : Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Kolleginnen! Sehr geehrte Kollegen! Es macht überhaupt keinen Sinn, um den heißen Brei herumzureden: Die gescheiterte Wahl Deutschlands in den UN-Sicherheitsrat ist natürlich ernüchternd. Sie ist enttäuschend. Man kann auch sagen: Sie ist blamabel. Sie hätte nicht passieren …
Als letzte Stimme in der Aussprache hören wir Stephan Mayer für die CDU/CSU-Fraktion. Beifall: Union Beifall: Jürgen Coße (SPD) Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr verehrte Kolleginnen! Sehr geehrte Kollegen! Es macht überhaupt keinen Sinn, um den heißen Brei herumzureden: Die gescheiterte Wahl Deutschlands in den UN-Sicherheitsrat ist natürlich ernüchternd. Sie ist enttäuschend. Man kann auch sagen: Sie ist blamabel. Sie hätte nicht passieren dürfen, und sie hätte auch nicht passieren müssen. Aber sie ist mit Sicherheit keine Katastrophe, und sie ist auch kein Weltuntergang. ↳ AfD: »Ich sehe das anders!« Ich bin der festen Überzeugung: Der größte Fehler wäre jetzt, sich in die Schmollecke zu verziehen, sich beleidigt zurückzuziehen und zu versuchen, außenpolitisch weniger Einfluss zu nehmen. ↳ Beatrix von Storch (AfD): »Man braucht nicht beleidigt sein, aber einfach weniger zahlen!« ↳ Stefan Keuter (AfD): »4 Milliarden weniger, und dann tut sich was! Ziemlich sicher!« Das Gegenteil muss der Fall sein. Deutschland wird trotz dieser gescheiterten Wahl weiterhin eine sehr wichtige, eine sehr stabile Rolle in der Außenpolitik spielen. Und wir werden auch weiterhin ein ernstzunehmender und verlässlicher Partner in der Außenpolitik sein. Beifall: Union ↳ Beatrix von Storch (AfD): »Wir erfahren alles aus der Zeitung!« Der Einfluss Deutschlands ist durch diese Nichtwahl in keiner Weise geschmälert worden. Aber natürlich stimmt auch: Es darf kein einfaches Weiter-so geben. Es muss eine schonungslose, eine umfassende Fehleranalyse vorgenommen werden. Ich bin dem Staatsminister Hahn sehr dankbar, dass er deutlich gemacht hat, dass die amtierende Bundesregierung bei ihrer Amtsübernahme einen deutlichen Rückstand vorgefunden hat. Es sind – ich glaube, man kann auch hier gar nicht umhin, das einzugestehen – in diesem gesamten Bewerbungsprozess vielfältige Fehler gemacht worden: zu späte Kandidatur, Kampfkandidatur, zu wenig koordiniert. Das ist alles richtig. Ich möchte zu ein paar Themen, die jetzt aufgeworfen wurden, noch etwas sagen. Es gibt die Mär, die angeblich relative Haltung Deutschlands zum Völkerrecht sei mit ausschlaggebend gewesen. Wenn man sich das Verhalten Portugals beispielsweise im Fall Venezuela ansieht, stellt man fest, dass die portugiesische Regierung zur US-Administration wesentlich freundlicher war als die Bundesregierung. Also kann nicht unbedingt die Haltung Portugals zum Völkerrecht ausschlaggebend gewesen sein. Und genauso wenig kann entscheidend gewesen sein, wie sich Österreich zum Völkerrecht verhält. Denn in den letzten beiden Jahren hat sich Österreich in den UN wesentlich stärker pro Israel verhalten als Deutschland. Also auch hier sind die Fakten entlarvend. Die Haltung Deutschlands zum Völkerrecht war mit Sicherheit nicht ausschlaggebend. Beifall: Union Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, natürlich müssen jetzt die richtigen Rückschlüsse gezogen werden. Dazu muss aus meiner Sicht auf jeden Fall gehören, dass wir uns wesentlich enger und intensiver mit unseren europäischen Freunden koordinieren. Es darf nicht mehr passieren, dass wir mit zwei befreundeten Nationen in eine Kampfkandidatur gehen. Wir müssen in Zukunft derartige Prozesse wesentlich stringenter und intensiver vorbereiten und sie frühzeitiger starten. Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, ich möchte aber natürlich nicht versäumen, zu dem Urheber der heutigen Aktuellen Stunde noch ein paar Sätze zu sagen. Frau Kollegin von Storch, Sie haben gesagt, Ihnen gehe es in erster Linie um Deutschland. Ich möchte Ihnen ganz klar entgegenhalten: Das Gegenteil ist der Fall. Ihnen geht es nicht um Deutschland. ↳ AfD: »Ist das jetzt Einheitsmeinung?« Als in der vergangenen Woche die Entscheidung bekannt gegeben wurde, dass Deutschland diese Wahl nicht gewonnen hat, haben Sie mit Sicherheit innerlich frohlockt. Sie haben sich mit Sicherheit darüber gefreut. Sie laben sich daran, wenn es Deutschland schlecht geht, wenn Deutschland eine Niederlage einfährt. ↳ Stefan Keuter (AfD): »Das sind alles Unterstellungen! Haltlose Unterstellungen! Frechheit!« ↳ AfD Das war Ihrer Rede, Herr Keuter, und auch der Rede von Frau von Storch klar anzumerken. ↳ Steffen Janich (AfD): »Brauchen Sie das für Ihre Selbstinszenierung?« Ihnen geht es nicht darum, Deutschland voranzubringen, ↳ AfD: »Wir wollen Ihnen dabei helfen!« sondern Ihnen geht es darum, Deutschland schlechtzumachen und Deutschland schlechtzureden. Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) ↳ Beatrix von Storch (AfD): »Nee! Wir kritisieren die Regierung bei ihrem Versagen!« Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, Gleiches gilt für den linken Rand unseres Parlaments. Kollegin Düring, Ihnen muss ich klar sagen: Sie fordern, deutliche Selbstkritik ohne Überheblichkeit – diese schicke sich nicht – zu üben. Sie haben aber keinen Satz darauf verwendet, in welcher Weise die frühere Außenministerin Baerbock zu dieser Niederlage beigetragen hat. Es geziemt sich einfach nicht, anderen Ländern mit Überheblichkeit zu begegnen. ↳ Sara Nanni (Grüne) Die entscheidende Anforderung gerade auf dem afrikanischen Kontinent, aber auch auf dem asiatischen Kontinent ist, dass wir anderen Ländern auf Augenhöhe begegnen ↳ Agnieszka Brugger (Grüne): »Genau! Kennen Sie die Geschichte, wie der Außenminister zu den UNO-Botschaftern gegangen ist? Da haben Sie dann auch wieder ein paar Stimmen verloren! Das wissen Sie auch, ne?« und uns anderen Ländern gegenüber nicht überheblich, naseweis und nassforsch aufführen und immer so tun, als hätten wir die Weisheit mit Löffeln gefressen und wüssten alles besser als alle anderen. Beifall: Union Dies geziemt sich nicht. Auch das ist eine Schlussfolgerung, die aus dieser Niederlage zu ziehen ist. In diesem Sinne hoffe ich, dass jetzt alle, die guten Willens sind, die entsprechenden Konsequenzen aus dieser gescheiterten Kandidatur ziehen und eine neue Kandidatur wesentlich sinnhafter, kompetenter und professioneller ins Werk setzen. Herzlichen Dank. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)
BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Damit darf ich die Aussprache zur Aktuellen Stunde beenden. Ich darf den Tagesordnungspunkt 3 aufrufen: Beratung des Berichts des Petitionsausschusses Bitten und Beschwerden an den Deutschen Bundestag Die Tätigkeit des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages im Jahr 2025 Drucksache 21/6000 Ich freue mich, dass die fleißigen Geister des Petitionsausschusses, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei uns im Saal sind, damit man mal …
Damit darf ich die Aussprache zur Aktuellen Stunde beenden. Ich darf den Tagesordnungspunkt 3 aufrufen: Beratung des Berichts des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) Bitten und Beschwerden an den Deutschen Bundestag Die Tätigkeit des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages im Jahr 2025 Drucksache 21/6000 Ich freue mich, dass die fleißigen Geister des Petitionsausschusses, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bei uns im Saal sind, damit man mal sieht, wer so alles hinter den Kulissen für die Bürgerinnen und Bürger im Einsatz ist. Beifall Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten vereinbart. Die Ausschussvorsitzende, Frau Dr. Hülya Düber, eröffnet die Aussprache. Beifall: Union
DR Dr. Hülya Düber Union rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man den Jahresbericht des Petitionsausschusses aufschlägt, begegnet man zunächst vielen Zahlen: 12 399 Petitionen im Jahr 2025 mit mehr als einer halben Million Unterstützungen. Davon wurden 652 Petitionen veröffentlicht. Somit erreichten den Deutschen Bundestag im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 50 Petitionen pro Tag, 50 Menschen also, die sich Tag für Tag …
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man den Jahresbericht des Petitionsausschusses aufschlägt, begegnet man zunächst vielen Zahlen: 12 399 Petitionen im Jahr 2025 mit mehr als einer halben Million Unterstützungen. Davon wurden 652 Petitionen veröffentlicht. Somit erreichten den Deutschen Bundestag im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 50 Petitionen pro Tag, 50 Menschen also, die sich Tag für Tag mit ihrem Anliegen an unser Parlament wenden. Besonders bemerkenswert ist dabei die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr. Gegenüber 2024 ist die Zahl der Petitionen um rund 34 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung verdient Aufmerksamkeit. Denn hinter diesem deutlichen Anstieg stehen nicht nur mehr Verfahren und mehr Arbeit für den Ausschuss. Er macht auch deutlich, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich weiterhin an den Deutschen Bundestag wenden, wenn sie Kritik äußern, Entscheidungen hinterfragen oder Verbesserungen anregen wollen. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Je länger man über diese Zahl nachdenkt, desto deutlicher wird, was sich dahinter verbirgt. Denn hinter jeder Petition steht ein Mensch, der darauf vertraut, dass sein Anliegen gehört, geprüft und vor allen Dingen ernst genommen wird. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses Jahresberichtes. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Denn in einer Zeit, in der häufig über Politikverdrossenheit, über gesellschaftliche Polarisierung und über schwindendes Vertrauen in staatliche Institutionen gesprochen wird, haben sich im vergangenen Jahr mehr als 12 000 Menschen bewusst dafür entschieden, sich an den Deutschen Bundestag zu wenden. Und das ist keineswegs selbstverständlich. Wer eine Petition schreibt, nimmt die Demokratie beim Wort. Er erwartet, dass sich staatliche Institutionen mit seinem Anliegen auseinandersetzen und dass Argumente auch Gehör finden. ↳ Johannes Schraps (SPD): »Sehr richtig!« Genau darin liegt die besondere Stärke des parlamentarischen Petitionswesens. Denn nur für Petitionen an den Deutschen Bundestag gilt die verfassungsrechtlich verankerte Dreifachgarantie: Jede Petition wird entgegengenommen, geprüft und beschieden, und zwar unabhängig davon, ob sich eine einzelne Person oder viele Tausend Menschen mit einem Anliegen an uns wenden. Dieses Vertrauen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist ein hohes Gut, und es ist zugleich ein Auftrag an uns. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: AfD (einzelne Abg.) Meine Damen und Herren, das Jahr 2025 war für den Petitionsausschuss ein besonderes Jahr. Zum einen war es geprägt vom Wechsel der Wahlperiode, zum anderen konnten wir zwei wichtige Jubiläen begehen: Vor 50 Jahren wurde der Petitionsausschuss als Pflichtausschuss im Grundgesetz verankert, und vor 20 Jahren ging die erste elektronische Petition beim Deutschen Bundestag ein. Beides macht deutlich, dass das Petitionsrecht kein Randbereich unserer parlamentarischen Demokratie ist. Es gehört zu ihren festen Fundamenten. Beifall: Dr. Marlon Bröhr (Union) Artikel 17 des Grundgesetzes garantiert jedem Menschen das Recht, sich mit Bitten und Beschwerden an die Volksvertretung zu wenden. Das ist verfassungsrechtlich garantiert; da kann man wirklich klatschen. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, dahinter steht ein Gedanke, der bis heute nichts an Aktualität verloren hat. Demokratie erschöpft sich nicht darin, alle vier Jahre ein Kreuz auf dem Stimmzettel zu machen. Sie lebt auch davon, dass Menschen ihre Erfahrungen, ihre Kritik und ihre Vorschläge in den politischen Prozess einbringen können. Das Petitionsrecht eröffnet genau diesen Weg. Es schafft eine Verbindung zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und dem Parlament und sorgt dafür, dass ihre Erfahrungen, ihre Kritik und ihre Vorschläge in politische Entscheidungsprozesse einfließen können. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: AfD (einzelne Abg.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer die Petitionen eines Jahres liest, erhält einen sehr unmittelbaren Eindruck davon, was die Menschen in unserem Land bewegt. Man begegnet dort nicht abstrakten politischen Debatten, sondern konkreten Lebenssituationen. Man liest von Menschen, die Unterstützung suchen, von Familien, die mit Behördenentscheidungen ringen, von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die auf Probleme aufmerksam machen, von Menschen mit Behinderungen, die um Teilhabe kämpfen, und von Bürgerinnen und Bürger, die überzeugt sind, dass bestehende Regelungen verbessert werden sollten. Und genau deshalb sind Petitionen für uns Abgeordnete so wertvoll. Sie machen sichtbar, wie politische Entscheidungen in der Praxis wirken. Sie machen deutlich, wo Regelungen funktionieren, und sie geben Hinweise darauf, wo Handlungsbedarf besteht. Und der Jahresbericht 2025 verdeutlicht dies sehr eindrucksvoll. Die Themen reichen von der inneren Sicherheit über Gesundheit, soziale Sicherung bis hin zu Mobilität, Digitalisierung und Inklusion. Diese Vielfalt spiegelt die unterschiedlichen Lebensrealitäten der Menschen in unserem Land wider. Sie macht zugleich deutlich, wie groß die Erwartungen an Politik und an den Staat sind. ↳ Corinna Rüffer (Grüne): »Richtig!« Für uns als Parlament ist das von besonderer Bedeutung; denn politische Entscheidungen, liebe Kolleginnen und Kollegen, werden häufig auf der Grundlage allgemeiner Regelungen getroffen. Ob diese Regelungen aber ihren Zweck erfüllen, zeigt sich erst im Alltag der Menschen. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: AfD (einzelne Abg.) Und genau da setzt die Arbeit des Petitionsausschusses an. Immer wieder zeigt sich dabei, dass Petitionen politische Entwicklungen tatsächlich anstoßen können. Ein Beispiel dafür ist die Petition zum Verkauf von Lachgas an Minderjährige. Die Petentin machte auf gesundheitliche Risiken aufmerksam, die zunächst nur wenig öffentliche Beachtung erfahren hatten. Der Deutsche Bundestag griff dieses Anliegen auf und überwies die Petition zur Berücksichtigung an die Bundesregierung. Und inzwischen wurden Regelungen geschaffen, die Kinder und Jugendliche besser schützen. Dieses Beispiel zeigt sehr anschaulich, welche Bedeutung das Petitionsrecht haben kann. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: AfD (einzelne Abg.) Liebe Kolleginnen und Kollegen, nicht jede Petition führt immer zu einer Gesetzesänderung; aber jede Petition erweitert unseren Blick auf die Auswirkungen politischen Handelns. Deswegen ist ein weiterer Befund unseres Jahresberichtes ebenso wichtig: Rund 69 Prozent aller Eingaben betreffen individuelle Beschwerden und persönliche Anliegen. Hier geht es nicht immer um politische Grundsatzfragen, hier geht es um ganz konkrete Lebenssituationen: um einen Bescheid, um eine Leistung, um eine Entscheidung, die für die Betroffenen von großer Bedeutung ist. Gerade diese Eingaben machen deutlich, warum der Petitionsausschuss weit mehr ist als ein Ausschuss für politische Forderungen. Er ist auch ein Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger erwarten dürfen, dass ihre Anliegen sorgfältig geprüft werden. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: AfD (einzelne Abg.) Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, gehört zum Selbstverständnis unseres parlamentarischen Systems. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Jahresbericht dokumentiert Ergebnisse, Beschlüsse und Verfahren. Weniger sichtbar ist häufig die Arbeit, die hinter jedem einzelnen Vorgang steht. Deshalb ist es mir ein besonderes Anliegen, auch im Namen aller Mitglieder des Petitionsausschusses den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ausschusssekretariates ausdrücklich zu danken. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: AfD (einzelne Abg.) Mit großer Fachkenntnis, außergewöhnlicher Sorgfalt und bemerkenswerter Gründlichkeit bearbeiten sie Jahr für Jahr Tausende Eingaben, prüfen Sachverhalte, werten Stellungsnahmen aus, begleiten die parlamentarischen Beratungen und stehen auch uns jederzeit Rede und Antwort. Sie leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag für die Arbeit des Ausschusses. Vor allem aber sorgen sie dafür, dass das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in das Petitionsrecht tagtäglich eingelöst werden kann. Stellvertretend für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für das gesamte Team, möchte ich Frau Leuenberger und Herrn Trampler herzlich danken. Ihr Engagement verdient unsere ganz besondere Anerkennung. Vielen Dank dafür! Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Ich möchte mich auch bei den Mitgliedern des Petitionsausschusses und allen Mitarbeitern, die dafür stehen, ganz herzlich bedanken, die sich mit großem Engagement den Anliegen der Bürgerinnen und Bürger widmen. Gerade der Petitionsausschuss, liebe Kolleginnen und Kollegen, zeigt immer wieder, dass uns bei aller Unterschiedlichkeit in politischen Fragen ein gemeinsames Ziel verbindet: die Anliegen der Menschen ernst zu nehmen, sorgfältig zu prüfen und immer wieder nach guten Lösungen zu suchen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, mehr als 12 000 Petitionen innerhalb eines Jahres sind nicht nur eine beeindruckende Zahl; sie sind Ausdruck eines Vertrauens, das Bürgerinnen und Bürger unserem Parlament entgegenbringen. Dieses Vertrauen dürfen wir niemals als selbstverständlich ansehen. Es muss immer wieder neu verdient werden – durch Offenheit, durch Sorgfalt und durch die Bereitschaft, die Anliegen der Menschen ernst zu nehmen. Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Er bringt die Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger in die parlamentarische Arbeit ein. Er hilft dabei, politische Entscheidungen an der Wirklichkeit zu messen. Und er erinnert uns daran, dass Demokratie dann besonders stark ist, wenn Menschen die Erfahrung machen, dass ihre Stimme gehört wird. Sorgen wir bitte gemeinsam dafür, dass dieses Vertrauen auch künftig gerechtfertigt bleibt! Vielen herzlichen Dank. Beifall: Union Beifall: AfD Beifall: SPD Beifall: Grüne Beifall: Ina Latendorf (Linke)

Düber präsentiert den Jahresbericht 2025 des Petitionsausschusses, betont den deutlichen Anstieg der Eingaben als Zeichen für Vertrauen in die Demokratie und erläutert die Bedeutung des Petitionsrechts für die Verbindung zwischen Bürgern und Parlament.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Für die AfD-Fraktion hören wir Manfred Schiller. Beifall: AfD
MA Manfred Schiller AfD rede Im Protokoll ↗
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Landsleute! Ich möchte heute mit dem Positiven beginnen: mit einem erfolgreichen Petitionsverfahren, das zu Recht auch im Jahresbericht Erwähnung findet. So klein dieser Fall manchen erscheinen mag – für den betroffenen Petenten aus Thüringen war er von höchster Bedeutung. Der ältere Herr lebt mit seiner Ehefrau im Pflegeheim. Sein rechter Arm wurde amputiert; …
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Landsleute! Ich möchte heute mit dem Positiven beginnen: mit einem erfolgreichen Petitionsverfahren, das zu Recht auch im Jahresbericht Erwähnung findet. So klein dieser Fall manchen erscheinen mag – für den betroffenen Petenten aus Thüringen war er von höchster Bedeutung. Der ältere Herr lebt mit seiner Ehefrau im Pflegeheim. Sein rechter Arm wurde amputiert; mit einem normalen Rollstuhl kann er sich nicht eigenhändig fortbewegen, und seine Frau kann ihn wegen eigener Leiden nicht schieben. Er beantragte also bei seiner Krankenkasse einen elektrischen Rollstuhl. Ein Gutachten des Medizinischen Dienstes lehnte den Antrag ab: Ein Schmerzmittel beeinträchtige seine Fahrtüchtigkeit. Der Petent setzte das Medikament im Folgenden ab und stellte einen neuen Antrag – doch wieder kam die Ablehnung, mit Verweis auf das alte Gutachten. Auch eine erneute Begutachtung wurde verweigert. Daraufhin wandte er sich an den Petitionsausschuss des Thüringer Landtags, der die Petition an den Bundestag weiterleitete. Unser Ausschussdienst schaltete das zuständige Bundesamt für Soziale Sicherung ein, das wiederum eine Neubegutachtung erwirkte. Das Ergebnis: Der Petent ist sehr wohl fahrtauglich. Endlich bewilligte ihm die Krankenkasse den dringend benötigten Elektrorollstuhl. Beifall: AfD Dieses gesamte Verfahren verlief ohne Beteiligung von uns Abgeordneten im Ausschuss. Über die Beschlussempfehlung zur Petition wurde erst abgestimmt, als dem Anliegen bereits entsprochen worden war. Weitere Beispiele, wie der Petitionsausschuss Menschen ganz konkret in ihren Auseinandersetzungen mit Behörden helfen konnte – ohne kostspielige Gerichtsverfahren –, finden sich sowohl im vorliegenden als auch in früheren Jahresberichten. Ich erwähne diesen Fall beispielhaft, um zugleich darauf hinzuweisen, wie wichtig der unermüdliche Einsatz der Mitarbeiter des Ausschussdienstes ist. Ihnen allen gebührt daher unser ausdrücklicher und herzlicher Dank. Beifall: AfD Geschildert habe ich also ein ganz persönliches Anliegen. Solche Einzelfälle sind jedoch nur ein Teil unserer Arbeit. Der andere besteht aus politischen Anliegen, vor allem Forderungen nach Gesetzesänderungen oder einem veränderten Regierungshandeln. Und hier muss ich, wie so oft, feststellen: Petitionen können Volksinitiativen und Volksabstimmungen nicht ersetzen. Viele von Ihnen erinnern sich an die Petition zum Mutterschutz bei Fehlgeburten vor der 24. Schwangerschaftswoche, die im Berichtsjahr erfolgreich abgeschlossen wurde. Alle Fraktionen waren sich einig, dass Handlungsbedarf bestand, und stimmten für das höchstmögliche Votum: zur Berücksichtigung an die Bundesregierung. Und das wurde auch umgesetzt. Doch an dieser Stelle muss ich Wasser in den Wein gießen. Im Petitionsausschuss votieren die regierenden Koalitionspartner stets abgestimmt. Die Folge: Keine politische Petition hat Aussicht auf Erfolg, wenn sie nicht im gemeinsamen Interesse der Koalition liegt. Und siehe da: Zur Erweiterung des Mutterschutzes fand sich bereits im Koalitionsvertrag der Ampel von 2021 eine entsprechende Passage. Inwieweit die Petition tatsächlich zur Umsetzung beigetragen hat, vermögen wohl nur die beteiligten Ampelkoalitionäre zu sagen. Sicherlich hat sie den Druck erhöht. Und wir sind heilfroh, dass dieses Anliegen umgesetzt wurde. Beifall: AfD Dennoch dürfen wir die Möglichkeiten des Petitionsausschusses nicht überschätzen. Denn politische Petitionen, die nicht im Sinne der Regierungskoalition sind, haben keine Chance auf Umsetzung. So ehrlich muss man sein. Hier ist Mut zur Wahrheit gefragt. An dieser Stelle sage ich ganz klar und deutlich: Volksabstimmungen bedeuten Bürgerbeteiligung in ihrer höchsten Form. Nur mit ihnen lassen sich politische Anliegen auch gegen die amtierende Koalition durchsetzen. Wir von der Alternative für Deutschland sind die einzige Fraktion im Bundestag, die Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild einführen will, damit die Bürger über alle Fragen unserer Republik und unserer Zukunft abstimmen dürfen, mögen sie in der öffentlichen Meinung auch noch so umstritten sein. Leider fehlen uns dafür im Bundestag aktuell die Mehrheiten. Wie schnell sich das ändern kann, werden wir hoffentlich schon bei den Landtagswahlen im Herbst sehen. Aber zurück zum Petitionswesen. Vor 20 Jahren wurde auf der Onlineplattform des Bundestages die erste Petition eingereicht. Vorbild war damals das britische – insbesondere das schottische – System. Doch bei der Umsetzung kam eine Komponente hinzu, die typisch ist für den real existierenden Bundesrepublikanismus: eine intensive Vorprüfung, ob eine Petition überhaupt veröffentlicht werden darf. Die Ausschlusskriterien sind dabei mannigfaltig und sehr weit gefasst. So wird keine Petition veröffentlicht, deren Inhalt nicht „für eine sachliche öffentliche Diskussion geeignet“ ist. Die Veröffentlichung kann außerdem verweigert werden, wenn „die Petition offensichtlich erfolglos bleiben wird“ oder gar den „sozialen Frieden“ oder den „interkulturellen Dialog“ belasten könnte. Solche weit gefassten Kriterien existieren in Schottland oder Großbritannien überhaupt nicht. Dort wird lediglich geprüft, ob eine Petition beleidigend, vulgär oder strafrechtlich relevant ist; eine inhaltliche Vorkontrolle findet dort nicht statt. Im Berichtsjahr wurde so die Veröffentlichung einer Initiative für ein Volksveto gegen vom Bundestag beschlossene Gesetze abgelehnt – mit der Begründung, sie bleibe offensichtlich erfolglos. Die Initiatoren, die der AfD überhaupt nicht nahestehen, verstanden die Welt nicht mehr. Wir als AfD-Fraktion fordern seit jeher die Abschaffung solcher Einfallstore der Willkür und sind dabei auch die einzige Fraktion im Deutschen Bundestag. Zuletzt haben wir einen Entwurf für ein ausführliches Petitionsgesetz vorgelegt, wie es mehrere Bundesländer bereits kennen. Darin sind die Ausschlusskriterien auf ein gesundes Mindestmaß reduziert. Ebenso fordern wir die verpflichtende Beratung von Petitionen im Plenum, sobald sie mehr als 100 000 Mitzeichnungen erhalten. Über die Höhe des Quorums lässt sich streiten, doch eine Plenardebatte wäre ein echter Meilenstein für die Bedeutung und Wahrnehmung von Petitionen. Unter der Ampel waren wir diesem Ziel schon sehr nahe. Doch weil wir um die Abneigung insbesondere der CDU/CSU-Fraktion gegen die Einführung direktdemokratischer Elemente wissen, haben wir für diese Legislaturperiode wenig Hoffnung. Dennoch rufe ich zum Schluss alle Bürger auf: Reichen Sie Petitionen ein, zeichnen Sie mit, und zeigen Sie den regierenden Politikern, wo der Schuh drückt und welche Probleme die drängendsten unserer Zeit sind! Mut zur Wahrheit, Mut zur direkten Demokratie – dafür steht die AfD-Fraktion. Vielen Dank. Beifall: AfD

Der Redner würdigt die Hilfe des Petitionsausschusses in Einzelfällen, kritisiert aber die mangelnde politische Wirkung von Petitionen aufgrund der Koalitionsdisziplin und fordert die Einführung direkter Demokratie sowie eine Absenkung der Veröffentlichungshürden für Petitionen.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Ich darf zu seiner ersten Rede David Mandrella von der SPD das Wort erteilen. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.)
DA David Mandrella SPD rede Im Protokoll ↗
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Kollege von der AfD, dass Sie das Ziel, den sozialen Zusammenhalt zu bewahren, nicht teilen und ihn irgendwie abschaffen wollen, nehme ich entspannt zur Kenntnis. Aber sei’s drum. Um das, worüber wir heute reden, im wahrsten Sinne des Wortes ein bisschen greifbarer zu machen, habe ich Ihnen …
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Kollege von der AfD, dass Sie das Ziel, den sozialen Zusammenhalt zu bewahren, nicht teilen und ihn irgendwie abschaffen wollen, nehme ich entspannt zur Kenntnis. Aber sei’s drum. Um das, worüber wir heute reden, im wahrsten Sinne des Wortes ein bisschen greifbarer zu machen, habe ich Ihnen dieses stinknormale leere Blatt mitgebracht. (Der Redner hält ein Blatt hoch) Denn beim Schreiben dieser Rede saß ich vor genau so einem Blatt, welches nur darauf wartete, mit Leben gefüllt zu werden. Und vor ein paar Wochen noch – deswegen finde ich es schön, dass auch ein paar Schulklassen da sind – saß ich als Lehrer auch vor so einem Blatt und habe überlegt, wie ich denn das aktuelle politische Thema am besten rüberbringe. Denn als Lehrer für Politik und Gesellschaft hatte ich die große Ehre, meinen Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, wie unser politisches System und damit auch unsere Demokratie funktioniert. Bei uns in Bayern gibt es im Lehrplan einen Bereich unter der Überschrift „Wie wird Einfluss auf die Politik genommen?“. Da vermittelt man den Schülerinnen und Schülern, welche besondere Rolle Parteien spielen, welche Bedeutung Interessengruppen haben. Und man vermittelt den Schülern, welche Bedeutung Petitionen in unserer parlamentarischen Demokratie haben. Ich habe extra noch mal nachgeschaut: Die Überschrift, die ich mir damals als Ausgangsfrage für meine Unterrichtsstunde überlegt hatte, lautete: „Petitionen – effizientes politisches Werkzeug oder machtlose Scheinbeteiligung?“ Gerade wenn man in den aktuellen Petitionsbericht schaut, lässt sich diese Frage ganz klar beantworten. 12 399 Petitionen wurden im letzten Jahr beim Petitionsausschuss eingereicht, 34 Prozent mehr als im Vorjahr. Das ist ein starkes Zeichen für Demokratie, ein starkes Zeichen für echte Bürgerbeteiligung und ein starkes Zeichen für Petitionen, meine sehr verehrten Damen und Herren. Beifall: SPD Beifall: Union Beifall: Grüne Wenn man sich die einzelnen Themen genauer anschaut, sieht man, welche konkreten Auswirkungen Petitionen haben können. Da ist eine alleinerziehende Mutter, zwei Kinder, krank, und sie beantragt Krankengeld. Die Krankenkasse prüft, die Schreiben gehen monatelang hin und her, und die Frau gerät in Geldnot. Sie schreibt aber eine Petition. Der Petitionsausschuss schaltet sich ein, die Aktenlage wird geklärt, und das Krankengeld kann endlich ausgezahlt werden. Oder ein anderes Beispiel, das erst mal vielleicht ein bisschen absurd klingen mag. Man kauft sich ein Elektroauto, tut was Gutes für die Umwelt, fährt in eine Umweltzone – und wird rausgezogen, weil man nicht zusätzlich eine grüne Plakette hat. Auch dazu hat jemand eine Petition eingereicht. Der Ausschuss hat das Anliegen unterstützt. Bei der nächsten Novelle der Verordnung fällt diese Plakettenpflicht für E-Kennzeichen weg. Weniger Aufwand, weniger Bürokratie, und solche leeren Blätter (Der Redner hält ein Papier hoch) können besser genutzt werden, als im Bürokratiedschungel zu verenden. Das ist das Ergebnis von Petitionen, meine sehr verehrten Damen und Herren. Beifall: SPD Beifall: Union Beifall: Grüne Und dann – das wurde schon erwähnt – ist da eine sehr mutige Frau: 13. Schwangerschaftswoche, Fehlgeburt. Ich glaube, niemand, der das nicht selbst erlebt hat, kann auch nur erahnen, was so was mit einem Menschen macht. Was besagte unser Gesetz damals? Am nächsten Tag geht es wieder an die Arbeit. Diese mutige Frau – und ich möchte sie bewusst nennen: Natascha Sagorski – hat sich damit nicht abgefunden. Sie hat eine Petition eingereicht. Der Ausschuss hat sie mit dem höchsten Votum „zur Berücksichtigung“ an die Bundesregierung überwiesen. Die Bundesregierung hat daraufhin reagiert, und seit genau einem Jahr, seit Juni 2025, haben wir den gestaffelten Mutterschutz in Deutschland. Das ist eine sehr gute Nachricht, meine sehr verehrten Damen und Herren. Beifall: SPD Beifall: Union Beifall: Grüne Beifall: Linke (einzelne Abg.) Einen Punkt möchte ich noch ansprechen, der mir ein großes Anliegen ist. Der Erfolg einer Petition hängt nicht nur von der konkreten Umsetzung und einer Gesetzesänderung ab. Der Erfolg beginnt viel früher. Jedes Thema, jeder Entwurf, jede Gesetzesinitiative sind eben keine unbeschriebenen Blätter, (Der Redner hält ein Papier hoch) sondern werden von der Diskussion in der Bevölkerung mitgeprägt. Bismarck hat die Sozialversicherungen – seien wir ehrlich – nicht eingeführt, weil er ein soziales Herz hatte, sondern weil die Arbeiterbewegung wuchs. Das Frauenwahlrecht wurde nicht eingeführt, weil Männer eines Morgens aufwachten und sich dachten: „Das ist eine tolle Idee“, sondern weil es jahrzehntelang mutige Vorkämpferinnen gab. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Und die Union unter Adenauer – seien wir ehrlich – hat die Lohnfortzahlung nicht nur eingeführt, weil sie überzeugt davon war, sondern weil die Arbeiterinnen und Arbeiter dies im längsten Streik der Nachkriegsgeschichte erzwungen haben. Was ich damit sagen möchte: Nicht ausschließlich politische Mehrheiten, sondern Menschen mit Anliegen, Herz und Leidenschaft haben diese Sachen von außen verändert. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) ↳ Johannes Schraps (SPD): »Sehr richtig!« Genau so funktioniert es doch bis heute. Politische Mehrheiten entstehen nicht im Vakuum. Sie entstehen, weil Menschen sich einmischen, Interessen formulieren und Unterstützer sammeln. Oder, um es anders zu sagen: Mehrheiten entstehen, weil Menschen Petitionen einreichen, meine sehr verehrten Damen und Herren. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Deshalb, liebe Bürgerinnen und Bürger, mein klarer Appell an Sie: Für das Adressieren eines Anliegens, einer Idee oder einer Vision gibt es kein geeigneteres Mittel als das Instrument der Petition. Nutzen Sie dieses Instrument – nicht nur, um einen kleinen Textbaustein in einem Gesetz zu verändern, sondern um politische Themen zu setzen, die Debatten hier in diesem Haus zu prägen, um Politik ganz konkret zu verändern! Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Meine sehr verehrten Damen und Herren, unsere Demokratie ist manchmal so simpel und doch so klar wie dieses Blatt Papier. (Der Redner hält ein Papier hoch) Sie steht allen offen und wartet nur darauf, mit Leben gefüllt zu werden. Um auf die Ausgangsfrage in meiner Stunde zurückzukommen: Ja, Petitionen sind ein sehr effizientes politisches Werkzeug. Tragen Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, gemeinsam mit uns dazu bei, dass dieses Instrument für das Richtige eingesetzt wird, bevor es die Falschen tun! Lassen Sie nicht zu, dass einige alles, was wir uns in unserem schönen Land aufgebaut haben, durch den Reißwolf jagen! Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem Verrohungen, Hass und Ausfälle Spuren hinterlassen, (Der Redner zerreißt ein Papier) die man nicht mehr reparieren kann. In diesem Sinne: Machen Sie mit! Ich freue mich auf Ihre Petitionen. Herzlichen Dank. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Ina Latendorf (Linke)

David Mandella betont die Bedeutung von Petitionen als effizientes Werkzeug direkter Demokratie und Bürgerbeteiligung, wobei er historische und aktuelle Beispiele für deren Wirksamkeit anführt. Er warnt davor, demokratische Errungenschaften durch Verrohung und Hass zu gefährden und ruft die Bürger zur aktiven Nutzung des Petitionsrechts auf.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Als Sitzungsleiter neige ich dazu, spontan zu rufen: Eins, setzen! – Aber wenn auf dem Papier etwas draufgestanden hätte, hätte ich eingreifen müssen; das wollte ich jetzt nur allen oben erklären. Aber danke für die erste Rede! Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Corinna Rüffer das Wort erteilen. Beifall: Grüne
CO Corinna Rüffer Grüne rede Im Protokoll ↗
Hochgeschätzter Herr Präsident! Liebe Demokratinnen und Demokraten! Wie es sich gebührt, möchte auch ich einmal den zwölf Leuten vom Ausschusssekretariat meinen allergrößten Dank aussprechen. Denn ohne Sie würde die Arbeit in diesem Ausschuss überhaupt nicht funktionieren. Wir verlassen uns jeden Tag darauf, dass die Kooperation gut funktioniert. Ich mache das jetzt schon wirklich lange. Ich konnte mich jeden Tag darauf …
Hochgeschätzter Herr Präsident! Liebe Demokratinnen und Demokraten! Wie es sich gebührt, möchte auch ich einmal den zwölf Leuten vom Ausschusssekretariat meinen allergrößten Dank aussprechen. Beifall: Grüne Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Denn ohne Sie würde die Arbeit in diesem Ausschuss überhaupt nicht funktionieren. Wir verlassen uns jeden Tag darauf, dass die Kooperation gut funktioniert. Ich mache das jetzt schon wirklich lange. Ich konnte mich jeden Tag darauf verlassen. Sie sind alle große Klasse. Herzlichen Dank für Ihre Arbeit! Beifall: Grüne Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Ina Latendorf (Linke) Vielleicht haben einige das nicht mitbekommen, weil die Tribünen sich ein bisschen später gefüllt haben: Der sehr geehrte Präsident hat diesen Tagesordnungspunkt aufgerufen, indem er gesagt hat: Jetzt kommen die fleißigen Geister vom Petitionsausschuss. ↳ Jürgen Coße (SPD): »Aber die guten Geister meinte er!« – Die guten Geister; das sind wir auch. Wir sind fleißig; Geister sind wir nicht. Aber wir versuchen, im Sinne der Menschen zu arbeiten, und das in der Tat jeden Tag. Was uns von anderen vielleicht ein bisschen unterscheidet, und zwar fraktionsübergreifend, ist, dass wir diesen Ort nicht zu jedem Zeitpunkt dafür nutzen, unsere Social-Media-Accounts zu füllen, als Werbeagentur zu fungieren, sondern wir versuchen hier in diesem Ausschuss, miteinander in den Diskurs zu gehen. Diejenigen, die heute vielleicht schon ein bisschen länger hier sind oder nicht zum ersten Mal hier sind, werden bei anderen Debatten erlebt haben, dass interfraktionell eigentlich kein Applaus gespendet wird, dass hier ein starkes Gegeneinander und eine intensive Auseinandersetzung herrscht. Das ist an vielen Stellen auch gut begründet. Aber es verweist ein bisschen darauf, inwieweit der Petitionsausschuss eine andere Arbeit leistet. Er funktioniert nicht, indem auf der einen Seite die Koalition steht, auf der anderen Seite die Opposition, sondern im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen unsere Petentinnen und Petenten, steht das Bemühen, wirklich ganz konkrete Lösungen für konkrete Probleme zu finden. Das schaffen wir immer wieder, und darüber bin ich sehr froh. Beifall: Grüne Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Wenn man schaut, wer in diesem Ausschuss sitzt: Da sind ganz viele Leute, die nicht einfach in einer Legislaturperiode, sondern über die gesamte Zeit ihres Abgeordnetenmandates im Petitionsausschuss mitarbeiten, weil sie das zu schätzen lernen und weil sie wissen, dass sie die Erkenntnisse aus der Arbeit dieses Ausschusses in der politischen Arbeit in anderen Ausschüssen fruchtbar machen können und dass man ein Gefühl von Wirksamkeit gewinnt, dass man tatsächlich ganz konkret etwas verändern kann. Wenn ich in meine Weihnachtspost gucke, dann sehe ich so oft, dass ehemalige Petentinnen und Petenten uns danken und schreiben: Die Arbeit, die Sie tun, ist wertvoll. – Das passiert uns als Politikerinnen und Politikern relativ selten. Das unterscheidet diesen Ausschuss von anderen Ausschüssen. Beifall: Grüne Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Ich möchte einmal darauf verweisen, dass wir nicht nur mit leblosen Akten arbeiten, dass wir auch nicht nur mittwochmorgens im Ausschuss sitzen, abstimmen und Voten vergeben, sondern dass hinter diesen Anliegen ganz viel Arbeit steckt, häufig jahrelange Arbeit, und dass wir Instrumente haben, die über die, die andere Ausschüsse haben, weit hinausgehen. Wir waren im letzten Jahr zum Beispiel in einem kleinen Ort im Ahrtal, der von einem Autobahndamm umgeben ist. Dahinter liegt ein Hügel. Erinnern Sie sich an die Flutnacht; erinnern Sie sich daran! Da ist dieses Dorf in der Senke mit Wasser vollgelaufen. An diesem Tag ist niemand gestorben, einzig und allein, weil ein einzelner Feuerwehrmann so hellsichtig gewesen ist, dass er zu Hause angerufen hat und gesagt hat: Leute, evakuiert vor allen Dingen die alten Menschen, damit sie nicht ertrinken! – Und es ist gelungen. In diesem Ort ist niemand gestorben, und es war fast wie ein Wunder. Aber das Problem bleibt bestehen: Der Damm um dieses Dorf, der vollläuft wie eine Badewanne, hat bis heute keinen Abfluss. Jedes Mal, wenn es regnet, haben die Menschen in diesem Dorf Angst, dass sie ertrinken müssen. Wir als Petitionsausschuss haben uns auf den Weg gemacht in dieses Dorf Ehlingen, und wir haben diesen Menschen versprochen, dass wir alles dafür tun werden, dass es einen Tunnel gibt, damit das Wasser ablaufen kann. Der kostet vielleicht 1,5 Millionen Euro oder so. Aber wir stehen bei den Menschen im Wort. Wenn der Petitionsausschuss so arbeitet, kann er einen Unterschied machen, und er kann vor allen Dingen Vertrauen zurückgewinnen. Vielen Dank. Beifall: Grüne Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.)

Corinna Rüffer dankt dem Ausschusssekretariat, hebt die fraktionsübergreifende und lösungsorientierte Arbeit des Petitionsausschusses hervor und illustriert dessen Wirksamkeit am Beispiel eines Hilfsversprechens an ein vom Hochwasser bedrohtes Dorf im Ahrtal.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Für die Fraktion Die Linke darf ich Ina Latendorf das Wort erteilen. Beifall: Linke
IN Ina Latendorf Linke rede Im Protokoll ↗
Vielen Dank, Herr Präsident. Vielen Dank, Corinna Rüffer, für die wirklich aufwühlende Rede. Dieser Tagesordnungspunkt ist was Besonderes. Wir haben eben schon gehört, dass wir an diesem Tag, aber eben nur einmal im Jahr, über den Petitionsausschuss und seine Arbeit debattieren. Es gibt sonst maximal eine kurze Vorstellung von einstimmig bzw. mit hohen Voten beschlossenen Petitionen. Debatten finden im Plenum …
Vielen Dank, Herr Präsident. Vielen Dank, Corinna Rüffer, für die wirklich aufwühlende Rede. Dieser Tagesordnungspunkt ist was Besonderes. Wir haben eben schon gehört, dass wir an diesem Tag, aber eben nur einmal im Jahr, über den Petitionsausschuss und seine Arbeit debattieren. Es gibt sonst maximal eine kurze Vorstellung von einstimmig bzw. mit hohen Voten beschlossenen Petitionen. Debatten finden im Plenum normalerweise nicht statt, lediglich Abstimmungen über ganze Listen ohne Aussprache. Wir würden uns wünschen, dass grundsätzlich Petitionen mit sehr hohen Quoren hier im Plenum debattiert werden; das würde dem Anliegen und dem Verfassungsrang des garantierten Petitionsrechtes gerecht werden. Beifall: Linke Beifall: SPD (einzelne Abg.) Bevor ich fortfahre, möchte ich auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ausschussdienstes danken. Mit großem Einsatz und Akribie bereiten sie die vielen Akten für unsere Sitzungen vor, sie bearbeiten eingehend die Anliegen, sie übernehmen die Kommunikation, und sie leisten für uns alle die Vermittlung von Politik und Verwaltung, sie erklären durch Rat und Tat und Auskunft. Ich finde, das ist sehr wertvoll, das ist politische Bildung im direkten Austausch. Dafür noch mal einen herzlichen Dank! Beifall Zurück zum Bericht. Im vergangenen Jahr erreichten den Petitionsausschuss circa 12 400 Eingaben. Das waren wesentlich mehr als 2024. Das klingt erst mal gut, allerdings nur so lange, wie man außer Acht lässt, dass die Zahl der Eingaben im Jahr 2024 einen absoluten Tiefstand erreicht hatte. Derzeit schreiben im Jahr immer noch zehntausend Bürgerinnen und Bürger weniger an den Petitionsausschuss als in den 90er- und 2000er-Jahren. Da fragt man sich: Sind die Bürger einfach zufrieden? Haben sie keine Probleme, die sie dem Parlament mitteilen oder deren Abstellung sie fordern wollen? Da habe ich angesichts der politischen Lage im Land, angesichts der immer wieder deutlichen Kritik an Verwaltung und Politik, angesichts der Kritik am Zustand der Infrastruktur usw. doch erhebliche Zweifel, dass das so ist. Auch angesichts des enormen Zulaufs, den private Petitionsplattformen bekommen und der seit Jahren anhält, habe ich Zweifel, dass das die Motivation der Bürger ist, sich nicht an den Petitionsausschuss zu wenden. Diese Plattformen haben enormen Zulauf und generieren große Aufmerksamkeit. Das Ausmaß an Unterstützung für viele Anliegen ist deutlich sichtbar in der Öffentlichkeitsarbeit: Hervorgehobene Anliegen werden umfangreich betreut, begleitet, medial beworben und finden oft auf Bildern von der Übergabe am Spreeufer – im Hintergrund dann der Bundestag – ihren Widerhall in sozialen Medien. Diesen auffallenden Widerspruch gilt es zu erklären. Denn das Phänomen besteht bereits seit Jahren. Wir Mitglieder des Ausschusses verweisen oft darauf, dass nur der Petitionsausschuss des Bundestages tatsächlich Änderungen in der Gesetzgebung wirksam anstoßen kann. Allerdings habe ich Zweifel, dass das in vielen Fällen wirklich so ist. Denn wie sieht die Praxis meistens aus? Von den im vergangenen Jahr behandelten Petitionen wurden 5,7 Prozent mit einem Beschluss versehen, der andere Stellen – zumeist die Bundesregierung – zum Handeln in der Sache tatsächlich auffordert: „zur Erwägung“ oder „zur Berücksichtigung“. Das heißt im Umkehrschluss: Bei 95 Prozent der Petitionen war das eben nicht der Fall. Das wäre vielleicht gar nicht mal so tragisch, wenn bei den 5 Prozent die Anliegen dann auch tatsächlich umgesetzt würden. Die Realität sieht aber anders aus: Wir fassen im Ausschuss und im Plenum einstimmige Beschlüsse mit hohen Voten: „zur Berücksichtigung“ oder „zur Erwägung“ an die Bundesregierung überweisen. – Und wie geht es dann weiter? Oft kommt dann einige Zeit später ein Schreiben des jeweiligen Ministeriums mit der Antwort, dass die Regierung keinen Änderungsbedarf sehe. Es interessiert an dieser Stelle die Regierung oft nicht, welchen Auftrag das Parlament gegeben hat. Ein Beispiel: Kürzlich wurde nach einer mehr als unbefriedigenden Antwort eines Ministeriums auf einen Erwägungsbeschluss eine Staatssekretärin in den Ausschuss gebeten, um dort Stellung zu nehmen. Das war durchaus ein Anfang – hätte man sie dann nicht mit einer aus meiner Sicht recht vagen Absichtserklärung ohne konkreten Zeitplan zur Umsetzung entlassen. Es hätte besser laufen können. Dieses Regierungshandeln ändert sich weder mit wechselnden Bundesregierungen noch bei wechselnden parteipolitischen Leitungen der Häuser. Das ist ein Phänomen, das wir seit Jahren beobachten. Wenn die Petentinnen und Petenten also auf private Plattformen ausweichen, dann tun sie das wohl meist bewusst. Über diese privaten Plattformen können sie Aufmerksamkeit für ihre Anliegen generieren. Beim Bundestag, ja, bekommen sie garantiert Post aus Berlin. Vielen reicht das aber offensichtlich nicht. Wir sollten diesen Jahresbericht also dazu nutzen, uns Gedanken darüber zu machen, was wir mit dem Petitionsrecht garantieren wollen und was der Petitionsausschuss wirklich leisten kann und soll. Wenn den Bürgerinnen und Bürgern hier lediglich der politische Wille oder Unwille oder die Rechtslage erläutert wird, reicht das eben nicht aus. Beifall: Linke Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Ich wünsche mir ein mutiges Petitionswesen, das Fragen stellt, das selbstbewusst für die Menschen in unserem Land nicht nur ein Votum per Beschluss abgibt, sondern auch kontrolliert und nachhakt. Gehen wir weiter den bisherigen Weg, wird der Ausschuss nur Kummerkasten, und er wird an Relevanz verlieren. Welches Selbstverständnis dieses Parlament hat, das müssen wir festlegen. Das Parlament muss selbstbewusst seine Entscheidungen vertreten und darf sich nicht durch die Exekutive in eine nachgeordnete Rolle drängen lassen. Es liegt an uns allen, ob wir das zulassen oder nicht. Beifall: Linke Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und des Parlaments sind wir gefordert, es in Zukunft besser zu machen. Vielen Dank. Beifall: Linke Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.)

Ina Latendorf kritisiert den sinkenden Stellenwert des Petitionsausschusses und die mangelnde Umsetzung von Petitionsbeschlüssen durch die Bundesregierung, während private Plattformen an Popularität gewinnen.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Für die CDU/CSU-Fraktion hören wir Nicklas Kappe. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)
NI Nicklas Kappe Union rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland ist Honigland. Was das mit Petitionen zu tun hat und warum ich Ihnen das erzähle, dazu gerne später mehr. Zunächst muss ich sagen: Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Bei uns zu Hause trägt man das Herz auf der Zunge, da wird nicht lange um den heißen Brei geredet, sondern Tacheles …
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland ist Honigland. Was das mit Petitionen zu tun hat und warum ich Ihnen das erzähle, dazu gerne später mehr. Zunächst muss ich sagen: Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Bei uns zu Hause trägt man das Herz auf der Zunge, da wird nicht lange um den heißen Brei geredet, sondern Tacheles gesprochen. Da habe ich eine neue Heimat hier im Petitionsausschuss gefunden. Jeden Mittwochmorgen erlebe ich diese ehrliche, direkte Art der Debatte, bei der wir gemeinsam das Parteibuch mal ein bisschen nach hinten stellen und uns darum kümmern, dem Anliegen der Petentinnen und Petenten Ausdruck zu verleihen. Ich habe schnell gemerkt: Dieses Gremium ist mehr als nur ein parlamentarisches Zusammenkommen, dieses Gremium ist der Seismograf der Stimmung in diesem Land, es ist die direkte Verbindung der Bürgerinnen und Bürger mit diesem Hohen Hause. Ich muss sagen, meine Damen und Herren: Darauf können wir stolz sein. Beifall: Union Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Auch ich möchte einen herzlichen Dank an den Ausschussdienst richten. Ihre Leistung ist aufgrund der schieren Anzahl der Petitionen gar nicht hoch genug wertzuschätzen. Wir haben es jetzt mehrfach gehört – die Vorsitzende hat es gesagt –: 12 399 Petitionen insgesamt; das entspricht knapp 50 Petitionen pro Werktag. Wir kriegen immer eine professionelle, gute Vorbereitung von Ihnen. Sie unterstützen uns, damit wir gut entscheiden können und die Bürgerinnen und Bürger am Ende des Tages eine gute Lösung bekommen. Das, meine Damen und Herren, ist gelebte parlamentarische Demokratie, und dafür gebührt Ihnen unser Dank. Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Tatsächlich – das ist auch meine erste Rede, in der ich das tue – muss ich nahezu dem ganzen Haus meinen Dank aussprechen, dass wir dieses kollegiale Miteinander, auch überparteilich, im Petitionsausschuss pflegen. Wie gesagt, da rückt das Parteibuch, der Koalitionsdisput wirklich mal etwas in den Hintergrund, dort wird wirklich im Sinne der Bürgerinnen und Bürger entschieden. Der Blick auf die Zahlen zeigt – wir haben es gehört –: 34 Prozent mehr Petitionen als im Vorjahr. Ich würde nicht sagen, dass das auf dieses eine Jahr zurückzuführen ist. Seit 20 Jahren haben wir jetzt unser Onlinepetitionsportal. 5,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer sind dort registriert. Wir haben dort allein im letzten Jahr über eine halbe Million Unterstützungen bekommen. Das zeigt mir eines ganz deutlich: Die Bürgerinnen und Bürger wollen mitgestalten, sie wollen partizipieren, sie wollen Teil der Entscheidungen sein. Deswegen haben wir diesen Anstieg um 34 Prozent, und darauf können wir stolz sein. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) An der Stelle sei mir als Nordrhein-Westfale noch der Hinweis gestattet, dass die meisten Eingaben aus Nordrhein-Westfalen kommen. ↳ Corinna Rüffer (Grüne): »Ihr seid ja auch so viele!« Gerade im Rheinland und in Westfalen sind die Leute sehr eingabewillig. Deswegen: Im Sinne der Heimat ein herzlicher Gruß nach Nordrhein-Westfalen! Jetzt sind Petitionen aber auch mehr als nur reine Zahlen oder ein Jahresbericht. Es stehen konkrete Anliegen dahinter. Und damit komme ich zurück zum Honigland Deutschland. Konkret geht es um eine Petition für eine Kennzeichnungspflicht für Honig. Diese haben über 6 000 Menschen unterschrieben. Warum? Weil Deutschland das Land in der Europäischen Union mit den meisten Imkerinnen und Imkern ist; viele betreiben dies ehrenamtlich als Hobby. Ihnen gab es nicht genug Transparenz. Ich wusste es ehrlicherweise auch nicht: Es gibt gepanschten Honig aus anderen Ländern. Das ist ein Problem. Aber welche Breite das hat, zeigt diese Petition. Diese Petition ist ein Best-Practice-Beispiel. Wir haben sie überparteilich mit höchstem Votum an die Bundesregierung überwiesen. Und siehe da: Politik wirkt, meine Damen und Herren von der rechten und der linken Seite! Just wurde die Honigverordnung geändert.↳ Ina Latendorf (Linke) Heute in vier Tagen, am 14. Juni, tritt sie in Kraft, und dann gibt es keinen gepanschten Honig mehr. Politik wirkt, und das ist auch richtig so, meine Damen und Herren. Beifall: Union Beifall: AfD Beifall: SPD Beifall: Grüne ↳ Andreas Mattfeldt (Union): »Honig-Kappe!« Frau Latendorf, ich muss an der Stelle doch noch sagen, dass ich Ihren Pessimismus bei der Frage, was der Petitionsausschuss leisten kann, hier absolut nicht teile. Das mag jetzt ein Beispiel sein, das Sie nicht überzeugt. Die Vorsitzende hat ein Beispiel genannt; Sie werden bestimmt in der Debatte gleich noch weitere Beispiele hören. Das hat jetzt mal in wenigen Monaten funktioniert. Leider ist Politik nicht immer so einfach. Manchmal dauert die Umsetzung auch eine gewisse Zeit. Und ehrlicherweise sind auch Petitionen dabei, die nicht immer eine Zustimmung erlangen. Deswegen sind die Zahlen von Ihnen für mich kein Grund zur Resignation, sondern sie sind für mich ein Ansporn, weiterzuarbeiten und dafür zu sorgen, dass wir diese Beispiele gelebter Demokratie haben. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Tina Winklmann (Grüne) Herr Schiller, noch einen Satz zur Angst vor der direkten Demokratie, die Sie uns unterstellen. Da möchte ich kontern und sagen: Sie haben, glaube ich, manchmal Angst vor der tiefgehenden Befassung mit Themen und Inhalten. Und leider ist es bei der direkten Demokratie oder bei Elementen der direkten Demokratie immer erforderlich, dass eine enorm hohe Sachkenntnis und Sacharbeit vorherrschen. Wir können auf einen Ausschussdienst zurückgreifen, der uns viel Vorarbeit leistet. Wir stecken dann noch viel Arbeit selber rein, führen Berichterstattergespräche, sind teilweise vor Ort. Also statt hier anderen Angst vor direkter Demokratie vorzuwerfen, würde ich mir die Frage stellen, ob nicht manche Entscheidungen einfach wirklich hier in den Deutschen Bundestag gehören, meine Damen und Herren. Beifall: Union Beifall: SPD Beifall: Linke (einzelne Abg.) Beifall: Tina Winklmann (Grüne) Ich möchte auch noch mal betonen, dass der Petitionsausschuss ein eigenständiges, selbstbewusstes Gremium ist, das mit einer klaren Erwartungshaltung an die Bundesregierung herantritt. So haben wir zum Beispiel mit Stimmen der Koalition vor Kurzem eine Petition aus Bayern bestärkt und überwiesen, in der im Einklang mit europäischem Arbeitsrecht eine wöchentliche Arbeitszeithöchstgrenze und keine Tagesarbeitszeithöchstgrenze gefordert wird. Da ist unsere klare Erwartungshaltung an die Bundesregierung, dass wir dies auch umsetzen. Meine Damen und Herren, das Petitionsrecht nach Artikel 17 unseres Grundgesetzes ist ein hohes, ja, es ist ein unschätzbares Gut. Es gibt jedem und jeder Einzelnen eine Stimme unabhängig von Herkunft, Alter oder Status. Lassen Sie uns das weiter stärken! Lassen Sie uns das weiter pflegen! Es macht einen Unterschied, und es schafft Vertrauen in diese parlamentarische Demokratie. Gehen wir mit gutem Beispiel voran! Hören wir den Menschen zu – ehrlich, direkt und mit festem Willen, etwas zu ändern. Vielen Dank. Beifall: Union Beifall: AfD Beifall: SPD Beifall: Grüne

Der Redner betont die Bedeutung des Petitionsausschusses als direkte Verbindung zwischen Bürgern und Parlament und lobt den überparteilichen Umgang sowie den Anstieg an Beteiligungen. Er verwendet das erfolgreiche Beispiel einer Petition zur Honigkennzeichnung, um die Wirksamkeit parlamentarischer Arbeit zu demonstrieren und spricht sich für eine Stärkung des Petitionsrechts aus.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Wir hören für die AfD-Fraktion Nicole Hess. Beifall: AfD
NI Nicole Hess AfD rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Beginnen möchte ich mit einem ausdrücklichen Dank an den Ausschussdienst, denn ohne Sie wäre dieser Riesenberg von Arbeit nicht zu erledigen, und mit der Feststellung – es wurde schon gesagt –, dass die Zusammenarbeit im Petitionsausschuss kollegial, sachlich und von dem gemeinsamen Bewusstsein getragen ist, dass wir es hier …
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Beginnen möchte ich mit einem ausdrücklichen Dank an den Ausschussdienst, denn ohne Sie wäre dieser Riesenberg von Arbeit nicht zu erledigen, und mit der Feststellung – es wurde schon gesagt –, dass die Zusammenarbeit im Petitionsausschuss kollegial, sachlich und von dem gemeinsamen Bewusstsein getragen ist, dass wir es hier nicht mit abstrakten Vorgängen zu tun haben, sondern mit Anliegen von Menschen. Es liegt in der Natur der Sache, dass es inhaltliche Diskrepanzen gibt und dass unsere Bewertungen politischer Entscheidungen oft auseinandergehen. Aber gerade im Petitionsausschuss zeigt sich auch, dass es heute tatsächlich noch möglich ist, parlamentarisch zu arbeiten, auch wenn man politisch nicht immer einer Meinung ist. Das verdient Anerkennung. Beifall: AfD Beifall: Andreas Mattfeldt (Union) Wir reden heute über den Jahresbericht des Petitionsausschusses, den wir nicht einfach nur verwalten dürfen, sondern ernst nehmen müssen. Viele Petitionen beziehen sich auf aktuelle politische Entscheidungen. Sie sind Reaktion auf konkrete Maßnahmen, auf Gesetze, auf Verordnungen, auf staatliches Handeln. Besonders deutlich wird dies momentan in der Gesundheitspolitik. Hier erreichen uns Bürger, deren Sorgen nicht einfach als Stimmungsbild abgetan werden dürfen. Menschen schildern ihr Unrechtsempfinden. Sie berichten von Belastungen, von bürokratischen Hürden, von Entscheidungen, die tief in ihr Leben eingegriffen haben. Sie formulieren Kritik, aber auch Anregungen. Und genau das ist der Kern des Petitionsrechts: Der Bürger bittet nicht um Gehör aus Gnade. Er hat ein verfassungsmäßiges Recht darauf, sich mit seinen Anliegen an dieses Parlament zu wenden. Die Menschen erleben die Auswirkungen von politischen Maßnahmen am eigenen Leib, Auswirkungen, mit denen die politisch Verantwortlichen in ihrem eigenen Leben eventuell niemals konfrontiert werden. Gerade in der Gesundheitspolitik haben die vergangenen Jahre gezeigt, wie groß die Distanz zwischen politischen Entscheidungen und persönlichen Lebenswirklichkeiten werden kann. Viele Umfragen zeigen momentan ein dramatisches Absinken des Vertrauens in die Gesundheitspolitik. Wir Abgeordnete erleben dies täglich, wenn wir in unsere E-Mail-Postfächer schauen. Wer dieses Vertrauen zurückgewinnen will, muss zuhören – nicht selektiv, nicht nur dann, wenn die Eingabe in das politische Weltbild passt, sondern gerade dort, wo es im Hinblick auf die eigene Überzeugung vielleicht ein bisschen unbequem wird. Der Petitionsausschuss kann die großen Probleme unseres Landes nicht alleine lösen. Eine solche Behauptung wäre unehrlich. Aber er kann sichtbar machen, wo staatliches Handeln überprüft werden muss. Er kann Einzelfälle aufgreifen, Fehlentwicklungen benennen und politische Verantwortung einfordern. Er kann diese wichtige Brücke sein zwischen Bürger und Parlament – vorausgesetzt, wir nehmen diese Brücke nicht nur symbolisch, sondern vor allem praktisch auch ernst. Deshalb möchte ich meine Rede mit einem Aufruf beenden: Nutzen Sie Ihr verbrieftes Recht! Beteiligen Sie sich! Schreiben Sie Petitionen, wenn Sie Missstände sehen! Bringen Sie Vorschläge ein, wenn Sie glauben, dass Abläufe in diesem Land besser organisiert werden könnten! Demokratie erschöpft sich nicht in einem Kreuz auf dem Stimmzettel. Sie lebt von Bürgern, die sich einmischen, die widersprechen, die Verantwortung übernehmen, ja, die vielleicht auch manchmal ein bisschen unbequem sind. Ein lebendiges Petitionswesen ist kein Störgeräusch der Demokratie. Es ist ein Zeichen dafür, dass Bürger ihr Land noch nicht aufgegeben haben. Und unsere Aufgabe ist es, diese Stimmen nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern ihnen mit Respekt, Sorgfalt und dem verdienten politischen Ernst zu begegnen. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Beifall: AfD Beifall: Andreas Mattfeldt (Union)

Die Rednerin würdigt die Arbeit im Petitionsausschuss als Brücke zwischen Bürgern und Parlament und betont die Bedeutung des Petitionsrechts für die Demokratie, besonders vor dem Hintergrund sinkenden Vertrauens in die Gesundheitspolitik.

✦ KI-generiert Respektvoll, wertschätzend sachlichmoralischpragmatisch Populismus 0,40 Farbige Stellen anklicken für die Deutung
BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Als nächste Stimme in der Aussprache hören wir Daniela Rump für die SPD-Fraktion. Beifall: SPD Beifall: Union Beifall: Grüne (einzelne Abg.)
DA Daniela Rump SPD rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In Potsdam, direkt am Stadtschloss, stand einst die Bittschriftenlinde. Menschen kamen zu diesem Baum, um ihre Anliegen, ihre Sorgen und ihre Bitten an den König zu richten. Manche haben ihre Schreiben persönlich übergeben, andere haben ihre Bitten einfach in die Äste gehängt. Der Baum stand dabei für ein einfaches Bedürfnis: für das …
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In Potsdam, direkt am Stadtschloss, stand einst die Bittschriftenlinde. Menschen kamen zu diesem Baum, um ihre Anliegen, ihre Sorgen und ihre Bitten an den König zu richten. Manche haben ihre Schreiben persönlich übergeben, andere haben ihre Bitten einfach in die Äste gehängt. Der Baum stand dabei für ein einfaches Bedürfnis: für das Bedürfnis, gehört zu werden. Und dieses Bedürfnis hat sich bis heute nicht verändert. Denn heute steht dort wieder eine Linde. Daneben steht eine Tafel mit einem QR-Code. Wer diesen QR-Code scannt, landet nicht mehr beim König, sondern auf der Internetseite des Petitionsausschusses des brandenburgischen Landtags. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Der Weg hat sich verändert, aber das Prinzip ist gleich geblieben: Menschen wollen, dass ihre Stimme zählt, dass ihre Erfahrungen ernst genommen werden, dass Politik zuhört und reagiert. Genau deshalb ist der Petitionsausschuss kein Nebenraum, sondern Kern unserer Demokratie. Petitionen zeigen uns, wo Gesetze im Alltag nicht so wirken, wie sie gedacht waren, wo Verwaltung Menschen aus dem Blick verloren hat und wo etwas nicht passt zwischen politischem Anspruch auf der einen und der gelebten Realität auf der anderen Seite. 12 399 Menschen haben sich im vergangenen Jahr an den Petitionsausschuss gewandt; das sind 34 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Menschen schreiben uns, weil etwas aus ihrer Sicht nicht funktioniert, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen oder weil sie überzeugt davon sind, dass etwas besser werden kann. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist – wir haben es eben schon zweimal gehört – Natascha Sagorski. Mit ihrer Petition hat sie eine Debatte angestoßen, die jede dritte Frau in Deutschland betrifft. Dank ihres Einsatzes wurde der gestaffelte Mutterschutz nach einer Fehlgeburt ab der 13. Schwangerschaftswoche gesetzlich verankert. Beifall Dieser Erfolg ist kein Einzelfall. Er zeigt: Wer sich einmischt, der kann etwas bewegen! Wir verschaffen den Anliegen hier eine Öffentlichkeit, die ihnen sonst viel zu oft fehlt. Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist gelebte Demokratie. Beifall: SPD Beifall: Union Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Ina Latendorf (Linke) Gleichzeitig verändert sich aber auch die Art, wie sich Menschen einbringen. Immer mehr Petitionen erreichen uns digital. Themen verbreiten sich in kürzester Zeit. Unterstützung organisiert sich häufig innerhalb von wenigen Stunden, und gesellschaftliche Debatten spiegeln sich unmittelbar in den Eingaben wider, die wir erhalten. Beteiligung wird schneller, sie wird sichtbarer, und sie wird direkter. Das ist auch eine große Chance! Denn es zeigt: Menschen wollen nicht nur zuschauen, sie wollen mitgestalten. Daraus folgt auch ein klarer Auftrag an uns: Wer sich beteiligt, muss verstehen, was mit seinem Anliegen im Petitionsausschuss passiert; denn Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass Beteiligung möglich ist, sondern Vertrauen entsteht dadurch, dass Beteiligung auch ernstgenommen wird. ↳ Johannes Schraps (SPD): »Sehr richtig!« Deshalb geht es für mich heute nicht nur um die Zahlen aus unserem Jahresbericht, sondern es geht auch um die Frage, wie wir die Weiterentwicklung unseres Petitionswesens gemeinsam gestalten können. Wir wollen und müssen Verfahren vereinfachen, Abläufe beschleunigen und digitale Möglichkeiten besser nutzen. Denn das Petitionsrecht ist weniger ein Korrekturwerkzeug für Einzelfälle, sondern es zeigt uns, wo Politik ganz konkret in der Realität ankommt und wo sie eben noch nicht ankommt, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: SPD Beifall: Union Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Ina Latendorf (Linke) Petitionen stoßen Debatten an. Sie machen Probleme sichtbar, die sonst untergehen würden, und sie zeigen, wo politischer Handlungsbedarf entsteht. Unsere Demokratie lebt davon, dass sich Menschen einmischen – auf ganz unterschiedliche Weise. Manche schreiben uns Briefe, starten Onlinepetitionen. Manche vernetzen sich, gehen in die Öffentlichkeit. Und manche schicken uns sogar selbstgeschriebene Songs über ihre Verfahren. Von der Bittschriftenlinde bis zum Song ist vieles anders geworden, aber der Kern ist gleich geblieben: Menschen wollen gehört werden. Und genau daran messen wir uns im Petitionsausschuss. Beifall: SPD Beifall: Union Beifall: Grüne Beifall: Ina Latendorf (Linke) Heute möchte ich noch allen Kolleginnen und Kollegen ganz herzlich danken, die sich im Petitionsausschuss engagieren, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung und vor allen den Bürgerinnen und Bürgern, die ihr Petitionsrecht nutzen. Vielen Dank. Beifall

Daniela Rump betont die zentrale Rolle des Petitionsausschusses für die Demokratie, indem sie das historische Bedürfnis der Bürger, gehört zu werden, mit modernen digitalen Beteiligungsformen verknüpft und den Handlungsauftrag an die Politik formuliert.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Tina Winklmann das Wort erteilen. Beifall: Grüne Beifall: Union (einzelne Abg.)
TI Tina Winklmann Grüne rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Anliegen der Bürgerinnen und Bürger, das sind die Anliegen dieses Hauses. Das ist der Kern dessen, für was der Petitionsausschuss steht und für was Politik stehen muss und Politik stehen sollte. Der Jahresbericht 2025 zeigt: Die Menschen in unserem Land nutzen diesen Weg, und sie bewegt vieles, …
Sehr geehrter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Anliegen der Bürgerinnen und Bürger, das sind die Anliegen dieses Hauses. Das ist der Kern dessen, für was der Petitionsausschuss steht und für was Politik stehen muss und Politik stehen sollte. Der Jahresbericht 2025 zeigt: Die Menschen in unserem Land nutzen diesen Weg, und sie bewegt vieles, weil das Leben vielfältig ist. Im Petitionsausschuss kommen alle Themen auf den Tisch. Natürlich wählen wir gerne öffentlichkeitswirksame Petitionen, um sie zu präsentieren. Aber ich möchte Sie zu Hause aufrufen: Jedes Thema ist wichtig, und es wird nie Sie alleine betreffen. Es wird immer mehrere Menschen geben, die es betrifft. Deswegen: Wenden Sie sich bitte an uns. Jede Petition wird geprüft, wird bearbeitet. Ihr Anliegen wird immer, immer behandelt werden, und wir tragen es weiter: in die Fraktionen, in die Ministerien, in die Bundesregierung hinein. Beifall: Grüne Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: AfD (einzelne Abg.) Auch die größte, die erfolgreichste Petition fängt immer mit der Eingabe an, und dann läuft die Maschinerie der Demokratie los. Dafür stehen wir im Petitionsausschuss, und ich und meine Kolleginnen und Kollegen machen das mit Leidenschaft für Sie, weil wir die Verteidiger/-innen der Demokratie sind. Als Sportpolitikerin erlaube ich mir auch mal einen Blick auf das Thema Sport. Das Bundeskanzleramt verzeichnete 2025 alleine 244 Eingaben zum Thema Sport. Gegenüber 2024 ist das ein deutlicher Aufwuchs. Wir stehen ja kurz vor der WM; morgen geht es los. Ich finde, der Petitionsausschuss, das ist die Verteidigung der Demokratie, die steht hinten. Wir haben das Mittelfeld, das verteilt die Bälle. Wir haben den Sturm, der die Dinger macht. Und das Wichtigste: Bei uns gibt es einen Unterschied im Gegensatz zu unserer Fußballmannschaft. Wir haben ein Tor, und dieses Tor bleibt sauber. Es steht immer zu null. – Das ist unser Ausschussdienst. Darum auch von mir noch mal: Vielen lieben Dank! Ihr steht immer wie die Null. Heiterkeit Wir haben es gehört: Petitionen sind dabei nicht ein Beschwerdesystem, sondern das ist ein Frühwarnsystem, ein Korrektursystem. Das zeigt uns, wo eben Gesetze nicht funktionieren, wo wir nachsteuern müssen, wo sich Lebensrealitäten verändern. Unsere Demokratie ist doch dann am stärksten, wenn die Menschen wissen: Ihre Stimme zählt. Und das tut sie bei uns. Ich möchte auch noch mal drauf hinweisen, und dafür werbe ich jetzt: Nutzen Sie das Original! Das Original ist das Petitionswesen des Deutschen Bundestages. Empfehlen Sie es weiter! Gehen Sie in die Vereine! Erzählen Sie es der Nachbarin, dem Nachbarn, den jungen Menschen in Ihrem Umfeld! Sagen Sie ihnen: Nutzen Sie Petitionen – epetitionen.bundestag.de! Ich hoffe, wir hören von Ihnen. Vielen lieben Dank. Beifall: Grüne Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.)

Tina Winklmann betont die Bedeutung des Petitionsausschusses als direkte Verbindung zwischen Bürgern und Politik, warbt für die Nutzung des Petitionswesens und nutzt eine Fußball-Metapher zur Untermalung.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Wir hören für die CDU/CSU-Fraktion Wolfgang Dahler. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)
WO Wolfgang Dahler Union rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Fußballweltmeisterschaft rückt näher, die Vergleiche mit Fußball werden mehr. Ich glaube, wir sind eine ganz gute Mannschaft im Petitionsausschuss. Daher möchte ich auch dieses Beispiel verwenden. – Das Tor bleibt sauber. Es tut immer gut, wenn man noch mal nachschaut, was Artikel 17 des Grundgesetzes eigentlich sagt. Ich möchte diesen Artikel …
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Fußballweltmeisterschaft rückt näher, die Vergleiche mit Fußball werden mehr. Ich glaube, wir sind eine ganz gute Mannschaft im Petitionsausschuss. Daher möchte ich auch dieses Beispiel verwenden. ↳ Corinna Rüffer (Grüne): »Und das Tor bleibt sauber!« – Das Tor bleibt sauber. Es tut immer gut, wenn man noch mal nachschaut, was Artikel 17 des Grundgesetzes eigentlich sagt. Ich möchte diesen Artikel noch mal zitieren: „Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.“ Ein sehr einfacher Satz, sehr übersichtlich, aber dieser Satz zeigt genau das, was hier möglich ist: Jeder, egal, ob er laut ist, ob er leise ist, ob er vernetzt ist, ob er weniger vernetzt ist, ob er einflussreich ist, ob er öffentlich sichtbar ist oder nicht, kann eine Petition einreichen. Genau darin liegt die besondere Stellung des Petitionsausschusses; denn hier wird dieses Grundrecht mit Leben erfüllt, und die Möglichkeit wird, wie bereits ausgeführt wurde, intensiv genutzt. Die vielen Eingaben geben sehr genau wieder, welche Themen die Menschen im Land bewegen. Es werden persönliche, emotionale Problemstellungen in den Petitionen aufgegriffen, aber auch Themen, die in den Familien, in den Vereinen, in den Medien diskutiert werden. Oft werden diese Themen früher an uns herangetragen, als sie in konkrete Gesetzgebungsvorhaben einfließen. Und, Herr Schiller, ich glaube nicht, dass es darum geht, Regierung oder Opposition zu treffen mit den entsprechenden Petitionen. Ich glaube, die Menschen möchten dem Parlament zeigen, was nicht funktioniert, welche Sorgen sie haben; und da ist es ganz egal, ob Regierung oder Opposition. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Ina Latendorf (Linke) Der Petitionsausschuss ist wie ein Brennglas. Hier werden alle Themen besprochen, querdurch, und auch wir Abgeordnete können sehr viel lernen in diesem Ausschuss. Wir sind nicht nur die Fachpolitiker. Wir sind sehr breit aufgestellt in den Themen. Wir diskutieren, und es tut uns allen gut. Und die demokratische Mitwirkung beschränkt sich eben nicht auf den Wahltag alle vier Jahre. Wer als Bürger erlebt, dass eigene Anliegen gehört, geprüft und öffentlich beraten werden, der erlebt auch ganz konkret, dass der Gesetzgeber ansprechbar ist. Beifall: Union Beifall: Grüne Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Lassen Sie mich deshalb auf zwei Petitionen eingehen, die wir im vergangenen Jahr – nach Erreichen des Quorums von 30 000 Mitzeichnerinnen und Mitzeichnern – öffentlich beraten haben. Ein persönlicher Einschub noch zum Quorum: Dieses Quorum in Höhe von 30 000 halte ich für zu niedrig, nicht weil ich denke, man möge diese öffentlichen Anhörungen reduzieren. Aber ich glaube, wenn wir das Quorum nach oben setzen würden, dann würden diese öffentlichen Anhörungen einen ganz anderen Wert erhalten. Beifall: Andreas Mattfeldt (Union) Ich glaube, darüber müssen wir uns mal im Ausschuss unterhalten und sehen, inwieweit wir da zueinanderkommen können. Die erste Petition, auf die ich eingehen werde, betraf den Jugendschutz im Internet. Konkret ging es um die Frage, wie Kinder und Jugendliche besser davor geschützt werden können, im Netz zum Gegenstand von Vermarktung zu werden. Die Petentin hat darauf hingewiesen, dass Familien ihren Lebensalltag mit den eigenen Kindern filmen, diese Inhalte auf Social-Media-Plattformen veröffentlichen und damit Reichweite erzielen – alles legitim, aber teilweise auch mit dem Ziel, über Werbung Geld zu verdienen. Die Grenzen zwischen dem Wunsch, sich auf Social Media zu zeigen, und einer problematischen Nutzung von Kindern für kommerzielle Zwecke sind hier denkbar schmal. Kinder können die Tragweite solcher Veröffentlichungen nicht überblicken. Besonders schwierig ist es natürlich, dass es oft die Eltern selbst sind, die diese Inhalte ins Netz stellen und zugleich die Sorgeberechtigten sind. Der Schutz von Kindern darf nicht an der Schwelle zum digitalen Raum enden. Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: David Mandrella (SPD) Wir als Petitionsausschuss haben diese Petition als Materialüberweisung an die Bundesregierung weitergegeben, damit dieses Thema in die weiteren Überlegungen zur Stärkung von Gesundheits- und Jugendmedienschutz einfließen kann. Eine weitere Petition, die wir beraten haben, fordert ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 16 Jahren. Auch diese Petition greift eine Debatte auf, die weltweit in sehr vielen Ländern geführt wird; denn natürlich sehen wir alle, dass eine übermäßige Nutzung sozialer Medien mit langen Bildschirmzeiten, problematischen Algorithmen und vielem mehr für Kinder und Jugendliche negative Folgen hat. Gleichzeitig hat die öffentliche Beratung gezeigt, dass die Antwort nicht so einfach ist, wie sie auf den ersten Blick erscheint; denn Kinder und Jugendliche haben in dieser Welt, in der digitalen Welt, auch ein Recht auf Teilhabe. Es geht um den Schutz, aber es geht auch um die Frage, wie Jugendliche lernen können, sich sicher und verantwortungsvoll in digitalen Räumen zu bewegen. Hier liegt aber ein abschließender Beschluss des Petitionsausschusses noch nicht vor. Und ganz zum Schluss möchte ich noch mal auf ein Thema aufmerksam machen, das heute auch schon angesprochen wurde. Im Internet gibt es inzwischen zahlreiche privatwirtschaftliche Anbieter, bei denen Forderungen online aufgestellt und Unterstützer gesammelt werden können. Das mag schnell Aufmerksamkeit erzeugen. Aber es ersetzt eben nicht das Petitionsverfahren des Deutschen Bundestages. Beifall: Union Beifall: AfD Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Nur hier gibt es ein geordnetes Verfahren und bei Erreichen des Quorums eine öffentliche Beratung, in der der Petent selbst zu Wort kommt und die Bundesregierung Stellung nimmt. Ich will deshalb auch einmal an alle Kolleginnen und Kollegen in diesem Haus appellieren, immer wieder auf unser offizielles Verfahren hinzuweisen und für unser Verfahren zu werben. Denn es ist der verfassungsmäßige Weg, auf dem Menschen ihr Anliegen direkt an das Parlament richten können – nicht nur sichtbar, sondern wirksam. Denn dafür steht der Petitionsausschuss. Vielen Dank. Beifall: Union Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.)

Wolfgang Dahler würdigt die Bedeutung des Petitionsausschusses als direktes demokratisches Instrument zur Artikulation von Bürgeranliegen und hebt dessen Rolle als Frühwarnsystem für gesellschaftliche Themen hervor. Er plädiert für eine Stärkung des offiziellen Petitionsverfahrens gegenüber privaten Anbietern und diskutiert anhand von Beispielen den Jugendschutz im Internet sowie die Novellierung des Quorums.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Wir hören für die AfD-Fraktion Olaf Hilmer. Beifall: AfD
OL Olaf Hilmer AfD rede Im Protokoll ↗
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Bürger! Jeden einzelnen Werktag landen fast 50 Petitionen auf dem Tisch des Deutschen Bundestages – nicht irgendwelche, sondern echte Hilferufe von Menschen, die mit den Verhältnissen in diesem Land nicht mehr klarkommen. 12 399 Petitionen im Jahr 2025 nach 9 260 im Vorjahr: ein Anstieg um 34 Prozent. Das ist kein Zufall. …
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Bürger! Jeden einzelnen Werktag landen fast 50 Petitionen auf dem Tisch des Deutschen Bundestages – nicht irgendwelche, sondern echte Hilferufe von Menschen, die mit den Verhältnissen in diesem Land nicht mehr klarkommen. 12 399 Petitionen im Jahr 2025 nach 9 260 im Vorjahr: ein Anstieg um 34 Prozent. Das ist kein Zufall. Das ist ein Stimmungsbild eines Landes, das langsam die Geduld verliert. Ich habe mich bewusst für die Arbeit im Ausschuss für Bürgeranliegen entschieden. Hier landen die echten Sorgen der Menschen, ihre Ideen, ihre Probleme, ihre ganz persönlichen Schicksale. Und deshalb beraten wir diese Fälle über alle Parteien hinweg mit dem klaren Ziel, sachlich Lösungen zu finden. Beifall: AfD Beifall: Andreas Mattfeldt (Union) Artikel 17 unseres Grundgesetzes ist keine Formalie. Jeder hat das Recht, sich mit Bitten und Beschwerden direkt an das Parlament zu wenden. Das ist echte Bürgerbeteiligung, nicht auf Zuruf, sondern geordnet und nachprüfbar. Und ich sage deshalb ganz klar: Lassen Sie sich nicht von den bunten, lauten Onlineplattformen vernebeln. Wer echte Wirkung will, wer eine ordentliche Prüfung und einen klaren Weg braucht, der ist hier richtig. Nur im Deutschen Bundestag gibt es das Original: mit richtiger Prüfung am Anfang, einer ausführlichen Berichterstattung und am Ende mit einer Entscheidung. Online-Empörung ersetzt keine richtige Parlamentsarbeit. Ein Beispiel macht das deutlich: 2024 haben über 400 000 Menschen über eine Onlineplattform abgestimmt, dass das EM-Viertelfinalspiel zwischen Deutschland und Spanien wiederholt werden soll.Heiterkeit: AfD (einzelne Abg.) Heiterkeit: Union (einzelne Abg.) Ergebnis? Das Spiel wurde natürlich nicht wiederholt. Spanien wurde am Ende Europameister. So viel zum Unterschied zwischen laut und wirksam. Beifall: AfD Unser aktueller Bericht zeigt: 69 Prozent der Eingaben sind ganz persönliche Anliegen: Reibereien mit Behörden, undurchsichtige Verfahren, Entscheidungen, die die Menschen als ungerecht empfinden. Genau hier muss die Politik ansetzen: schneller, verständlicher und bürgernäher! Meine Damen und Herren, mein großer Dank geht an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ausschussdienstes. Ohne ihre Arbeit wäre das nicht möglich. Beifall: AfD Beifall: Union (einzelne Abg.) Dank auch an die derzeitige Vorsitzende, Frau Dr. Hülya Düber, für die Leitung des Ausschusses. Beifall: AfD Beifall: Union Nur eines muss noch gesagt werden: Der Vorsitz steht nach den Regeln des Parlaments der AfD-Fraktion zu. Unser Sprecher Manfred Schiller hätte diese Aufgabe sachlich, fair und im Sinne des Parlaments hervorragend gemacht. Aber es wurde ihm verwehrt. Darum mein Appell: Wer das Recht auf Petitionen ernst nehmen will, der muss auch die Regeln des Parlaments ernst nehmen. Vielen Dank. Beifall: AfD

Der Redner betont die Bedeutung des Petitionsausschusses als Ort echter Bürgerbeteiligung und grenzt diese wirksame Arbeit gegen lautstarke Online-Proteste ab. Er kritisiert am Ende die Verweigerung des Ausschussvorsitzes an seine Fraktion als Verstoß gegen die parlamentarischen Regeln.

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BO Bodo Ramelow Vizepräsident sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Als letzte Stimme in der Aussprache hören wir Sandra Carstensen für die CDU/CSU-Fraktion. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)
SA Sandra Carstensen Union rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Was bewegt die Menschen in unserem Land? Was wollen Sie verändern? Wo sehen Sie Handlungsbedarf? Welche Erwartungen richten Sie an die Politik? Kaum ein Bericht beantwortet diese Fragen so deutlich wie der aktuelle Petitionsbericht. Denn hier sprechen nicht Institutionen, Verbände oder Interessenvertretungen, hier kommen die Bürgerinnen und Bürger selbst zu Wort: …
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Was bewegt die Menschen in unserem Land? Was wollen Sie verändern? Wo sehen Sie Handlungsbedarf? Welche Erwartungen richten Sie an die Politik? Kaum ein Bericht beantwortet diese Fragen so deutlich wie der aktuelle Petitionsbericht. Denn hier sprechen nicht Institutionen, Verbände oder Interessenvertretungen, hier kommen die Bürgerinnen und Bürger selbst zu Wort: mit ihren Sorgen, ihren Erfahrungen und ihren Vorschlägen für Verbesserungen. Und meist verbergen sich ganz höchstpersönliche Schicksale dahinter. Der Petitionsbericht ist deshalb weit mehr als eine Sammlung von Eingaben. Er ist ein Seismograf für die Stimmung im Land und ein wichtiger Gradmesser dafür, was die Menschen von uns im Parlament erwarten. Beifall: Union Beifall: Ina Latendorf (Linke) Die Vielfalt der eingereichten Petitionen zeigt dabei die ganze Bandbreite gesellschaftlicher Themen. Sie reicht von ganz konkreten Problemen im Alltag bis hin zu grundsätzlichen Fragen unseres Zusammenlebens. Gerade diese Vielfalt macht den besonderen Wert des Petitionswesens aus: Es eröffnet den Menschen die Möglichkeit, Anliegen auf die politische Agenda zu setzen, die sonst womöglich ungehört bleiben würden. Es sind heute schon viele schöne Beispiele genannt worden, und es ist natürlich das Handicap, wenn man als Letzter spricht, dass man nicht alles wiederholen sollte. Ein paar schöne Beispiele, wo Petitionen etwas bewegt haben, möchte ich aber dennoch erwähnen. Zum einen die Petition zum Schutz vor häuslicher Gewalt. Dahinter steht eine klare Botschaft: Häusliche Gewalt ist kein privates Problem. Sie ist ein Angriff auf die Würde, die Freiheit und die körperliche Unversehrtheit der Betroffenen. Sie hinterlässt oft tiefe Spuren, und das nicht nur bei den Opfern selbst, sondern auch bei den Familien und ihren Kindern. Der Petitionsausschuss hat dieses Anliegen ausdrücklich aufgegriffen. Noch immer sind die Opfer häuslicher Gewalt überwiegend Frauen. Umso wichtiger ist es, dass wir in den vergangenen Jahren den Schutz der Betroffenen weiter gestärkt haben, Beifall: Union Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) zum Beispiel durch die Reform des Gewaltschutzgesetzes und den Einsatz elektronischer Fußfesseln. Diese Petition zeigt zugleich, welche Bedeutung das Petitionswesen für unsere parlamentarische Arbeit hat. Bürgerinnen und Bürger benennen Missstände, stoßen Debatten an und geben wichtige Impulse für politische Entscheidungen. An dieser Stelle wollte ich als Frau eines Hobbyimkers jetzt auch etwas zu den Honigbienen sagen. Heiterkeit: Union (einzelne Abg.) Lieber Nicklas, das hast du mir so wunderbar abgenommen. Ich will mich da nicht wiederholen, aber ich möchte auch die Gelegenheit nutzen, um mich von ganzem Herzen bei all den fleißigen Bienen des Ausschusssekretariats zu bedanken, die uns diese tolle Arbeit ermöglichen. An die zwölf Vertreterinnen und Vertreter des Ausschusssekretariats und die hinter ihnen stehenden weiteren 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter insgesamt und ihr gesamtes Team: Herzlichen Dank dafür! Beifall Dann möchte ich gleichwohl noch auf eine weitere Petition eingehen, die mir auch aufgrund besonderer familiärer Betroffenheit am Herzen liegt. Sie fordert ein Recht auf einen Wohnplatz und eine strukturierte Tagesbetreuung für Erwachsene mit Behinderungen. Viele Familien finden für ihre Kinder mit schweren Behinderungen keinen geeigneten Wohn- und Betreuungsplatz. Die Folge ist für alle eine enorme Belastung. Der Ausschuss hat zu Recht festgehalten, dass es hierbei nicht um Einzelfälle geht, sondern um ein Schicksal, das viele Familien in ganz Deutschland betrifft: zu wenig Plätze, zu wenig Fachkräfte und fehlender barrierefreier Wohnraum. Zwar liegt die Verantwortung für den Ausbau dieser Strukturen in erster Linie bei den Ländern und Kommunen. Angesichts der gesellschaftlichen Tragweite dieses Themas darf sich aber auch der Bund seiner Verantwortung nicht entziehen. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Da waren wir uns im Ausschuss alle einig, und deshalb wurde diese Petition auch der Bundesregierung zur Erwägung überreicht. Diese beispielhaften Petitionen könnten schon auf dem ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Sie zeigen die ganze Vielfalt unseres Wirkens und auch der Themen, die die Menschen in unserer Bevölkerung beschäftigen. Sie zeigen alle, worum es im Kern des Petitionsrechtes geht: Bürgerinnen und Bürger formulieren konkrete Verbesserungsvorschläge und geben wichtige Impulse für politisches Handeln. In diesem Zusammenhang wird auch die besondere Rolle des Petitionsausschusses im Vergleich zu anderen digitalen Beteiligungsformaten deutlich. Während auf privaten Plattformen häufig die Organisation von Kampagnen, die Mobilisierung möglichst großer Unterstützerzahlen und auch die kommerzielle Verwendung der Nutzerdaten im Vordergrund stehen, ist das parlamentarische Petitionsverfahren unmittelbar und allein dem Grundrecht aus Artikel 17 des Grundgesetzes verpflichtet. Beifall: Union Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Beifall: Tina Winklmann (Grüne) Jede Petition wird unabhängig von ihrer Reichweite, ihrer medialen Aufmerksamkeit oder der Zahl ihrer Unterstützerinnen und Unterstützer geprüft. Entscheidend ist allein das Anliegen selbst. Diese Gleichbehandlung aller Eingaben unterscheidet das parlamentarische Petitionsverfahren grundlegend von privaten Beteiligungsplattformen und macht seinen besonderen Wert für unsere parlamentarische Demokratie aus. Der Petitionsbericht 2025 zeigt uns deutlich: Die Bürgerinnen und Bürger wollen gehört werden. Unsere Aufgabe ist es, zuzuhören, ihre Anliegen ernst zu nehmen und daraus die richtigen politischen Konsequenzen zu ziehen. Herzlichen Dank. Beifall: Union Beifall: AfD Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.)

Sandra Carstensen würdigt den Petitionsbericht 2025 als zentrales Instrument der direkten Demokratie, das die Sorgen der Bürger aufgreift und politische Veränderungen anstößt, und hebt dabei die Bedeutung des parlamentarischen Verfahrens gegenüber privaten Plattformen hervor.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Das war die letzte Rednerin in dieser Debatte. Ich schließe damit die Aussprache zum Tagesordnungspunkt 3. Wir kommen jetzt zu den Tagesordnungspunkten 4a und 4b sowie zu Tagesordnungspunkt 22: 4 a) Erste Beratung des von den Abgeordneten Dr. Lena Gumnior, Helge Limburg, Dr. Till Steffen, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines …Gesetzes zur Änderung der …
Das war die letzte Rednerin in dieser Debatte. Ich schließe damit die Aussprache zum Tagesordnungspunkt 3. Wir kommen jetzt zu den Tagesordnungspunkten 4a und 4b sowie zu Tagesordnungspunkt 22: 4 a) Erste Beratung des von den Abgeordneten Dr. Lena Gumnior, Helge Limburg, Dr. Till Steffen, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines …Gesetzes zur Änderung der Strafprozessordnung – Zeugnisverweigerungsrecht in der Sozialen Arbeit und ehrenamtlichen Rechtsberatung Drucksache 21/4290 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz (f) Ausschuss für Sport und Ehrenamt Ausschuss für Arbeit und Soziales b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Helge Limburg, Tina Winklmann, Dr. Ophelia Nick, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Fanrechte im Fußball stärken – Diskriminierung und Repression bekämpfen, demokratische Beteiligung fördern Drucksache 21/4293 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Sport und Ehrenamt (f) Innenausschuss Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend 22 Beratung des Antrags der Abgeordneten Clara Bünger, Jorrit Bosch, Christian Görke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke Fankultur schützen – Dialog statt Repression, Mitbestimmung statt Diskriminierung Drucksache 21/5826 Überweisungsvorschlag: Innenausschuss (f) Ausschuss für Sport und Ehrenamt Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Bitte nehmen Sie die notwendigen Platzwechsel vor. – Für die Aussprache wurde eine Dauer von 30 Minuten vereinbart. Ich eröffne hiermit die Aussprache. Der erste Redner in dieser Debatte ist für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Helge Limburg. Beifall: Grüne
HE Helge Limburg Grüne rede Im Protokoll ↗
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Woran denken Sie, wenn Sie an Fußballfans denken? Ich denke da an die vielen Hunderttausend Menschen, die jedes Wochenende in den ersten Profiligen ihrer Leidenschaft nachgehen, die mit Fanmärschen in Stadien pilgern, die kreative Choreografien präsentieren, die so mancher Theaterbühne im Land alle Ehre machen würde, die durch kreative, leidenschaftliche Gesänge …
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Woran denken Sie, wenn Sie an Fußballfans denken? Ich denke da an die vielen Hunderttausend Menschen, die jedes Wochenende in den ersten Profiligen ihrer Leidenschaft nachgehen, die mit Fanmärschen in Stadien pilgern, die kreative Choreografien präsentieren, die so mancher Theaterbühne im Land alle Ehre machen würde, die durch kreative, leidenschaftliche Gesänge ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl erzeugen, die alle gesellschaftlichen Grenzen hinwegsprengen. Kurz gesagt: Ich bin dankbar für unsere engagierte, demokratische Fanszene, für ihr soziales, gesellschaftliches Engagement, für den Einsatz gegen Diskriminierung und Rassismus im Stadion. Beifall: Grüne Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Aber woran denken die Innenminister/-innen der Länder offenkundig, wenn sie an Fans denken? ↳ Florian Oest (Union): »Sie denken an die Sicherheit!« Hier wird immer wieder ein Zerrbild gezeichnet. Fans werden fast ausschließlich als Gewalttäter oder als potenzielle Gefahrenquelle gesehen. Und so wird immer wieder Repression und Eskalation rund um Fußballspiele herbeigeredet. Dabei, meine Damen und Herren, sind die Zahlen zum Thema Sicherheit eindeutig. Bei insgesamt über 25 Millionen Zuschauern in der vorvergangenen Saison in den ersten drei Herrenligen im Fußball hatten wir zuletzt 9 Prozent weniger erbrachte Polizeiarbeitsstunden, 17 Prozent weniger Verletzte, 22 Prozent weniger eingeleitete Strafverfahren rund um Fußballspiele. Natürlich gibt es Gewalt durch Fans. Und das ist und bleibt völlig inakzeptabel. Es wird zu Recht hart verfolgt, wenn zum Beispiel Polizisten massiv angegriffen und verletzt werden wie Anfang des Jahres in Magdeburg. Aber man darf doch nicht andauernd den Eindruck erwecken, als wäre das quasi der Normalfall am Wochenende in unseren Stadien. Beifall: Grüne Beifall: Johannes Schraps (SPD) Die Stadien sind sicher, und noch mehr Sicherheit erreicht man nicht durch mehr Überwachung und mehr Repression,↳ AfD: »Doch!« sondern nur durch mehr Prävention und mehr Dialog. Nicht gegen, sondern nur mit den Fans erreichen wir noch mehr Sicherheit in den Stadien, meine Damen und Herren. Beifall: Grüne Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Die ganz überwiegende Zahl der Fans ist friedlich, und deswegen darf es für Maßnahmen wie KI-gestützte Videoüberwachung, personalisiertes Ticketing oder ähnliche Pauschalmaßnahmen auch überhaupt keinen Raum geben. Die Datei „Gewalttäter Sport“ muss endlich grundlegend überarbeitet werden, wie es auch das Bundesverfassungsgericht einfordert. Auch Verschärfungen der Stadionverbote sind fehl am Platz. Meine Damen und Herren, die Fanprojekte leisten eine so wichtige Arbeit für friedliche demokratische Fußballkultur. Umso fataler ist es, wenn Staatsanwaltschaften und Polizeien immer stärker dazu übergehen, ihnen die Arbeit schwerzumachen, durch Vorladungen versuchen, sie zu Aussagen über Fans zu zwingen, und damit das so wichtige Vertrauen zwischen Fans und Fanprojekten zerstören. Wir brauchen endlich ein Zeugnisverweigerungsrecht in der sozialen Arbeit für Fanprojekte, aber auch für andere Initiativen wie Feminist Law Clinic, die so eine wichtige ehrenamtliche Arbeit machen und dabei rechtlich so unzureichend geschützt sind, liebe Kolleginnen und Kollegen. Beifall: Grüne Beifall: Linke (einzelne Abg.) Meine Damen und Herren, Fans, auch die Ultras, sind doch entscheidend für echte Stimmung im Stadion. Keiner von uns, auch nicht auf den Tribünen, will doch schweigende Fankurven sehen. Wer Fans als Stimmungsmacher will, darf sie nicht anderntags als Krawallmacher diffamieren, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir brauchen keine Sicherheitsoffensive im Stadion; wir brauchen endlich echten Dialog mit den Fans und ihren Fandachverbänden – echten Dialog auf Augenhöhe. Meine Damen und Herren, es muss endlich in die Köpfe sämtlicher Innenministerinnen und Innenminister rein: Grundrechte gelten auch im Stadion; Grundrechte gelten auch für Fans. Vielen Dank. Beifall: Grüne Beifall: Linke (einzelne Abg.) Beifall: Johannes Schraps (SPD)

Helge Limburg verteidigt die Fußballfanszene gegen eine seiner Ansicht nach von den Innenministern der Länder gezeichnete negative Wahrnehmung und fordert statt Repression einen präventiven Dialog sowie den Schutz der Grundrechte im Stadion.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Der nächste Redner in dieser Debatte ist Axel Müller für die Unionsfraktion. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)
AX Axel Müller Union rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das oberste Ziel im Strafverfahren ist das Herausfinden der Wahrheit, ja, geradezu die Pflicht; denn Richter und Richterinnen wollen und sollen – das weiß ich aus meiner eigenen, fast drei Jahrzehnte dauernden Tätigkeit als Richter – ein richtiges und kein falsches Urteil fällen. Um dieser Aufklärungspflicht …
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das oberste Ziel im Strafverfahren ist das Herausfinden der Wahrheit, ja, geradezu die Pflicht; denn Richter und Richterinnen wollen und sollen – das weiß ich aus meiner eigenen, fast drei Jahrzehnte dauernden Tätigkeit als Richter – ein richtiges und kein falsches Urteil fällen. Um dieser Aufklärungspflicht gerecht zu werden, kennt die Strafprozessordnung vier Beweismittel: den Zeugenbeweis, den Sachverständigenbeweis, den Augenscheinsbeweis und den Urkundenbeweis. Der Zeugenbeweis ist zwar der unsicherste, aber zugleich der wichtigste. Das gilt bei unmittelbarer Tatwahrnehmung, aber auch bei anvertrauten Gesprächen mit einem späteren Angeklagten. Zeuge im Strafprozess zu sein, bedeutet: Pflicht zum Erscheinen und Pflicht zur vollständigen und wahrheitsgemäßen Aussage, ohne etwas hinzuzufügen oder wegzulassen. Von dieser Aussagepflicht ist nur eine eng umrissene Personengruppe befreit, die § 53 der Strafprozessordnung abschließend aufzählt. Das wären beispielsweise Geistliche, Rechtsanwälte, Ärzte oder Mitarbeiter staatlich anerkannter Drogen- oder Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen. Der vorliegende Gesetzentwurf von Bündnis 90/Die Grünen, auf den ich mich in meiner Rede beschränken will, will diesen Katalog – es wurde gerade vorgetragen – erweitern: zum einen um alle Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, zum anderen um Personen, die unter Anleitung ehrenamtlich und unentgeltlich Rechtsberatung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz leisten, in der Regel Studierende der Rechtswissenschaften. Ich nenne nun zwei Gründe, warum wir das für nicht vertretbar halten. Erstens. Nach § 244 Absatz 2 der Strafprozessordnung sind die Gerichte zur umfassenden Sachverhaltsaufklärung verpflichtet. Das setzt voraus, dass alle von mir genannten verfügbaren Beweismittel genutzt werden können. Deshalb muss der Kreis der Zeugnisverweigerungsberechtigten auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt bleiben, und genau dies leistet der Entwurf nicht. Die Entwurfsverfasser verweisen auf das Vertrauensverhältnis in der sozialen Arbeit und in ehrenamtlicher Rechtsberatung. Dabei bleibt aber unberücksichtigt, dass nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts der Bürger zunächst einmal staatliche Maßnahmen wie die Zeugenpflicht hinzunehmen hat, wenn dies im überwiegenden Allgemeininteresse liegt und nicht unverhältnismäßig ist. Typische Fälle eines besonders geschützten Vertrauensverhältnisses sind beispielsweise das Arzt-Patienten-Verhältnis oder das Verhältnis von einem Rechtsanwalt zu seinem Mandanten. Warum jemand zum Arzt geht oder was er seinem Verteidiger anvertraut, geht das Gericht grundsätzlich nichts an. Beides betrifft den Kern der Tätigkeit in diesen Berufen. Das gilt jedoch nicht für einen Sozialarbeiter, der beispielsweise am Rande seiner Betreuung in einem Jugendzentrum von einem Jugendlichen, der zu ihm Vertrauen gefasst hat, von dessen Straftaten erfährt, auch nicht in einem Fanprojekt, wo es darum geht, die Fans zu betreuen und ihre sozialen Kompetenzen zu stärken. ↳ Helge Limburg (Grüne): »Richtig!« Wenn da solche Aussagen getätigt werden, betrifft das nicht den Kernbereich der Tätigkeit. Hier überwiegt also das Interesse der Allgemeinheit an der Wahrheitsfindung. Wer diese durch ein zusätzliches Zeugnisverweigerungsrecht erschwert, weil das Gericht den Sozialarbeiter nicht mehr befragen darf, nimmt der Strafrechtspflege den Zugang zur Wahrheit. ↳ Helge Limburg (Grüne): »Nein! Der stärkt den Sinn der sozialen Arbeit!« Zweitens. Jede Ausdehnung des strafprozessualen Zeugnisverweigerungsrechts aus beruflichen Gründen bedarf einer Legitimation, die eng mit der Berufsausbildung verbunden ist. Die Entwurfsverfasser verweisen dafür auf die professionelle Ausbildung von Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen. Das genügt den strengen Maßstäben des Bundesverfassungsgerichts nicht. Für solch eine Privilegierung bedarf es mehr. Dies verlangt zusätzliche Regulative wie ein strenges Standesrecht, ein Berufsrecht oder Berufsgerichte. Bei ehrenamtlichen Rechtsberatern fehlt es zudem an einer abgeschlossenen Ausbildung und damit an der Kenntnis der eigenen Pflichten. Gerade hier wäre ein Zeugnisverweigerungsrecht besonders schwer zu verantworten. Meine Damen und Herren, wer den Katalog des § 53 StPO weiter öffnet, schwächt die Aufklärung von Straftaten und schränkt damit die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaates unverhältnismäßig ein. Diesen Weg werden wir nicht mitgehen. Wir lehnen den Entwurf daher ab. Danke schön. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)

Axel Müller spricht sich gegen einen Gesetzentwurf von Bündnis 90/Die Grünen aus, der das Zeugnisverweigerungsrecht auf Sozialarbeiter und ehrenamtliche Rechtsberater ausweiten soll. Er argumentiert juristisch, dass dies die Aufklärungspflicht der Gerichte und die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaates schwäche.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Der nächste Redner in dieser Debatte ist Knuth Meyer-Soltau für die AfD-Fraktion. Beifall: AfD
KN Knuth Meyer-Soltau AfD rede Im Protokoll ↗
Hohes Präsidium! Meine Damen und Herren! Es ist immer etwas schlecht, wenn ein ehemaliger Richter vor einem spricht, nicht wahr? – Dieser Gesetzentwurf trägt das hübsche Etikett „Vertrauen“, ist aber tatsächlich nichts anderes als grüner Mist mit roten Sprenkeln; denn diese Verpackung beinhaltet die Aufweichung eines Grundpfeilers unseres Strafprozesses. Das Bundesverfassungsgericht hat unmissverständlich betont: Die Wahrheitsermittlung ist der Kern der …
Hohes Präsidium! Meine Damen und Herren! Es ist immer etwas schlecht, wenn ein ehemaliger Richter vor einem spricht, nicht wahr? – Dieser Gesetzentwurf trägt das hübsche Etikett „Vertrauen“, ist aber tatsächlich nichts anderes als grüner Mist mit roten Sprenkeln; denn diese Verpackung beinhaltet die Aufweichung eines Grundpfeilers unseres Strafprozesses. Das Bundesverfassungsgericht hat unmissverständlich betont: Die Wahrheitsermittlung ist der Kern der Strafrechtspflege. Der Kreis der Zeugnisverweigerungsberechtigten muss eng bleiben. – Und genau dieses Maß wird hier überschritten. Jede Ausweitung des Schweigerechts verengt die Chance auf Aufklärung und erhöht das Risiko von Fehlurteilen ohne zwingenden Grund. Beifall: AfD Sucht- und Schwangerschaftskonfliktberatungen schützen vor Selbstbelastung. In der sozialen Arbeit fehlt diese Gefahr. Wenn wir heute Ja zur sozialen Arbeit sagen, dann sagen wir morgen Nein zu Opferberatung, zu Frauenhäusern, Fanprojekten oder Aussteigerprogrammen aus dem Linksextremismus. Das Feld ist nicht mehr abgrenzbar. Vertrauen entsteht durch professionelle Arbeit, klare Regeln und Schutzmechanismen, die es längst gibt. Juristische Beratung hat man bei qualifizierten Rechtsanwälten zu suchen und nicht bei sozialen Berufen. Beifall: AfD Wir sind nicht dazu da, politisch motivierte Schweigerechte zu verteilen. Wir sind dazu da, die Grundlagen des Rechtsstaates zu schützen und zu erhalten. Beifall: AfD (einzelne Abg.) Lassen Sie mich noch etwas zum Antrag zu den Fanrechten sagen. Ich habe das ja sehr viele Jahre gemacht. Man könnte fast meinen, der deutsche Fußball stünde kurz vor dem Zusammenbruch – nicht wegen fehlender Nachwuchsförderung, nicht wegen Geldwäsche oder Millionenverträgen, sondern weil Fans angeblich zu wenig demokratisch beteiligt werden. Das ist Politik im Modus „Slapstick“. Was im Antrag gefordert wird, ist ein Wunschzettel aus der sozialpädagogischen Zauberwelt: mehr Beteiligung, mehr Projekte, vor allen Dingen mehr Geld, mehr Beauftragte, mehr Programme, mehr Strukturen, kurzum: mehr Staat, weniger Realität. Wer will denn das? Die Fans mit Sicherheit nicht. Wir als AfD sagen: Ja zur Freiheit! Ja zur Fankultur! Ja zu deutschen Fahnen, auch im Deutschen Bundestag! Die WM fängt jetzt an, und ich hoffe, ich sehe sehr viele deutsche Fahnen. Beifall: AfD Wer Gewalt ausübt, gehört bestraft. Punkt! Wer friedlich ins Stadion geht, braucht keinen Betreuungsstaat. Eine starke Fankultur ist gut für Deutschland, eine übergriffige, also grün-linke Politik, ist es nicht. Wir lehnen den Gesetzentwurf daher ab. Recht herzlichen Dank. Beifall: AfD

Der Redner lehnt den Gesetzentwurf zur Zeugnisverweigerung in der sozialen Arbeit sowie einen Antrag zu Fanrechten ab. Er argumentiert gegen eine Ausweitung von Schweigerechten zu Lasten der Wahrheitsfindung und kritisiert staatliche Bevormundung im Fußballstadion.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend polemischmoralischkonfrontativ Populismus 0,60 Farbige Stellen anklicken für die Deutung
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Der nächste Redner in dieser Debatte ist Daniel Bettermann für die SPD-Fraktion. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.)
DA Daniel Bettermann SPD rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Fußballfans! Es ist das gute Recht der Opposition, Anträge in den Bundestag einzubringen. Das macht unseren Parlamentarismus lebendig und stärkt die demokratische Debatte hier im Hohen Haus. Da der Sport von Fairness lebt, möchte ich an dieser Stelle auch gern zum Ausdruck bringen, dass ich den Antrag der Grünen durchaus sehr …
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Fußballfans! Es ist das gute Recht der Opposition, Anträge in den Bundestag einzubringen. Das macht unseren Parlamentarismus lebendig und stärkt die demokratische Debatte hier im Hohen Haus. Da der Sport von Fairness lebt, möchte ich an dieser Stelle auch gern zum Ausdruck bringen, dass ich den Antrag der Grünen durchaus sehr unterstützenswert finde und viele gute Ansatzpunkte darin sehe. Als leidenschaftlicher Fußballfan und langjähriges Vorstandsmitglied bei meinem Heimatverein, dem KSV Hessen Kassel, muss ich anerkennen: Wir müssen bei dem Thema Fansozialarbeit besser werden. Ein Zeugnisverweigerungsrecht im Fußball, vor allem bei Fanprojekten und für die dort mitarbeitenden Sozialarbeiter/-innen, brauchen wir. Das ist ein ganz relevanter, wesentlicher Punkt. Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Solange der § 53 der Strafprozessordnung keine Erweiterung erfährt, wird weiterhin zunehmend die Frage aufkommen, unter welchen Voraussetzungen die professionelle Arbeit in den bundesweiten Fanprojekten fortgesetzt werden kann und welche Konsequenzen sich aus einer Beibehaltung des Status quo ergeben. In den vergangenen Jahren kam es mehrfach zu Verfahren, bei denen Ordnungs- und Justizbehörden Aussagen von Fanarbeitern gegen die von ihnen betreuten Personen verlangten. Angesichts der gegenwärtigen Situation, zum Beispiel in den deutschen Ultraszenen, ist davon auszugehen, dass Zeugenaussagen von Fanarbeitern in Ermittlungs- und Gerichtsverfahren eine zukünftige vertrauensvolle, gemeinsame Zusammenarbeit erheblich erschweren und nicht selten unmöglich machen. Gerade in der Klientenarbeit, gerade in der Jugendarbeit kommt es natürlich auch auf Vertrauen an. Fest steht: Die geltenden Rechtsvorschriften aus den 50er-Jahren werden den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht. Ich bin überzeugt, dass eine gezielte Erweiterung weder die Beweismöglichkeiten der Strafverfolgungsbehörden noch die Funktionsfähigkeit der Rechtspflege beeinträchtigen würde. Die Vorteile einer solchen Rechtserweiterung liegen hingegen auf der Hand: Erstens schaffen wir Rechtssicherheit und beseitigen bestehende Rechtsunsicherheiten. Zweitens verhindern wir weitere Gewissenskonflikte bei Fanarbeiterinnen und Fanarbeitern. Drittens stärken und fördern wir die Vertrauensarbeit, gerade gegenüber der Klientel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Darüber hinaus begrüße ich, dass Sie in Ihrem Antrag die wichtige Arbeit der Fanprojekte ebenfalls ansprechen. An dieser Stelle möchte ich dem Fanprojekt „Fullestadt“ aus meinem Wahlkreis Kassel sowie allen weiteren 70 Fanprojekten bundesweit für ihre wertvolle Arbeit danken. Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Es ist richtig, dass die Finanzierung der Koordinierungsstelle Fanprojekte trotz deutlich gestiegener Anforderungen über Jahre hinweg unverändert geblieben ist. Deshalb ist es wichtig, dass sich das BMBFSFJ, der DFB sowie die DFL grundsätzlich darauf verständigt haben, die inflationsbedingten Kostensteigerungen auszugleichen. Die laufende Förderphase wird zudem genutzt, um die Handlungsfähigkeit der KOS und der Fanprojekte ab 2027 zukunftsfest aufzustellen. Das braucht es jetzt auch. Auch beim Thema Stadionallianzen bin ich ausdrücklich bei Ihnen. Sie sind ein wichtiger Baustein in der Sicherheitsarchitektur im Fußball. Sie verbessern die Netzwerkarbeit und fördern Vertrauen und die Kommunikation zwischen Vereinen, ↳ Helge Limburg (Grüne): »Richtig!« Polizei, Kommunen und Fanprojekten. ↳ Helge Limburg (Grüne): »Richtig!« Sie tragen zur Entlastung der Polizei bei und leisten einen wichtigen Beitrag zu einem positiven Stadionerlebnis. Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Hendrik Bollmann (SPD) ↳ Tina Winklmann (Grüne): »Zustimmung!« Der Stadionbesuch in Deutschland ist sicher. In Hessen verfügen wir seit 2022 über eine solche Stadionallianz, an die auch mein Heimatverein, der KSV Hessen Kassel, angedockt ist. Die bisherigen Erfahrungen zeigen deutlich, dass es immer weniger Kriminalitätsprobleme und immer weniger Gewalt in den Stadien gibt. Die neun Bundesländer sind da auf einem richtigen Weg. In diesem Zusammenhang ist mir der Punkt in Ihrem Antrag allerdings etwas zu kurz gegriffen. Deshalb plädiere ich dafür, Stadionallianzen mit einheitlichen Standards bundesweit zu etablieren und sie ausdrücklich als eigenständiges Instrument in das Nationale Konzept Sport und Sicherheit, kurz: NKSS, aufzunehmen. Der Titel Ihres Antrags „Fanrechte im Fußball stärken – Diskriminierung und Repression bekämpfen, demokratische Beteiligung fördern“ klingt zunächst sehr vielversprechend. Allerdings ist die Bundesregierung für viele Ihrer Forderungen schlichtweg der falsche Adressat. Die Bundesregierung plant weder die Einrichtung einer bundesweiten zentralen Stadionverbotskommission, noch kann sie kollektive Stadionverbote verhängen. Ebenso wenig liegt die Einführung personalisierter Tickets in ihrer Zuständigkeit. Wer politische Forderungen stellt, sollte auch die Zuständigkeit im Blick haben, ↳ Helge Limburg (Grüne): »Die Bundesregierung hält sich da völlig raus! Sehe ich das richtig?« ansonsten ist ein Fehlpass vorprogrammiert. Die entscheidenden Mitspieler an dieser Stelle sind die Verbände, die Vereine, die Länder – Stichwort: IMK und vor allem die Bund-Länder-offene Arbeitsgruppe BLoAG, die sich derzeit mit möglichen Maßnahmen beschäftigt.

Daniel Bettermann (SPD) unterstützt einen Antrag der Grünen zur Stärkung der Fansozialarbeit und von Fanrechten, mahnt jedoch die Einhaltung der Zuständigkeiten bei bestimmten Forderungen an und plädiert für bundesweite Standards bei Stadionallianzen.

✦ KI-generiert Respektvoll, wertschätzend sachlichpragmatisch Farbige Stellen anklicken für die Deutung
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Kollege, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage aus der Unionsfraktion.
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Müller, bitte.
AX Axel Müller Union rede Im Protokoll ↗
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Vielen Dank, Herr Kollege, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Jetzt haben Sie sich darauf beschränkt, zu sagen, es braucht ein Zeugnisverweigerungsrecht für Sozialarbeiter, die sich für Fanklubs engagieren. – Fanprojekte, danke. Ich lasse mich an der Stelle gern korrigieren. – So ist der Gesetzentwurf aber nicht formuliert. Der Gesetzentwurf sieht ein Zeugnisverweigerungsrecht für alle Sozialarbeiter …
Vielen Dank, Frau Präsidentin. Vielen Dank, Herr Kollege, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Jetzt haben Sie sich darauf beschränkt, zu sagen, es braucht ein Zeugnisverweigerungsrecht für Sozialarbeiter, die sich für Fanklubs engagieren. ↳ Helge Limburg (Grüne): »Fanprojekte!« ↳ Tina Winklmann (Grüne): »Fanprojekte!« – Fanprojekte, danke. Ich lasse mich an der Stelle gern korrigieren. – So ist der Gesetzentwurf aber nicht formuliert. Der Gesetzentwurf sieht ein Zeugnisverweigerungsrecht für alle Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen vor. Jetzt gebe ich Ihnen mal ein Beispiel und würde gerne wissen, ob Sie das dann auch noch für richtig halten: Ein ehrenamtlich Tätiger, der für die AWO unterwegs ist und Arbeitslose berät, bekommt im Rahmen seiner sozialarbeiterischen Tätigkeit mitgeteilt, dass ein Arbeitsloser die Arbeitslosenversicherung hinter die Fichte geführt und monatelang zu Unrecht Arbeitslosengeld bezogen hat. Würden Sie dem dann auch ein Zeugnisverweigerungsrecht zugestehen? Denn das wäre ja die Konsequenz dieses Antrags.

Axel Müller kritisiert einen Gesetzentwurf, der ein Zeugnisverweigerungsrecht für Sozialarbeiter vorsieht, als zu weit gefasst und fragt mittels eines Extrembeispiels nach den Grenzen dieses Rechts.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend pragmatischpolemisch Farbige Stellen anklicken für die Deutung
DA Daniel Bettermann SPD rede Im Protokoll ↗
Ich habe ja gesagt, dass ich es im Kern auf Fansozialarbeit beziehen würde. Wenn hingegen zweifelsfrei sichergestellt ist, dass wir es mit strafbaren Handlungen zu tun haben, dann muss es natürlich möglich sein, Ermittlungsverfahren einzuleiten. Im Fall des Fußballs geht es aber um etwas anderes. Da geht es um das Thema Kollektivstrafen. Da werden zum Beispiel ganze Gruppen von jungen …
Ich habe ja gesagt, dass ich es im Kern auf Fansozialarbeit beziehen würde. Wenn hingegen zweifelsfrei sichergestellt ist, dass wir es mit strafbaren Handlungen zu tun haben, dann muss es natürlich möglich sein, Ermittlungsverfahren einzuleiten. Im Fall des Fußballs geht es aber um etwas anderes. Da geht es um das Thema Kollektivstrafen. Da werden zum Beispiel ganze Gruppen von jungen Menschen identifiziert und geraten mehr oder weniger in eine Fahndung, und die Fansozialarbeiter werden dann genötigt, die einzelnen Identitäten offenzulegen, ohne dass klar ist, was sich die Betroffenen eigentlich zuschulden haben kommen lassen. ↳ Helge Limburg (Grüne): »Richtig!« Das ist im Prinzip eine Kollektivstrafe gegenüber jungen Menschen, und die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter werden genötigt, die Daten, die ihnen bekannt sind, weiterzugeben. Das Fanprojekt Karlsruhe ist ein Beispiel. Da gab es sehr harte Repressalien.

Der Redner kritisiert die Praxis von Kollektivstrafen im Fußballumfeld und die Nötigung von Fansozialarbeitern zur Herausgabe personenbezogener Daten ohne klaren Straftatverdacht.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend sachlichmoralisch Farbige Stellen anklicken für die Deutung
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Ich denke, das war jetzt die Beantwortung der Frage. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) ↳ Tina Winklmann (Grüne): »Aber gut erklärt!« Sie haben im Rechtsausschuss noch genügend Möglichkeiten, sich intensiv über die Details auszutauschen, was sicherlich noch ganz interessant wird. ↳ Axel Müller (Union): »Glaub ich auch!«
DA Daniel Bettermann SPD rede Im Protokoll ↗
Ich setze fort. – Um ehrlich zu sein, finde ich es bemerkenswert, dass die Grünen der Bundesregierung so viel Gestaltungskraft zutrauen; um daran anzuknüpfen, was die Bundesregierung auch im Fußball alles regeln kann. Ich bewerte das grundsätzlich als positives Signal. Apropos Mitspieler: Wenn wir schon beim Thema Fußball sind, möchte ich die Gelegenheit nutzen und unserer deutschen Elf für die …
Ich setze fort. – Um ehrlich zu sein, finde ich es bemerkenswert, dass die Grünen der Bundesregierung so viel Gestaltungskraft zutrauen; um daran anzuknüpfen, was die Bundesregierung auch im Fußball alles regeln kann. ↳ Helge Limburg (Grüne): »Jetzt enttäuschen Sie uns nicht!« Ich bewerte das grundsätzlich als positives Signal. Apropos Mitspieler: Wenn wir schon beim Thema Fußball sind, möchte ich die Gelegenheit nutzen und unserer deutschen Elf für die WM, die am Donnerstag startet, viel Erfolg wünschen. Wir stehen hinter euch und drücken ganz fest die Daumen. Auf geht’s, Männer! Vielen Dank und einen schönen Abend. Beifall: SPD Beifall: Union (einzelne Abg.) Beifall: AfD (einzelne Abg.) Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.)

Daniel Bettermann schließt seine Rede mit einer ironischen Bemerkung zur Gestaltungskraft der Bundesregierung, gefolgt von einem guten Wunsch für die deutsche Nationalmannschaft zur anstehenden WM.

✦ KI-generiert Ironisch, spöttisch ironischemotional Farbige Stellen anklicken für die Deutung
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Die nächste Rednerin in dieser Debatte ist für die Fraktion Die Linke Clara Bünger. Beifall: Linke
CL Clara Bünger Linke rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Gäste auf den Tribünen! Liebe Fußballfans! Jedes Wochenende besuchen durchschnittlich 750 000 Menschen aus allen Schichten die Stadien der Republik. Die Ränge sind voll, ihre Choreografien beeindruckend. Und genau über diese Menschen reden wir heute. Denn der Innenminister will sie alle unter Generalverdacht stellen und interessiert sich wie so oft nicht für Fakten: 17 Prozent …
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Gäste auf den Tribünen! Liebe Fußballfans! Jedes Wochenende besuchen durchschnittlich 750 000 Menschen aus allen Schichten die Stadien der Republik. Die Ränge sind voll, ihre Choreografien beeindruckend. Und genau über diese Menschen reden wir heute. Beifall: Linke Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Denn der Innenminister will sie alle unter Generalverdacht stellen und interessiert sich wie so oft nicht für Fakten: 17 Prozent weniger Verletzte, 9 Prozent weniger Straftaten, und das bei immer mehr Zuschauenden. ↳ Union: »Aber die Brutalität nimmt zu!« Fankurven sind vor allem eines: soziale Orte. Beifall: Linke Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Und ausgerechnet an diesen Menschen wollen Herr Dobrindt und seine Innenministerkollegen den ganzen Instrumentenkasten des autoritären Umbaus einmal ausprobieren: ↳ AfD: »Damit kennen Sie sich ja aus!« personalisierte Tickets, Gesichtsscanner, flächendeckende KI-Überwachung und kollektive Stadionverbote. Es scheint so, als würde Alexander Dobrindt einen persönlichen Feldzug gegen Fußballfans führen. Beifall: Linke Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Vielleicht sollte er, statt immer nur auf der Bayern-VIP-Tribüne mit Konzernbossen abzukumpeln, auch mal mit den normalen Fans reden. Dann würde er auch nicht so einen Mist fordern. Beifall: Linke Beifall: Grüne (einzelne Abg.) ↳ Carsten Müller (Union): »Wann waren Sie denn das letzte Mal im Stadion?« Die lebendige Fankultur dient Dobrindt als Feindbild und Testlabor zugleich. Was hier passiert, kommt bald für alle. Deshalb stellen wir uns den Plänen der Innenminister entgegen. Beifall: Linke Beifall: Helge Limburg (Grüne) Beim Bundeskriminalamt gibt es die Datei „Gewalttäter Sport“. Dort kann jede und jeder landen, ohne je eine Straftat begangen zu haben. Als Juristin sage ich Ihnen: Das verstößt gegen einen Grundsatz, der fast so alt ist wie das Recht: Keine Strafe ohne Schuld. Präventive Stadionverbote für ganze Fankurven sind nichts anderes als Kollektivstrafen, und Kollektivstrafen haben in einem Rechtsstaat einfach nichts verloren. Beifall: Linke Beifall: Helge Limburg (Grüne) Wer samstags in ein Stadion geht, ist kein Verbrecher. Niemand sollte gescannt, gespeichert und verfolgt werden, nur weil er oder sie den eigenen Verein anfeuert. Wir als Linke wollen das Gegenteil: Dialog statt Repression. Wir haben uns deshalb mit euch von den Fanverbänden an einen Tisch gesetzt. Danke, dass ihr heute hier seid, und danke für eure Arbeit. Beifall: Linke Und das verlangen wir auch von anderen: Redet miteinander – Bund, Länder, Vereine und die Fans. Stärken wir die Fanprojekte. Reden wir endlich auch über die schwierigen Themen wie Pyrotechnik, und handeln wir – nicht mit dem ewigen Verbotsreflex, sondern mit einer Expertenkommission und ehrlichen Pilotprojekten. Und es darf keine Verschärfungen im Schnellverfahren auf der Innenministerkonferenz geben. Für eine lebendige Fankurve! Fankultur ist kein Verbrechen. Vielen Dank. Beifall: Linke Beifall: Filiz Polat (Grüne)

Die Rednerin verteidigt die Fußballfans gegen geplante Sicherheitsmaßnahmen des Innenministers und plädiert für Dialog statt Repression.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend konfrontativmoralischpragmatisch Populismus 0,70 Farbige Stellen anklicken für die Deutung
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Der nächste Redner in dieser Debatte ist Stephan Mayer für die Unionsfraktion. Stephan Mayer : Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen! Sehr geehrte Kollegen! Eines kann und darf man unumwunden feststellen: Der Stadionbesuch in Deutschland ist sicher, und er ist unbeschwert. Aber – und das gehört zur Wahrheit auch dazu – es gibt leider immer noch, insbesondere im Fußball, …
Der nächste Redner in dieser Debatte ist Stephan Mayer für die Unionsfraktion. Beifall: Union Beifall: Johannes Schraps (SPD) Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU): Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen! Sehr geehrte Kollegen! Eines kann und darf man unumwunden feststellen: Der Stadionbesuch in Deutschland ist sicher, und er ist unbeschwert. Aber – und das gehört zur Wahrheit auch dazu – es gibt leider immer noch, insbesondere im Fußball, zu viel Gewalt in den Stadien. Frau Kollegin Bünger, Sie sagen, die Zahlen sind rückläufig. Ich sehe das anders. ↳ Jan Köstering (Linke): »Ihre Zahlen sind ja die Zahlen der Bundesregierung!« In der Saison 2024/2025 gab es in den ersten drei Ligen 1 107 Verletzte. Und ich sage ganz offen: Das sind 1 107 Verletzte zu viel. Beifall: Union Ich bin als überzeugter Sportpolitiker auch ein großer Anhänger von gelebter und lebendiger Fankultur. Aber um eines klar zu sagen: Randale, Bambule und Missbrauch von Pyrotechnik gehören nicht zur gelebten Fankultur. Beifall: Union Herr Kollege Limburg, Sie haben vorhin von Grundrechten gesprochen. Die Fans haben selbstverständlich Grundrechte. Grundrechte haben aber auch unbescholtene Besucherinnen und Besucher in Fußballstadien. Auch sie haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit Beifall: Union und müssen davor geschützt werden, unnötigerweise in Randale und Gewalttätigkeiten einbezogen zu werden. Frau Kollegin Bünger, Sie haben sich am Bundesinnenminister Alexander Dobrindt abgearbeitet. Aber Sie haben sich wieder mal – das zeugt natürlich auch ein bisschen von fehlendem Sachverstand – an den falschen Adressaten gewandt. Die Beschlüsse, die Sie erwähnt haben, stammen von der Länderinnenministerkonferenz, nicht vom Bundesinnenminister. ↳ Clara Bünger (Linke): »Ich habe von beiden gesprochen, Herr Mayer!« Und ich sage eines auch ganz klar: Die Beschlüsse dieser Konferenz unterstütze ich nachdrücklich. Beifall: Union Ich halte es für richtig, dass wir – auch mit Videoüberwachung in den Stadien – verstärkt die detektieren, die Schlechtes im Schilde führen. Und wenn dann von den Grünen gefordert wird, man dürfe doch die Stadionverbote nicht national verfolgen, sondern nur in dem jeweiligen Verein, für den sie ausgesprochen wurden, dann sage ich: Ja, Stadionverbote sind natürlich ein schwerer Eingriff in Persönlichkeitsrechte, keine Frage. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass sie nicht ohne Grund ausgesprochen werden, und wenn sie ausgesprochen werden, dann müssen sie auch in allen Stadien der entsprechenden Liga verfolgt werden können. Beifall: Union
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Kollege, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage aus der Fraktion Die Linke. Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU): Selbstverständlich.
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Kollege, bitte.
JO Jorrit Bosch Linke rede Im Protokoll ↗
Herr Kollege Mayer, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben ja von den Gewaltproblemen gesprochen, und Sie haben sich ja auch positiv gegenüber den Maßnahmen der Innenministerkonferenz geäußert. Sie kommen aus Bayern, und ich folge jetzt Ihrer Logik: Wenn die Zahlen in der Gewaltstatistik so hoch sind, dann müssen wir auch betrachten, dass beispielsweise beim Oktoberfest die …
Herr Kollege Mayer, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben ja von den Gewaltproblemen gesprochen, und Sie haben sich ja auch positiv gegenüber den Maßnahmen der Innenministerkonferenz geäußert. Sie kommen aus Bayern, und ich folge jetzt Ihrer Logik:Wenn die Zahlen in der Gewaltstatistik so hoch sind, dann müssen wir auch betrachten, dass beispielsweise beim Oktoberfest die Gefahr, sich zu verletzen, 23-mal so hoch ist wie die beim Besuch eines Fußballspiels. Ich frage mich: Warum wenden Sie diese Logik, die Sie gerade verwendet haben, immer bei Fußballfans an, sind aber so leise, wenn wir wirklich ein Gefahrproblem haben, beispielsweise beim Oktoberfest?Warum reden Sie nicht darüber, dass wir da für mehr Sicherheit sorgen müssen? Beifall: Linke Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU): Ich danke Ihnen, Herr Kollege, sehr herzlich für die Frage, weil sie mir wirklich die Gelegenheit gibt, noch mal klarzumachen, dass ich nicht Äpfel mit Birnen vergleiche und dass ich hier nicht unterschiedliche Maßstäbe an den Tag lege, sondern ganz bewusst ganz klare rechtsstaatliche Maßstäbe an den Tag lege. Wenn jemand auf dem Oktoberfest jemand anderen körperlich bedrängt, belangt, schlägt, dann muss dies natürlich genauso verfolgt werden, und zwar unmissverständlich verfolgt werden, wie wenn sich jemand in einem Fußballstadion ungebührlich verhält. Fußballstadien dürfen und können genauso wenig wie ein Oktoberfestzelt oder ein Freiplatz auf dem Oktoberfest ein rechtsfreier Raum sein. Das sind sie aber auch nicht. Es werden nämlich auf dem Oktoberfest sehr nachdrücklich und auch sehr unmissverständlich alle Straf- und Gewalttaten verfolgt. Das sind aus meiner Sicht hier auch keine doppelten Standards, die an den Tag gelegt werden, sondern das Gegenteil ist der Fall. Ich bin der festen Überzeugung: Wer in ein Fußballstadion geht und nicht als Fan die eine oder andere Mannschaft anfeuert, sondern als Hooligan nur Unfrieden stiften will, andere Menschen körperlich belangen will, der hat in diesem Stadion nichts verloren. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Und deswegen müssen Stadionverbote generell auch entsprechend exekutiert werden. Gleiches gilt auch für das Oktoberfest. Wenn sich jemand in einem Zelt ungebührlich benimmt, dann muss er natürlich auch entsprechend des Zeltes verwiesen werden, ↳ Catarina dos Santos-Wintz (Union): »Und das gilt auch im Stadion!« ↳ Union und diese Möglichkeiten gibt es auch entsprechend. Also, vor dem Hintergrund ist, auch wenn Sie auf meine bayerische Provenienz rekurrieren, dieser Vorwurf in keiner Weise zutreffend. (Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] meldet sich zu einer Zwischenfrage) – Herr Kollege Limberg, gerne. ↳ Helge Limburg (Grüne): »Ich muss ja auf die Präsidentin warten!«

Der Redner konfrontiert den Vorredner mit dem Vorwurf doppelter Standards in der Sicherheitspolitik und vergleicht die Gefahrenpotenziale von Fußballstadien mit denen des Oktoberfestes.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend polemischkonfrontativ Populismus 0,10 Farbige Stellen anklicken für die Deutung
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Ja, dann lassen wir jetzt die letzte Zwischenfrage zu, weil der Ausschuss hinterher ja noch ausreichend Möglichkeit bietet, dieses vielschichtige Thema noch mal in allen Facetten zu beleuchten. ↳ Grüne – Ob Sie die Ausschusssitzungen öffentlich oder nichtöffentlich gestalten, liebe Kolleginnen und Kollegen, liegt ja im Ermessen der Ausschüsse. – So, bitte schön.
HE Helge Limburg Grüne rede Im Protokoll ↗
Vielen Dank, Frau Präsidentin und Herr Kollege Mayer, dass Sie beide die Zwischenfrage zulassen. Sie haben gerade davon gesprochen, dass Stadionverbote ja nicht ohne Grund verhängt werden, und ich möchte noch mal darauf hinweisen: Wir fordern natürlich nicht die vollständige Abschaffung von Stadionverboten, sondern wir fordern die Anwendung mit Augenmaß. Und ich möchte schon noch einmal daran erinnern: Stadionverbote werden …
Vielen Dank, Frau Präsidentin und Herr Kollege Mayer, dass Sie beide die Zwischenfrage zulassen. Sie haben gerade davon gesprochen, dass Stadionverbote ja nicht ohne Grund verhängt werden, und ich möchte noch mal darauf hinweisen: Wir fordern natürlich nicht die vollständige Abschaffung von Stadionverboten, sondern wir fordern die Anwendung mit Augenmaß. Und ich möchte schon noch einmal daran erinnern: Stadionverbote werden allein auf Verdacht verhängt. Die Voraussetzung für ein bundesweites Stadionverbot ist nicht, dass jemand verurteilt ist, sondern dass es einen Tatverdacht gibt, und das ist in einem Rechtsstaat aus meiner Sicht mehr als bedenklich. Der zweite Punkt. Sie haben gesagt, die Bundesebene sei ja gar nicht berührt. Da muss ich Ihnen widersprechen, Herr Kollege Mayer. Gerade jüngst anlässlich des Auswärtsspiels von Dortmund in Bergamo hat die Bundespolizei massenhaft Ausreiseverbote gegen unbescholtene Dortmund-Fans – unbescholtene! – verhängt, und dies nur aufgrund des vagen Verdachtes, es könnte zu Gewalttätigkeiten kommen.

Der Redner kritisiert die Praxis der Stadionverbote und Ausreiseverbote als rechtsstaatlich bedenklich, da diese allein auf Verdacht ohne Verurteilung basieren und teilweise auch unbescholtene Fans betreffen.

✦ KI-generiert Konfrontativ, angreifend sachlichpolemisch Populismus 0,10 Farbige Stellen anklicken für die Deutung
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Herr Limburg, es nennt sich Zwischenfrage, nicht zweite Rede. Beifall: Union (einzelne Abg.)
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Sie haben ja schon eine Rede gehalten. Bitte zum Punkt kommen!
HE Helge Limburg Grüne rede Im Protokoll ↗
Ich komme zu der Frage, Frau Präsidentin. – In solchen Situationen, wo Gerichte feststellen, dass die Bundespolizei zu Unrecht massenhaft Ausreiseverbote verhängt, wollen Sie ernsthaft sagen, dass das dann nicht ohne Grund erfolgt und dass das so bleiben kann? Oder sind Sie nicht mit mir der Meinung, dass wir hier zu einer Sicherheitspolitik mit Augenmaß kommen müssen, die auch die …
Ich komme zu der Frage, Frau Präsidentin. – In solchen Situationen, wo Gerichte feststellen, dass die Bundespolizei zu Unrecht massenhaft Ausreiseverbote verhängt, wollen Sie ernsthaft sagen, dass das dann nicht ohne Grund erfolgt und dass das so bleiben kann? Oder sind Sie nicht mit mir der Meinung, dass wir hier zu einer Sicherheitspolitik mit Augenmaß kommen müssen, die auch die Grundrechte von Dortmund-Fans und anderen Fans berücksichtigt? Beifall: Grüne (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU): Vielen Dank, Herr Kollege Limburg, für Ihre Fragen bzw. Ihre Anmerkungen. – Ich sage eines ganz deutlich: Gerade Ihr Beitrag jetzt hat noch einmal ganz explizit herausgestrichen, worin unsere Unterschiede bestehen. Sie schreiben über Ihren Antrag vorwurfsvoll: gegen Repression und gegen Diskriminierung. Ich dagegen sage ganz offen: für effektive Gefahrenabwehr und effektive Strafverfolgung. Und das ist der entscheidende Unterschied zwischen uns beiden. Beifall: Union (einzelne Abg.) Ich bin nicht ganz Novize in der Sportpolitik und auch nicht in der Fußballpolitik. Ich weiß auch die KOS-Projekte zu schätzen, ich weiß die Stadionallianzen zu schätzen. Mir sind die Intensivierung und ernsthafte Führung des Dialogs mit den Fans auf gleicher Augenhöhe sehr, sehr wichtig. Nur differenziere ich eben sehr stark zwischen Fans auf der einen Seite und Hooligans auf der anderen Seite. Und ich weiß eben aus der Erfahrung, dass die Vereine die Stadionverbote nicht aus der Lamäng heraus erteilen, und ich sage es auch ganz offen: Die sind ja auch selber daran interessiert, dass die Leute in die Stadien gehen. Also, sie tun sich ja selbst auch unter materiellen Gesichtspunkten nichts Positives, wenn sie zu weitgehend Stadionverbote erteilen. Also, die Gefahr, dass es hier ein Übermaß in Deutschland gibt, was die Erteilung von Stadionverboten anbelangt, sehe ich im Gegensatz zu Ihnen beileibe nicht. Beifall: Union (einzelne Abg.) Ich darf vielleicht noch auf einen Punkt rekurrieren – Kollege Müller hat es ja schon exzellent gemacht –, was die Forderung anbelangt, dass man Fanbegleitern oder den Mitarbeitern in Fanprojekten ein Zeugnisverweigerungsrecht nach § 53 StPO zuerkennen sollte. Ich bin da dezidiert anderer Auffassung. Wenn man sich mal die Berufsgruppen oder die Gruppen ansieht, die in § 53 aufgeführt sind, so sind allenfalls vielleicht noch die Berater in der Schwangerschaftskonfliktberatung oder in einer Drogenberatungsstelle vergleichbar. Aber selbst da sehe ich keine Gleichwertigkeit zwischen den Mitarbeitern in einem Fanprojekt und den Mitarbeitern in einer Schwangerenberatungsstelle. Vor diesem Hintergrund erteile ich auch dieser Forderung eine klare Absage. Meines Erachtens bringen die Anträge der Linken und der Grünen deutlich zum Ausdruck, dass sie ein Sicherheitsrisiko sind, wenn es darum geht, die Sport- und Innenpolitik –

Der Redner Stephan Mayer (CDU/CSU) widerspricht der Kritik an Polizeimaßnahmen und Stadionverboten und betont stattdessen die Notwendigkeit effektiver Gefahrenabwehr sowie eine strikte Trennung von Fans und Hooligans. Er lehnt Forderungen nach einem Zeugnisverweigerungsrecht für Fanbegleiter ab und sieht die Anträge der Opposition als Sicherheitsrisiko.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Die Redezeit ist abgelaufen. Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU): – weiterhin in der Hand zu halten. ↳ Linke Deswegen eine klare Absage gegenüber Ihren Anträgen. Beifall: Union ↳ Clara Bünger (Linke): »Wir wollen mehr Grundrechte! Das bringt Sicherheit!«
AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Wie gesagt, das geht ja alles in die Ausschüsse; da können Sie das dann noch mal in allen Facetten diskutieren. Es scheint ja ein sehr bewegendes Thema zu sein. Wir kommen damit zum nächsten Redner. Für die AfD-Fraktion ist es Tobias Matthias Peterka. Beifall: AfD
TO Tobias Matthias Peterka AfD rede Im Protokoll ↗
Frau Präsidentin! Liebe Bürger! Der vorliegende, hier eigentlich entscheidende Gesetzentwurf zu Zeugnisverweigerungsrecht, Sozialarbeit und Beratungs-NGOs ist wirklich der eigentliche Offenbarungseid. Wie man es dreht und wendet: Die Grünen fahren unsere Gesellschaft mal wieder an die Wand. Wir wissen doch alle, welche Szenarien Ihnen bei diesem pervertierten Abwehrrecht gegen strafrechtliche Aufklärung eigentlich so vorschwebten, bei denen wieder weggeschaut werden soll. Zur …
Frau Präsidentin! Liebe Bürger! Der vorliegende, hier eigentlich entscheidende Gesetzentwurf zu Zeugnisverweigerungsrecht, Sozialarbeit und Beratungs-NGOs ist wirklich der eigentliche Offenbarungseid. Wie man es dreht und wendet: Die Grünen fahren unsere Gesellschaft mal wieder an die Wand. Wir wissen doch alle, welche Szenarien Ihnen bei diesem pervertierten Abwehrrecht gegen strafrechtliche Aufklärung eigentlich so vorschwebten, bei denen wieder weggeschaut werden soll. Zur Erinnerung: Anfang des Jahres stellten sich im Jugendzentrum Wutzkyallee in Berlin-Neukölln Sozialarbeiterinnen tapfer der Stigmatisierung von jungen Muslimen entgegen: So ein paar Vergewaltigungen einer 16-Jährigen im Partyraum mit anschließender Erpressung können ja mal vorkommen. Sicher war das Opfer auch irgendwie selber dran schuld, kurzer Rock usw. Jetzt noch Strafverfolgungsdruck gegen die edlen Wilden würde ja nur der AfD helfen und das eigene verquere Weltbild erschüttern. Beifall: AfD ↳ Clara Bünger (Linke) Das Mädchen musste sich den Mut fassen und sich Dritten anvertrauen, bis etwas passierte. ↳ Linke Die Sozialarbeiterinnen und die linke Stadträtin dürften sich noch heute in Selbstmitleid wälzen, dass sie mit so etwas behelligt wurden. Zum Glück eilt ja nun die grüne Fraktion zu Hilfe. Das nächste Mal kann man nämlich flugs so halb mutig anzeigen, um sein Gewissen zu beschwichtigen, und im Prozess dann – ganz genau! – die Aussage verweigern. Keine Strafe – man hätte ja gern, durfte aber nicht –; Moralinpegel gehalten; Konjunktiv-Tango: zehn von zehn Punkten – so haben Sie es doch am liebsten. Hoffentlich kommen Sie nie wieder in diesem Land in Regierungsverantwortung. Beifall: AfD Schluss mit der Moral des Rückzugs und der gesellschaftlichen Kapitulation! Sie haben uns bereits dahin gebracht, dass Migranten diesen Staat als schwaches Opfer verachten und sein Recht missachten. Kein weiteres Sonderrecht für Parallelgesellschaften! Vielen Dank. Beifall: AfD ↳ Klaus Mack (Union): »Es ging um Fußball!«

Der Redner kritisiert einen Gesetzentwurf zum Zeugnisverweigerungsrecht scharf und wirft den Grünen vor, durch eine Politik der Verharmlosung die Gesellschaft zu gefährden und Parallelgesellschaften zu fördern.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die Unionsfraktion Florian Oest. Beifall: Union
FL Florian Oest Union rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die anstehende Weltmeisterschaft zeigt: Keine Sportart bewegt die Menschen in unserem Land so sehr wie der Fußball. Morgen beginnt ein Turnier, das Millionen Menschen vor den Bildschirmen fesselt. Doch in unseren Stadien sehen wir auch immer wieder Bilder, die mit der Faszination dieses Spiels nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. …
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die anstehende Weltmeisterschaft zeigt: Keine Sportart bewegt die Menschen in unserem Land so sehr wie der Fußball. Morgen beginnt ein Turnier, das Millionen Menschen vor den Bildschirmen fesselt. Doch in unseren Stadien sehen wir auch immer wieder Bilder, die mit der Faszination dieses Spiels nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Wenn Bengalos in Menschenmengen fliegen, wenn Zuschauer verletzt werden, wenn mein neunjähriger Sohn seine Wasserflasche am Stadioneingang abgeben muss, während andere Pyrotechnik ganz offensichtlich ins Stadion schmuggeln, dann offenbart sich ein Problem bei der Durchsetzung von Regeln und der Konsequenz gegenüber Gewalt.Beifall: Union Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bin selbst Fußballfan, und ich weiß: Der überwiegende Teil der Fans ist friedlich; ja, die Zahl der Straftaten geht zurück. Aber die Brutalität der Ausschreitungen nimmt zu, ebenso wie die Zahl verletzter Einsatzkräfte. Der Einsatz von Pyrotechnik, Angriffe mit Steinen und Gehwegplatten auf Einsatzkräfte sind eben keine Fankultur. Das ist Gewalt, und die akzeptieren wir nicht. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, was dabei nicht hilft, ist der Antrag der Linken. Mit Ihrer Missachtung der föderalen Ordnung in Deutschland, mit Ihrer Romantisierung von Gewalt, mit Ihrem Misstrauen gegenüber unserer Polizei stellen Sie einmal mehr unter Beweis, dass Sie nicht Teil, sondern Gegner unseres Rechtsstaates sind. Wenn Gullydeckel und Gehwegplatten auf Einsatzkräfte fliegen, wenn Hunderte Vermummte versuchen, Fanbusse zu stürmen, wenn sich Familien rund um Fußballspiele nicht sicher fühlen, dann ist Nachsicht fehl am Platz. Beifall: Union Darüber habe ich auch mit dem DFB-Vize Hermann Winkler und Vertretern des sächsischen Fußballs gesprochen. Ich schätze die Aktivitäten von Fanklubs und Vereinen sehr. Wenn wir aber alle nicht wollen, dass Spiele ohne Zuschauer stattfinden, wenn wir alle nicht wollen, dass gerade kleinere Vereine durch Sicherheitskosten überfordert werden, wenn wir alle miteinander nicht wollen, dass am Ende Stehplätze abgeschafft werden müssen, dann braucht es mehr Anstrengung, mehr Ernsthaftigkeit, mehr Konsequenz auch bei den Vereinen und Veranstaltern. Beifall: Union Lassen Sie mich abschließend sagen: Rund um Fußballspiele sorgen Woche für Woche viele Einsatzkräfte für Sicherheit und Ordnung. Dafür gilt ihnen mein ausdrücklicher Dank. Beifall: Union Beifall: SPD (einzelne Abg.)

Florian Oest thematisiert Gewalt und Pyrotechnik im deutschen Fußball sowie Probleme bei der Regeldurchsetzung und fordert mehr Konsequenz von Vereinen und Veranstaltern. Er grenzt sich dabei scharf von der Linken ab, deren Antrag er als romantisierend und rechtsstaatsfeindlich bezeichnet.

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AN Andrea Lindholz Vizepräsidentin sitzungsleitung Im Protokoll ↗
Der letzte Redner in dieser Debatte ist für die AfD-Fraktion Lars Schieske. Beifall: AfD
LA Lars Schieske AfD rede Im Protokoll ↗
Sehr geehrtes Präsidium! Meine Damen und Herren! Die deutsche Fankultur im Fußball ist einzigartig. Sie steht für Heimat, Leidenschaft, Ehrenamt und Zusammenhalt von der Bundesliga bis zum Dorfverein, also von Bayern München bis zum VfB Krieschow. Choreografien, Gesänge, Auswärtsfahrten, Spendenaktionen und soziales Engagement – all das wird von Fans getragen, die Woche für Woche ihre Freizeit, ihr Geld und ihr …
Sehr geehrtes Präsidium! Meine Damen und Herren! Die deutsche Fankultur im Fußball ist einzigartig. Sie steht für Heimat, Leidenschaft, Ehrenamt und Zusammenhalt von der Bundesliga bis zum Dorfverein, also von Bayern München bis zum VfB Krieschow. Choreografien, Gesänge, Auswärtsfahrten, Spendenaktionen und soziales Engagement – all das wird von Fans getragen, die Woche für Woche ihre Freizeit, ihr Geld und ihr Herzblut investieren. Genau deshalb ist es bemerkenswert, wer sich heute plötzlich als Schutzpatron der Fans aufspielt: Grüne und Linke. Ausgerechnet diese Parteien beklagen nun Stigmatisierung, Generalverdacht und Spaltung der Fanszene. Dabei haben sie über Jahre selbst genau daran mitgewirkt – mit Anfragen, Anträgen und Kampagnen, in denen Teile der Fanszene immer wieder politisch etikettiert wurden. Mal waren es rechte Hooligans, mal waren es Nazis in den Stadien, die sie sahen, mal angebliche Unterwanderung ganzer Fankurven. Meine Damen und Herren, das ist keine Fanpolitik; das ist politische Heuchelei. Beifall: AfD Wer jahrelang Fangruppen in die rechte Ecke drückt, wer unliebsame Fans moralisch abwertet und ganze Fangruppen unter Verdacht stellt, der sollte sich heute nicht als Anwalt der Fankultur inszenieren. ↳ Dr. Ralf Stegner (SPD) Die Berichte der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze zeigen rückläufige Zahlen bei Verletzten und eingeleiteten Strafverfahren. Auch die Zahl der polizeilichen Einsatzstunden ist zurückgegangen. Mit anderen Worten: Der Stadionbesuch in Deutschland ist sicherer als manche Zugfahrt oder ein Weihnachtsmarktbesuch. Ja, Straftaten müssen verfolgt werden; ja, Gewalt und Extremismus haben im Stadion nichts verloren. Sie haben auch in unserem Alltag nichts zu suchen. Genau darum müssen sich die Innenminister kümmern, nämlich um die zunehmende Gewalt, die importiert wird. Darum brauchen wir keine Belehrung von Moralpolitikern für Fans,↳ Clara Bünger (Linke): »Wir spielen auch Fußball, alle, die wir hier sitzen!« sondern wir brauchen Respekt, Dialog und faire Behandlung. Wir stehen zur deutschen Fankultur mit all ihren Ecken und Kanten. In diesem Sinne: Sport frei! Beifall: AfD

Der Redner verteidigt die deutsche Fankultur und wirft Grünen und Linken vor, Fans über Jahre stigmatisiert zu haben und sich heute nur heuchlerisch als deren Schützer aufzuspielen.

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