Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Als am 3. Oktober in Bremen die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit begangen wurden, weilte die Fußballnationalmannschaft der Männer im griechischen Thessaloniki. Das Spiel der Mannschaft tags darauf endete unentschieden. Die Kappe, die Jürgen Klopp während des Spiels trug, war allerdings sehr entschieden. Sie trug eine Aufschrift, die wohl …
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Als am 3. Oktober in Bremen die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit begangen wurden, weilte die Fußballnationalmannschaft der Männer im griechischen Thessaloniki. Das Spiel der Mannschaft tags darauf endete unentschieden. Die Kappe, die Jürgen Klopp während des Spiels trug, war allerdings sehr entschieden. Sie trug eine Aufschrift, die wohl als umarmende Geste an die gesamte Nation verstanden werden darf: „Einer von 83 Millionen“. Ich fand das gut. Nach den inzwischen vier Spielen unter Jürgen Klopp ist die Stimmung bei manchen der 83 Millionen Bundestrainer jedoch bereits auf Kipp: Der Klopp mit seinen Ideen für Vielfalt und so, der kriegt es eben auch nicht hin mit der Mannschaft. – Warum ich das hier sage? Weil gerade in einem ostdeutschen Bundesland, in Magdeburg, ein Parlamentspräsident einer rechtsextremen Partei gewählt wurde. ↳ Stephan Brandner (AfD): »Welche Partei meinen Sie denn da?« ↳ Kassem Taher Saleh (Grüne): »Die Nazis! Die Nazis meint sie damit!« Und das ist kein Unentschieden, das ist Kipp. Beifall: Grüne Beifall: SPD Beifall: Linke (einzelne Abg.) ↳ Adam Balten (AfD): »Arbeiten Sie sich ruhig weiter ab!« Diese Wahl setzt Gefühle frei: hier Überheblichkeit, enthemmte Häme ↳ Stephan Brandner (AfD): »Wo denn? Wir ertragen nur Sie in Ihrem braunen Anzug!« ↳ Leif-Erik Holm (AfD): »Was für eine Häme?« ↳ Kassem Taher Saleh (Grüne): »Hören Sie doch einfach zu, Mensch!« und Hass. Beifall: Grüne Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Leif-Erik Holm (AfD): »Das war Demokratie! Das war gelebte Demokratie! Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, oder?« ↳ Kassem Taher Saleh (Grüne): »Hören Sie doch einfach zu! Das ist gelebte Demokratie!« Bei mir setzt sie Wut frei, Angst, auch Sorge und Tatendrang – ↳ Adam Balten (AfD): »Vor allem aber Wahnsinn, oder?« Mut bleibt und kein Weiter-so. ↳ Sören Pellmann (Linke): »Einfach mal zuhören!« ↳ Stephan Brandner (AfD): »Wenn sie uns beschimpft!« Nach der Landtagswahl im September ruft der Vater eines Kindes bei der Organisation LAMSA an, die sich um Migrantinnen kümmert, und fragt dort, ob es für seine Tochter eigentlich morgen möglich sei, sicher zur Schule zu gehen. Manche reden darüber, wegzugehen. ↳ Leif-Erik Holm (AfD): »Wenn Sie nicht solche Ängste schüren würden, wäre das überhaupt kein Problem!« ↳ Kassem Taher Saleh (Grüne): »Mein Gott, ey! Das ist wirklich peinlich langsam!« ↳ Stephan Brandner (AfD): »Wirklich peinlich, die Rede! Da sind wir ja mal einer Meinung!« Andere können nicht einfach Haus, Hof und Großeltern zurücklassen. Noch andere wollen bleiben und sich nicht vertreiben lassen von völkischen Finsternisbewirtschaftern. Und dafür vielen Dank! Beifall: Grüne Beifall: SPD Beifall: Linke Beifall: Union (einzelne Abg.) Für die Menschen in Sachsen-Anhalt gibt es kein Weiter-so. Meine Damen und Herren, es ließe und lässt sich heute hier berechtigt über fehlende Eliten und Vorbilder reden, über weniger Vermögen und noch weniger Erbschaften, über Auswirkungen der Wirtschaftskrise im Osten; denn häufig ist das eine Unternehmen das einzige. Es ließe sich über Erfolge reden; denn es gibt sie, sie sind eingetreten. Es ließe sich über Tausende von Chorsängerinnen und Feuerwehrleuten reden, über Vereine, die das Miteinander im Namen tragen, über Kirchgemeinden, die gerade trösten und kämpfen, wo sie können. Es ließe sich über Lehrerinnen reden, die sich sorgen, weil Schüler drohen, sie zu denunzieren, weil sie „schon wieder“ über die Grundrechte in der Verfassung reden. Doch das alles ist Teil von etwas Größerem. Denn ich fürchte, dass es in unserem Land eine noch tiefere Spaltung gibt, als die zwischen Ost und West überhaupt sein kann. ↳ Raimond Scheirich (AfD): »Für die Sie jeden Tag sorgen! Mit solchen Reden!« ↳ Stephan Brandner (AfD): »Vernünftig und unvernünftig!« Es ist die Spaltung zwischen denen, die Einigkeit und Recht und Freiheit wollen, und denen, die sich ein Land zurückwünschen, das es nie gab, die zerstören wollen mit Reden, mit Rachsucht, mit Ruchlosigkeit und mit Hass. Und das lassen wir nicht zu. Beifall: Grüne Beifall: SPD (einzelne Abg.) Beifall: Linke (einzelne Abg.) ↳ Leif-Erik Holm (AfD): »Sie sind die Spalter! Sie sind die Spalter!« Noch am 5. September – und auch ein bisschen am 5. Oktober – dachten die ein oder anderen: Es wird schon nicht passieren. – Aber es ist passiert. Und leider hatten am 7. September und am 7. Oktober einige im Land immer noch das Gefühl: Das wird schon, wir machen jetzt wieder normal weiter. – Aber es ist nicht normal und es darf nicht normal sein, dass ein Rechtsextremer mit Stimmen der Demokraten an die Macht kommt. Beifall: Grüne Beifall: Linke Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Stephan Brandner (AfD): »Ist doch überhaupt nicht! Was erzählen Sie denn da für einen Quatsch?« ↳ Adam Balten (AfD): »Was erzählen Sie da für einen Quatsch?« Und alle Ablenkungsmanöver, die wir gerade erleben – hier und auf Bildschirmen –, machen es noch schlimmer. ↳ Leif-Erik Holm (AfD): »Mit wem wollen Sie denn regieren in Berlin? Erzählen Sie doch mal, mit wem Sie in Berlin regieren wollen! Was ist denn das für eine Partei?« Meine Damen und Herren, wie also weiter? Wir müssen unser Parlament und die Institutionen im Land stärken, die Nationalhymne mitsingen und Schwarz-Rot-Gold und Regenbogen tragen. Beifall: Grüne Beifall: SPD (einzelne Abg.) ↳ Ruben Rupp (AfD): »Sie hassen die Nationalhymne und Schwarz-Rot-Gold!« ↳ AfD: »Was erzählen Sie da?« In diesem Herbst entscheidet sich, ob wir zusammenbleiben. In diesem Herbst werden wir entscheiden, dass wir all denen Schutz bieten, die Ihre Pöbeleien ertragen müssen – auf der Straße, im Parlament.