Zur namentlichen Abstimmung „Bildung bezahlbar machen – BAföG-Reform jetzt“ erkläre ich, dass Generationsgerechtigkeit für uns heißt, dass wir in die Ausbildung junger Menschen investieren. Das ist kein Privileg, sondern eine Frage der Gleichbehandlung. Studierende und Auszubildende sind unsere wirtschaftliche Zukunft, es ist ein Gebot der Fairness, in ihre Ausbildung zu investieren. Die SPD-Bundestagsfraktion steht deshalb geschlossen zur Umsetzung der vereinbarten …
Zur namentlichen Abstimmung „Bildung bezahlbar machen – BAföG-Reform jetzt“ erkläre ich, dass Generationsgerechtigkeit für uns heißt, dass wir in die Ausbildung junger Menschen investieren. Das ist kein Privileg, sondern eine Frage der Gleichbehandlung. Studierende und Auszubildende sind unsere wirtschaftliche Zukunft, es ist ein Gebot der Fairness, in ihre Ausbildung zu investieren. Die SPD-Bundestagsfraktion steht deshalb geschlossen zur Umsetzung der vereinbarten BAföG-Reform der Koalition zum Wintersemester 2026/27. Die Finanzierung der Reform wurde von Finanzminister Klingbeil sichergestellt: in den Eckwerten des Haushalts für 2027 und die Folgejahre. Wir wollen die Wohnkostenpauschale von 380 Euro auf 440 Euro anheben. Für viele Studierende sind die Wohnkosten längst die größte finanzielle Belastung. Eine höhere Wohnkostenpauschale ist deshalb keine Zusatzleistung, sondern eine notwendige Anpassung an die Realität auf dem Wohnungsmarkt. Zudem müssen die Bedarfssätze angehoben werden. Sie sollen von den heute 475 Euro an das Grundsicherungsniveau von 563 Euro angepasst und dauerhaft daran orientiert werden. Ein weiterer wichtiger Baustein der Novelle soll das automische System bei der jährlichen Freibetragserhöhung von 1,5 Prozent sein. Dadurch wird das BAföG von weniger Einzelreformen abhängig, und es wird trotz Inflation der Zugang ins BAföG für Studierende und Auszubildende gesichert. Gleichzeitig wollen wir, dass mit der Novelle Bürokratie wegfällt. Mit der Abschaffung des Leistungsnachweises ab dem fünften Semester gehen wir hier einen wichtigen Schritt. Die Antragstellung des BAföG soll vollumfänglich digitalisiert werden. Wir lehnen den vorliegenden Antrag von Bündnis 90/Die Grünen ab, weil er diese Aspekte nur teilweise aufgreift. Der Antrag fordert umfangreiche Mehrausgaben (höhere Sätze, Zuschüsse, geringere Rückzahlungen) und hat aber keine konkreten Folgewirkungen, da er keine Gesetzesänderung vorsieht. Wir machen verantwortungsvolle Politik mit sozialen Zielen. Mit diesem Ansatz gehen wir voran. Wir gehen dementsprechend davon aus, dass die vereinbarte Reform aus dem Koalitionsvertrag zum BAföG zum Wintersemester 2026/2027 kommt und wir gemeinsam mit allen Partnern daran arbeiten. Anlage 5 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Zada Salihović (Die Linke) zu der namentlichen Abstimmung über die Beschlussempfehlung des Auswärtigen Ausschusses zu dem Antrag der Bundesregierung: Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der durch die Europäische Union geführten Operation EUFOR ALTHEA in Bosnien und Herzegowina (Tagesordnungspunkt 13) Ich enthalte mich bei der Abstimmung über EUFOR ALTHEA und weiche damit vom Abstimmungsverhalten meiner Fraktion, Die Linke, ab. Diese Entscheidung beruht auf einer Abwägung der konkreten Lage in Bosnien und Herzegowina sowie auf meinem persönlichen und politischen Zugang zu der Region. Meine Familie stammt aus der Region Sandžak, ihre Wurzeln liegen ursprünglich in Tuzla in Bosnien und Herzegowina. Die Kriege der 1990er-Jahre sind deshalb kein fernes historisches Ereignis, sondern Teil meiner Familiengeschichte. Ich bin mit Erzählungen über Krieg, Flucht, Vertreibung, Diskriminierung und die Angst vor Gewalt aufgewachsen. Gleichzeitig bin ich mit den Geschichten derjenigen aufgewachsen, die geblieben sind, die den Krieg erlebt haben und bis heute mit seinen Folgen leben. Für mich sind die Ereignisse auf dem Westbalkan keine abstrakten Kapitel europäischer Zeitgeschichte, sondern prägen bis heute meinen Blick auf Frieden, Sicherheit und politische Verantwortung. Mein politischer Werdegang ist geprägt von der Auseinandersetzung mit den Kriegen der 1990er-Jahre, ihren Folgen bis in die Gegenwart, aber auch mit den historischen Entwicklungen, die zu diesen Konflikten geführt haben. Gerade deshalb weiß ich, wie wichtig der Schutz der Menschen vor Ort ist. Diesen Aspekt kann und will ich bei meiner politischen Bewertung nicht ausblenden. Mein Blick auf die Region wird nicht nur durch meine Familiengeschichte geprägt, sondern auch durch zahlreiche Gespräche mit Menschen vor Ort. In den vergangenen Monaten habe ich mich intensiv mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bosnien und Herzegowina, mit Delegationen aus der Region sowie mit Menschen aus der bosnischen Diaspora ausgetauscht. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass die Debatte über internationale Sicherheitspräsenz in Deutschland häufig anders geführt wird als von denjenigen, die unmittelbar von den Konflikten und ihren Folgen betroffen sind. Viele Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner haben sehr deutlich gemacht, dass sie die politische Entwicklung Bosnien und Herzegowinas kritisch sehen, gleichzeitig aber die bestehende Sicherheitsarchitektur nicht einfach als verzichtbar betrachten. Die Ereignisse von Srebrenica oder den Sarajevo-Safaris stehen für mich bis heute als Mahnung dafür, was geschehen kann, wenn die internationale Gemeinschaft ihrer Verantwortung zum Schutz von Menschen nicht gerecht wird und versagt. Gleichzeitig zeigen viele Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte, dass militärische Präsenz allein keine politischen Konflikte lösen und keine demokratischen Strukturen schaffen kann. Bosnien und Herzegowina ist weiterhin von tiefen politischen Spannungen, institutionellen Blockaden und ungelösten Konfliktlinien geprägt. Die Entwicklungen in der Republika Srpska und die wiederkehrenden separatistischen Bestrebungen zeigen, dass die Sicherheitslage fragiler ist, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Vor diesem Hintergrund fällt es mir schwer, die Auffassung zu teilen, ein vollständiger und unmittelbarer Rückzug internationaler Sicherheitsstrukturen sei verantwortbar. Gleichzeitig überzeugt mich auch die Vorstellung nicht, dass die wiederholte Verlängerung einer militärischen Mission ohne eine erkennbare politische Perspektive ausreichend ist. Dauerhafte Stabilität entsteht nicht einfach durch militärische Präsenz, sondern durch demokratische Institutionen, gesellschaftliche Versöhnung, soziale Entwicklung und politische Eigenverantwortung. Aus meiner Sicht bedeutet verantwortungsvolle linke Sicherheitspolitik, die Perspektiven der betroffenen Gesellschaften ernst zu nehmen, Sicherheitsrisiken ehrlich zu benennen und gleichzeitig darauf hinzuwirken, dass militärische Strukturen langfristig durch politische und zivile Lösungen ersetzt werden. Ich erkenne an, dass EUFOR derzeit einen Beitrag zur Stabilisierung der Sicherheitslage leistet. Zugleich sehe ich die Notwendigkeit, die Rolle und Wirkung der Mission kritisch zu hinterfragen und stärker darüber zu diskutieren, wie der Übergang zu tragfähigen zivilen und demokratischen Strukturen gelingen kann. Solange wir die bestehenden Sicherheitsrisiken nicht ehrlich benennen und einen anderen Weg aufzeigen, kann ich diese Mission nicht ablehnen. Solange wir aber keine überzeugende politische Strategie entwickeln, die Bosnien und Herzegowina dauerhaft unabhängiger von externer Sicherheitspräsenz macht, kann ich ihr auch nicht zustimmen. Aus diesem Grund enthalte ich mich. Anlage 6 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Zada Salihović (Die Linke) zu der namentlichen Abstimmung über die Beschlussempfehlung des Auswärtigen Ausschusses zu dem Antrag der Bundesregierung: Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der internationalen Sicherheitspräsenz in Kosovo (KFOR) (Tagesordnungspunkt 17) Der Kosovokrieg und die NATO-Intervention von 1999 sind bis heute Gegenstand kontroverser politischer und völkerrechtlicher Debatten. Auch ich sehe die damalige Intervention kritisch und halte die Auseinandersetzung darüber für notwendig. Gleichzeitig gehört zur Wahrheit, dass der Konflikt nicht erst 1999 begann. Ihm gingen Jahre der Entrechtung, Repression und Gewalt gegen die kosovo-albanische Bevölkerungsmehrheit im Kosovo voraus. Zugleich haben die Kriege und die autoritär-nationalistische Politik des Milošević-Regimes weit über die unmittelbaren Kampfgebiete hinaus Auswirkungen auf die gesamte Region gehabt. Meine Familie stammt aus der Region Sandžak. Auch wenn der Sandžak nicht unmittelbar Kriegsschauplatz war, haben die Menschen dort die Folgen der damaligen Entwicklungen unmittelbar gespürt. Viele Bosniakinnen und Bosniaken lebten unter dem Druck eines zunehmend nationalistischen Staates, wurden überwacht, politisch marginalisiert und mussten erleben, wie Gewalt und Krieg immer näher rückten. Ich bin mit den Erzählungen meiner Familie aufgewachsen und habe früh verstanden, dass Sicherheit für viele Menschen auf dem Balkan keine abstrakte politische Kategorie ist, sondern eine existenzielle Frage. In den vergangenen Monaten habe ich mich noch intensiver mit der Situation im Kosovo beschäftigt und zahlreiche Gespräche mit Menschen aus der Region, mit Vertreterinnen und Vertretern der Diaspora sowie insbesondere mit Angehörigen von Minderheiten geführt. Besonders die Perspektiven von Roma, Ashkali und Balkan-Ägypterinnen und Balkan-Ägyptern haben mich dabei beschäftigt. Viele dieser Gespräche haben deutlich gemacht, dass die Sicherheitslage von den Betroffenen häufig anders bewertet wird als in deutschen Debatten. Gerade Angehörige von Minderheiten berichten weiterhin von Diskriminierung, gesellschaftlicher Benachteiligung und der Sorge, bei politischen Spannungen erneut zwischen die Fronten zu geraten. Vor diesem Hintergrund fällt es mir schwer, die Situation ausschließlich aus einer grundsätzlichen Ablehnung militärischer Einsätze heraus zu bewerten. KFOR ist kein idealer Einsatz und kann politische Lösungen nicht ersetzen. Dennoch erfüllt die Mission gegenwärtig eine sicherheitspolitische Funktion. Sie wirkt stabilisierend in einer Region, in der viele Konflikte zwar nicht mehr gewaltsam ausgetragen werden, aber weiterhin ungelöst sind. Gleichzeitig überzeugt mich die wiederholte Verlängerung des Mandats ohne eine klare politische Perspektive nicht. Mehr als 25 Jahre nach Kriegsende darf internationale Militärpräsenz nicht zum Dauerzustand werden. Sicherheit entsteht nicht allein durch Soldatinnen und Soldaten, sondern durch funktionierende Institutionen, Rechtsstaatlichkeit, gesellschaftliche Teilhabe, wirtschaftliche Perspektiven und eine nachhaltige Normalisierung der Beziehungen zwischen der Republik Kosovo und Serbien. Aus meiner Sicht bedeutet verantwortungsvolle linke Sicherheitspolitik, die Perspektiven der Menschen vor Ort ernst zu nehmen und nicht allein aus deutscher Distanz über ihre Sicherheitsbedürfnisse zu urteilen. Ich kann deshalb weder einer vorbehaltlosen Verlängerung des Einsatzes zustimmen noch seine sofortige Ablehnung mittragen. Solange die Sicherheitsrisiken fortbestehen, kann ich die Bedeutung von KFOR nicht ignorieren. Solange aber keine überzeugende politische Strategie erkennbar ist, die die Ursachen der Konflikte bearbeitet und den Einsatz langfristig überflüssig macht, kann ich ihm auch nicht zustimmen. Aus diesem Grund enthalte ich mich. Anlage 7 Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung des Antrags der Abgeordneten Boris Mijatović, Max Lucks, Deborah Düring, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Humanitäre Hilfe stärken, Völkerrecht verteidigen, international Verantwortung übernehmen (Tagesordnungspunkt 18)